2004 - Prof. D. Dr. h.c. Helmuth Rilling

Der Leiter der Internationalen Bachakademie Stuttgart, Professor Dr. Helmuth Rilling, ist am Montag, 16. Februar, im Forum der Landesbank Baden-Württemberg mit der Otto-Hirsch-Medaille geehrt worden.

Helmuth Rilling wurde für sein jahrzehntelanges musikalisches Wirken im Dienste der Versöhnung mit Israel geehrt. Bereits 1976 trat die Gächinger Kantorei unter seiner Leitung als erster deutscher Chor gemeinsam mit dem Israel Philharmonic Orchestra auf. Dabei durfte Rilling als erster Deutscher dieses Orchester dirigieren. Als anlässlich des Besuches der Ministerpräsidentin Golda Meir zu Beginn die israelische Nationalhymne erklingen sollte, ließ Helmuth Rilling die Gächinger Kantorei den Text singen - auf Hebräisch. Das schier Unglaubliche war geschehen: Ein deutscher Chor sang in Israel die Nationalhymne in hebräischer Sprache. Dieses Konzert gilt noch heute als ein Durchbruch in den kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel.

Helmuth Rilling diene mit seinem musikalischen Wirken in besonderer Weise der christlich-jüdischen Verständigung und Aussöhnung, erklärte Oberbürgermeister Schuster in seiner Ansprache. "Sie sind ein Pionier und Brückenbauer über Grenzen hinweg." Rilling verstehe es, Menschen unterschiedlicher Nationen, Kulturen und Religionen einander näher zu bringen, Versöhnung wachsen zu lassen und Frieden zu ermöglichen. Damit befinde sich Rilling in der Tradition von Otto Hirsch, an dessen Botschaft der Oberbürgermeister erinnerte: "sich jederzeit selbstlos einsetzen für Menschlichkeit und für den Dienst am Nächsten". "Otto Hirschs Erbe bleibt unsere Verpflichtung: nicht zu vergessen, auch heute einzutreten gegen jede Form von Fremdenfeindlichkeit, Gewalt von Rechts und Antisemitismus. Wir wollen, dass Stuttgart tolerant und weltoffen bleibt."

Helmuth Rilling wurde 1933 in Stuttgart geboren. 1954 gründete er die Gächinger Kantorei, 1965 kam das Bach-Collegium Stuttgart als instrumentaler Partner dazu. In dieser Zeit begann seine intensive Beschäftigung mit dem Werk Johann Sebastian Bachs, mit dem der Name Helmuth Rilling wie der keines anderen Interpreten weltweit verbunden ist.

Darüber hinaus hat er entscheidend zur Wiederentdeckung der romantischen Chormusik beigetragen. Durch regelmäßige Kompositionsaufträge fördert er die zeitgenössische Musik. Mit seinen Ensembles gibt Rilling weltweit Konzerte und ist gefragter Gastdirigent bei führenden Orchestern in Europa, den USA und Kanada. Eine besondere Freundschaft verbindet ihn seit über 25 Jahren mit dem Israel Philharmonic Orchestra. Seit 1970 ist er künstlerischer Leiter des von ihm mitbegründeten Oregon Bach Festivals, eines der profiliertesten Musikfestivals in den USA.

1981 gründete Helmuth Rilling die Internationale Bachakademie Stuttgart, die sich Person und Werk Johann Sebastian Bachs und seinen Auswirkungen auf die Musik seit 1750 bis in unsere Zeit in allen Facetten widmet. Sie veranstaltet Konzerte, Meisterkurse für Sängerinnen und Sänger und Dirigenten, Symposien, das Europäische Musikfest Stuttgart, die Stuttgarter Bachwochen und eine Konzertreihe mit oratorischen Werken vom 17. bis 21. Jahrhundert. Die internationale Arbeit mit jungen Menschen ist zentraler Bestandteil der Arbeit Helmuth Rillings. 2001 wurde das Ensemble "Festival Chor und Orchester Stuttgart" gegründet, bei dem junge Sängerinnen und Sänger sowie Instrumentalisten aus mehr als 20 Nationen zusammenkommen. Außerdem leitet er regelmäßig Workshops für junge Musikerinnen und Musiker in aller Welt, die Bachakademien.

Zahlreiche Schallplatten-, Hörfunk- und Fernsehproduktionen dokumentieren das weitgefächerte Schaffen Helmuth Rillings. Als erster und bisher einziger Dirigent spielte er (1970-1984) sämtliche Kantaten Bachs ein; zum Bach-Jahr 2000 erschien unter seiner künstlerischen Gesamtleitung mit der "Edition Bachakademie" die Gesamtaufnahme der Werke von Bach auf 172 CDs.

Für sein vielfältiges Engagement wurde Helmuth Rilling unter anderem mit dem Internationalen Unesco-Musikpreis (1994) und dem Theodor-Heuss-Preis »Taten der Versöhnung« (1995) ausgezeichnet. 2003 wählte ihn die American Academy of Arts and Sciences zum Ehrenmitglied. Mit der Einspielung von Krzysztof Pendereckis »Credo« gewann er den Grammy Award 2000 für die beste Chor-Darbietung und wurde erneut 2001 für die Einspielung von »Deus Passus« von Wolfgang Rihm nominiert. Die Stadt hat Helmuth Rilling im Jahr 2001 die Bürgermedaille verliehen.