Cities for Children: Jahreskonferenz 2012
Delegierte aus Großstädten in 38 europäischen Ländern sowie zahlreiche Experten aus Wissenschaft und Praxis kamen von Montag, 14., bis Dienstag, 15. Mai, zur Jahreskonferenz des Europäischen Städtenetzwerks "Cities for Children" im Stuttgarter Rathaus zusammen. Mit dem diesjährigen Thema "Kinderfreundliche Quartiersplanung" wurde dabei eine ganz zentrale Aufgabe der Kommunen angesprochen, denn beim zunehmenden Wettbewerb gerade der größeren Städte um junge Familien spielt ein kinderfreundliches Lebens-und Wohnumfeld eine große Rolle.
Kinderfreundliche Quartiersplanung als eine der zentralen Aufgaben der europäischen Großstädte
Kinderfreundliche Quartiersplanung besteht vor allem darin, sich am täglichen Leben der Kinder zu orientieren und gezielt auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Kinderfreundliche Nachbarschaften müssen sich also an den Praktiken und Bewegungsmustern der Kinder im Alltag ausrichten. Kinder erfahren beispielsweise ruhenden Verkehr als Einschränkung ihrer Freiräume und frequentierte Straßen als eine Bedrohung ihrer Sicherheit und Unabhängigkeit.
Autor des Leitfadens ist der Städtebau- und Planungshistoriker Professor Angelus Eisinger von der HafenCity Universität Hamburg. Er saß auch der Auswahljury für den diesjährigen Award vor.
Mit ihm konnte Cities for Children einen ausgewiesenen Experten für diese Aufgabe gewinnen. Der Professor leitet unter anderem die Planungsplattform "Perimeter Stadt". An der HCU Hamburg ist er Professor für Geschichte und Kultur der Metropole.
Grundlage der "Agenda für kinderfreundliche Quartiersplanung" sind Ergebnisse aus verschiedenen Arbeitsgruppen der Mitgliedsstädte von Cities for Children, bei denen die Rolle einer kinderfreundlichen Stadtplanung thematisiert und diskutiert wurde, sowie die Bewerbungen für den 4. Award of Excellence "City for Children".
Agenda für Kinderfreundliche Quartiersplanung - Cities for Children 2012 (PDF - 926 KB)
Preisträger, Preis und Jury
Der Preisträger
Das diesjährige Siegerprojekt der Stadt Oldenburg trägt den Titel "Donnerschwee wird freizeitfit". Im Rahmen des Projekts ist es gelungen, eine große, frei gewordene Kaserne durch vielfältige andere Nutzungsformen wieder zu beleben. Insbesondere Jugendliche wurden in diesen Prozess integriert. Dabei wurden ihre Ideen nicht nur gesammelt und mit Hilfe der Verwaltung umgesetzt. Die Jugendlichen wurden auch aktiv und verantwortlich miteinbezogen, wie etwa bei der Organisation und Durchführung von Konzerten oder des Cafébetriebs. Dadurch konnten sie erfahren, dass gemeinsames Engagement mit anderen sich auszahlt und auch Freude macht. Andere Stadtbezirke von Oldenburg wollen nun eigene Initiativen nach dem Vorbild von Donnerschwee starten.
Einen besonderen Anerkennungspreis erhält die italienische Stadt Reggio Emilia für das Projekt "GiroGavasseto". Ziel dabei war es, den Schulweg der Kinder von Reggio Emilia sicherer zu gestalten. Gemeinsam mit ihnen wurden die Gefahrenstellen auf dem Schulweg und ihre spezielle Wahrnehmung der Umwelt untersucht und etwa durch die Schaffung von zusätzlichen Kreuzungen oder der Erneuerung der Hauptstraße beseitigt.
Maribor in Slowenien erhält ebenfalls eine Anerkennungsurkunde für den neu gestalteten Abenteuerspielplatz "Dozi". Der lange brach liegende Platz wurde unter der Mitbestimmung und Mitarbeit der benachbarten Kinder in einen beliebten Aufenthaltsort verwandelt. Die Umbau- und Wartungskosten wurden durch viel Freiwilligenarbeit bewusst klein gehalten. Heute werden zahlreiche Aktivitäten auf dem Spielplatz angeboten.
In Hamm wurde mit dem Stadtentwicklungsprojekt "Somethin' new in West", zu deutsch "Im Westen was Neues", ein etwa 220 Hektar großer Landschaftspark mit verschiedenen Grünflächen und vielfältigen Sport- und Freizeitangeboten entwickelt. Auch hier waren Kinder und Jugendliche aufgerufen, sich aktiv an der Planung und Umsetzung des Projekts zu beteiligen.
Der Preis
Der Preis ist eine künstlerisch gestaltete Plastik. Sie zeigt Menschen verschiedener Altersgruppen, die sich an den Händen halten und so einen Kreis bilden. Gestiftet wurde er von der TRUMPF GmbH + Co. KG.
Die Jury
Der Jury für die Verleihung des Award 2012 gehörten an:
Ottilie Bälz, Gruppenleiterin der Robert Bosch Stiftung, Dr. Christian Gsodam vom Ausschuss der Regionen Europas, Joanne Hunting vom Kongress der Gemeinden und Regionen Europas des Europarats, Christine Dziewanska-Stringer für den Rat der Gemeinden und Regionen Europas sowie Annelie Hulthén, Bürgermeisterin der Stadt Göteborg, Schweden für das Netzwerk Cities for Children und Winfried Börner in Vertretung des Stuttgarter Baubürgermeisters Matthias Hahn. In der Auswahljury waren erstmals auch zwei Stuttgarter Jugendräte vertreten.



