Unterm Turm - Der Tagblatt-Turm
Seit seiner Einweihung 1928 symbolisiert der Tagblatt-Turm das moderne Stuttgart. Jetzt ist "Unterm Turm" ein Zentrum der modernen, weltoffenen Kultur angesiedelt. Tradition und Zukunft, Bewahren und Entdecken: Diese Pole bestimmen das Leben "Unterm Turm".
Revolutionäre Bauweise
Der Tagblatt-Turm ist das erste Stahlbeton-Hochhaus Deutschlands und das erste in Sichtbeton errichtetes Hochhaus der Welt. Dies macht den 18-stöckigen Tagblatt-Turm zu einem der bedeutendsten Stuttgarter Architekturdenkmale des Neuen Bauens.
1927 hatte der Gemeinderat erst nach harten Debatten dem Entwurf des damals noch völlig unbekannten Architekten Ernst Otto Oßwald (1880 - 1960) zugestimmt. Bei der Einweihung würdigte der Hauptschriftleiter des Stuttgarter Neuen Tagblatts, Karl Brackmann, das neue Domizil als Beweis dafür, dass der Stuttgarter willens sei, freier über den Kranz seiner Berge hinwegzusehen und das Leben, "das draußen brandet, als lebenswert anzuerkennen."
In dem "Wolkenkratzer für den republikanischen Zeitungsleser" wurde bis zum 31. März 1943 das liberal-demokratische Stuttgarter Neue Tagblatt geschrieben, redigiert, gesetzt und gedruckt.
Nach dem Ende des 2. Weltkriegs zog im September 1945 die Stuttgarter Zeitung ein. Mit dem Auszug der Stuttgarter Zeitung 1978 endeten fünfzig Jahre der Nutzung des Tagblattturms als Verlagshaus. Danach beherbergte der Turm ein Verkaufsbüro der Stuttgarter Zeitung, Büros und städtische Einrichtungen.
Der Tagblatt-Turm steht seit 1978 unter Denkmalschutz.
Kultur unterm Turm
1978 wurde das umgebende Areal als "Kultur unterm Turm" für die Stuttgarter Kulturszene erschlossen. Bis 2001 waren dort die Galerie unterm Turm und Ausstellungsräume des Stadtarchivs untergebracht. 1980 zog das Theater tri-bühne ein, und 1983 das "Figurentheater in Stuttgart" (FITS), das heutige FITZ!.
Nach intensiven Diskussionen über die Einrichtung eines neuen Kinder- und Jugendtheaters fasste der Gemeinderat am 22. Juli 1999 den Beschluss, das stadteigene Tagblatt-Turm-Areal grundlegend umzubauen. Den Umbau plante das Architekturbüro Lamm - Weber - Donath aus Stuttgart. Im Herbst 2002 übernahm das Büro Drees & Sommer die Projektsteuerung. Das Architekturbüro "urban matters" gab der so entstandenen, komplexen räumlichen Struktur durch eine gezielte Farbgestaltung und Einsatz von Orientierungselementen einen gestalterischen Zusammenhang.
Die Neugestaltung wertet das bedeutende Baudenkmal des Tagblatt-Turms mit seinen Rückgebäuden wesentlich auf. Das Areal umfasst sieben Gebäude, deren Substanz zum Teil noch aus dem 19. Jahrhundert stammt. Der Umbau vereinte sie zu einem geschlossenen Ensemble. Die Fassade des Turms wurde umfassend renoviert; dieser selbst wurde anfangs nicht in das Kulturareal einbezogen. Seit 2008 ist in ihm unter anderem der Planungsstab für das Stadtmuseum Stuttgart untergebracht.
Chronologie zum Areal Unterm Turm
| 1927 - 1928 | Bau des Tagblatt-Turms in Stahlbeton-Sichtbeton Bauweise |
| 1928 - 1943 | Nutzung durch das Stuttgarter Neue Tagblatt |
| 1945 - 1978 | Nutzung durch die Stuttgarter Zeitung |
| 1980 | Einzug Theater tri-bühne |
| 1982 | Umbau und Erweiterung durch das Architekturbüro Bühler und Partner |
| 1983 | Einzug Stuttgarter Marionettentheater |
| 1983 | fünf Ausstellungen "Projekt Zeitgeschichte" |
| 1987 | Ausweichquartier für die Stuttgarter Buchwochen |
| 22. Juli 1999 | Gemeinderatsbeschluss zum grundlegenden Umbau des Tagblatt-Turm-Areals |
| 20. Sept. 2001 | Baubeschluss |
| Februar 2002 | Baubeginn Tagblatt-Turm |
| März 2004 | Fertigstellung und Übergabe an die Nutzer |
| 13. Mai 2004 | Einweihung |
| 13.-19. Mai 2004 | Einweihungsfestival "Tage Unterm Turm" |






