Figurentheater zählt zu den derzeit innovativsten Theatersparten, deren künstlerische Ausdruckskraft mehr und mehr auch von "großen" Häusern erkannt wird. Als visuelle Theaterform weckt es wie kaum ein anderes Genre die Vorstellungskräfte des Zuschauers. Es wirkt unmittelbar auf die Fantasie und öffnet Räume für eigene Geschichten.
Der Fundus dieser virtuosen Kunstform reicht vom zerknüllten Papier bis zur filigranen Marionette, von Masken bis zu Licht, Raum und Schatten, von der Stabpuppe bis zum Alltagsobjekt. Sie umfasst traditionelle Spielformen ebenso wie experimentelle
Performances. Grenzüberschreitungen zu Schauspiel, Musik, Tanz, Film und Pantomime sind heute selbstverständliche Bestandteile des Figurentheaters.
Am 14. Januar 1983 öffnete unterm Tagblatt-Turm das "Stuttgarter Puppen- und Figurentheate" seine Pforten. Initiiert durch eine Gruppe Stuttgarter Puppenspieler entstand so - bundesweit einmalig - der erste feste Spielort für dieses Genre.
Gleichzeitig sorgte die Einrichtung des Studienganges Figurentheater an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart für einen nachhaltigen Entwicklungsschub. Diesen verstärkte 1986 der Start der "Internationalen Festwoche des Figurentheaters".
Der gesicherte Spielort, die professionelle Ausbildung und der internationale Austausch - damit waren durch das "Figurentheater in Stuttgart" FITS, das sich 2003 in
FITZ! Zentrum für Figurentheater umbenannte, die entscheidenden Eckpunkte eines Konzepts definiert, das Stuttgart zu einem der bedeutendsten europäischen Figurentheaterzentren macht.
Viele der am Haus produzierenden Bühnen haben durch ihre rege Gastspieltätigkeit Stuttgart als internationalen Figurentheaterstandort bekannt gemacht. Gastspielreisen führten freie Ensembles wie das Materialtheater Stuttgart, das figuren theater tübingen und das Figurentheater Wilde & Vogel bis nach Afrika, Indien, Japan und in die USA.
Auf den wichtigsten europäischen Festivals sind viele Stuttgarter Gruppen regelmäßig zu Gast und wurden mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Internationale Kontakte pflegt das
FITZ!
darüber hinaus als Mitglied der
Union Internationale de la Marionnette (UNIMA) und im Rahmen von zahlreichen europäischen Veranstalternetzwerken.
Die "Internationale Festwoche des Figurentheater" zählt zu den bedeutendsten europäischen Festivals für Figurentheater. Seit dessen Gründung im Jahr 1986 präsentiert das FITS/
FITZ! bei diesem internationalen Treffen ein facettenreiches Kaleidoskop aus modernen Klassikern und richtungweisenden Neuinszenierungen.
Seit 1998 ist das
FITZ! auch Förderer internationaler Koproduktionen. Den Anfang machte die deutsch-italienische Gemeinschaftsarbeit "Blaubart". 2000 folgte die deutsch-israelische Inszenierung "Kinder der Bestie", und 2001 das interdisziplinäre Theaterprojekt "Orpheus
Underground" mit neun Künstlern aus drei Nationen.
Im Rahmen eines europäischen Theaterprojekts organisierte das
FITZ! 2003 erstmals ein international besetztes Laboratorium mit Figurenspielern, Schauspielern und Musikern aus Frankreich, Italien und Deutschland. Die Ergebnisse dieses Laboratoriums werden in die mehrsprachige Inszenierung "
Magic 20th Century Tour" einfließen, die im Frühjahr 2005 in Stuttgart die deutsche Erstaufführung erlebte und anschließend auf Tournee ging.
1970 Gründung einer Arbeitsgemeinschaft von Stuttgarter Puppenspielern
1972 Gründung des Vereins der Freunde des Puppenspiels
1976 Regelmäßiger Spielbetrieb im Institut für Auslandsbeziehungen
1983 Gründung des Stuttgarter Puppen- und Figurentheaters
1986 Gründung der Internationalen Festwoche des Figurentheaters
1988 Umbenennung in Figurentheater in Stuttgart FITS
1998 Beginn internationaler Koproduktionen
2003 Umbenennung in
FITZ! Zentrum für Figurentheater