Fairtrade-Stadt Stuttgart

Seit Herbst 2013 zählt auch die Landeshauptstadt zum Kreis der Fairtrade-Städte. Stuttgart war die 200. Stadt in Deutschland, die als Fairtrade-Kommune anerkannt wurde.

Fairtrade-Kommunen gibt sie in 24 Ländern auf allen fünf Kontinenten. Der Gemeinderat hat im Sommer 2011 beschlossen, dass Stuttgart "Fairtrade-Stadt" werden soll. Auslober des Siegels ist TransFair e.V. Deutschland, Köln.

Fairer Handel verteilt keine Almosen. Die Menschen wollen eine angemessene, faire Bezahlung ihrer Arbeit erhalten. Genau so, wie das hierzulande erwartet wird.

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Fair-Trade Produkte werden immer beliebter. Foto: Trans Fair e.V.

Was will Transfair?

Fairer Handel bemüht sich deshalb auch um Nachhaltigkeit in Anbau- und Herstellungsmethoden. Kurz: Kauf und Verkauf fair gehandelter Produkte hilft Armut abzubauen und ist ein Schritt zum verantwortungsvollen Konsum.

Genau dieses Ziel unterschreibt die Stadt. Stuttgart will erreichen, dass fairer Handel ein Thema wird, für das sich immer mehr Bürgerinnen und Bürger einsetzen.


Der lokale Fairtrade-Ansatz in Stuttgart

Stuttgart hat dabei einen lokalen Ansatz: Auf der Ebene der Stadtbezirke haben sich Steuerungsgruppen gebildet. Ihnen gehören öffentliche Einrichtungen, kirchliche Gruppen, der Einzelhandel, Gastronomie oder Vereine angehören. Eine koordinierende und damit wichtige Rolle spielen die Bezirksvorsteherinnen und Bezirksvorsteher.

In vielen Geschäften können die Bürgerinnen und Bürger der zertifizierten Stadtbezirke bereits Fairtrade-Produkte kaufen. Neben Supermärkten gibt es in allen Stadtbezirken auch Einzelhändler und Unternehmen, die zusätzlich zu regionalen und Bioprodukten ihren Kunden fair gehandelte Nahrungs- und Genussmittel anbieten.

Auch in etlichen Kinder- und Jugendhäusern genießen die jungen Besucher fair gehandelte Schokolade und fair gehandelten Kaffee und Tee. Manche Schulen bieten in ihren Mensen fairen Kaffee und Tee an.

Degerloch war im März 2011 - zusammen mit dem Berliner Stadtteil Charlottenburg - der erste Fairtrade-Stadtbezirk.


Fairtrade-Stadtbezirke in Stuttgart

  • Degerloch
  • Wangen
  • Vaihingen
  • Bad Cannstatt
  • Münster
  • Möhringen
  • Botnang
  • Stuttgart-Mitte
  • Stuttgart-West
  • Stuttgart-Ost
  • Zuffenhausen
  • Weilimdorf
  • Feuerbach
  • Stammheim
  • Plieningen
  • Birkach
  • Obertürkheim
  • Untertürkheim
  • Hedelfingen
  • Sillenbuch, Heumaden, Riedenberg
  • Mühlhausen


Fünf Bedingungen für Fairtrade

Der Kölner Verein TransFair e.V. hat nun auch die Landeshauptstadt als Ganze zertifiziert. Bedingung dafür war, dass zwei Drittel der 23 Bezirke als Fairtrade-Bezirke anerkannt sind.

Fünf Kriterien haben die Stadtbezirke erfüllt, um "Fairtrade-Stadt" zu werden. Dies sind:

  • ein Ratsbeschluss, Fairtrade-Stadt werden zu wollen sowie der Ausschank von fairem Kaffee bei Ratssitzungen.
  • Einrichtung einer tatkräftigen Organisationsgruppe, die sich um das Thema Fairtrade-Stadt kümmert.
  • Einrichtungen und Betriebe müssen mitmachen.
  • Schulen, Kirchen und Vereine machen dazu gezielt Bildungsarbeit.
  • Und die lokalen Medien greifen das Thema Fairtrade auf.
Nach Prüfung durch TransFair e.V. wurde der Titel nun für die Gesamtstadt vergeben - zunächst für zwei Jahre. Dann überprüft TransFair, ob die Standards weiterhin erreicht werden.


Fairtrade = Fairer Handel

Ziel des fairen Handels ist eine gerechte Welthandelsordnung. ProduzentInnen im Süden sollen einen fairen Lohn für ihre Arbeit und Produkte erhalten, der ihnen ein Leben in Sicherheit und Würde ermöglicht. Bildung und Gesundheit, Ökologie und soziale Standards werden durch den Mehrerlös des Fairen Handels erreicht. Insbesondere kleinbäuerliche Kooperativen werden gefördert.

Unabhängige Zertifizierungsorganisationen sichern die Einhaltung der Fairtrade-Standards. Zu diesen zählen:

  • Stabile, existenzsichernde Mindestpreise
  • Fairtrade-Prämien, die für Gemeinwohlprojekte verwendet werden (z.B. Schulen)
  • Verbot illegaler Kinderarbeit
  • Verbot von Zwangsarbeit
  • Langfristige Handelsbeziehungen
  • Gewerkschaftsfreiheit
  • Gesundheitsschutz
  • Kauf und Verkauf fair gehandelter Produkte hilft Armut abzubauen und  ist ein Schritt zum verantwortungsvollen Konsum.


Die Stadt als Vorreiter bei ökofairer Beschaffung

Der Stuttgarter Gemeinderat hat bereits 2005 auf Antrag der Grünen-Fraktion beschlossen, keine Produkte mehr zu kaufen, die aus ausbeuterischer Kinderarbeit stammen.

Inzwischen sind bundesweit mehr als 200 Städte und Gemeinden diesem Beispiel gefolgt. Die Verwaltung erweitert seither die Produktpalette der städtischen Beschaffung stetig um regionale, ökologische und aus fairem Handel stammende Artikel.

Generell fordert der Zentrale Einkauf im Haupt- und Personalamt bei allen Produkten die Bieter und deren Tochterunternehmen sowie Zulieferer zur Einhaltung der Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen auf, die menschenwürdige Arbeitsbedingungen und einen hinreichenden Schutz gewährleisten sollen.

Städtische Ausschreibungen berücksichtigen nur noch Produkte wie Sportartikel, Teppiche, Natursteine oder Leder und Dienstleistungen, die ohne ausbeuterische Kinderarbeit hergestellt werden. Produzenten und Händler müssen sich aktiv für einen Ausstieg aus der Kinderarbeit einsetzen.

Stadt fragt nach Zertifikaten

Auf Zertifikate wie das Rugmark-Siegel für Teppiche ohne Kinderarbeit oder das TransFair-Siegel bei Orangensaft, Kaffee oder Tee wird Wert gelegt. Andernfalls müssen die anbietenden Firmen einen Verhaltenskodex, eine Sozialklausel oder eine Selbstverpflichtung vorlegen und damit garantieren, dass auch deren Zulieferer keine Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit vertreiben.

Bei allen Sitzungen des Gemeinderats wird seit längerer Zeit fair gehandelter Kaffee ausgeschenkt. Auch der Kaffee aus der Cafeteria und in den Rathauskantinen hat Fairtrade- und Bio-Qualität.

Darüber hinaus werden fair gehandelter Tee, Bio-Limonade und heimischer Apfelsaft aus Streuobstwiesenanbau angeboten. Ein stadtweites Projekt soll dafür sorgen, dass künftig auch die städtischen Kantinen vermehrt regionale und biologische Lebensmittel in ihren Gerichten verwenden.

Kommunen in starker Position

Mit ihrer Einkaufs- und Vergabepraxis nehmen Kommunen Einfluss auf Produktangebote am Markt. In Deutschland gibt die öffentliche Hand jährlich rund 360 Milliarden Euro für Waren und Dienstleistungen aus. Das entspricht etwa 16 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Rund 50 Prozent dieser Summe entfällt dabei auf die Kommunen.

Ökofair in Stuttgart. Stand (2014):
Ökofaire Beschaffung bei der Stadt Stuttgart (PDF)


Werbeprojekt mit der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule

Vom Berufsschüler zum Werbeprofi - dieser rasante Karrieresprung wurde für ausgewählte Schülerinnen und Schüler der Bereiche Marketing und Verlagswesen  an der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule in den vergangen Wochen zur Wirklichkeit.

Im Rahmen eines Projekts arbeiteten sie in Gruppen als eigenständige Werbeagenturen für zwei reale Kunden: Die Stadt Stuttgart und ein Zusammenschluss Stuttgarter Biohändler. In Kooperation mit der Firma Ströer entwickelten die Projektteilnehmer zwei Plakatkampagnen. Mehr Infos zum Thema.


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