Unterm Turm - Der Umbau

Das Kulturareal "Unterm Turm" umfasst eine Gesamtfläche von mehr als 8000 Quadratmetern. Die ältesten Bauten stammen von 1857, die jüngsten von 1962. Bei der Einweihung ist nur noch zu ahnen, dass sieben historische Gebäude die Grundsubstanz für die U-förmig um einen Innenhof angeordneten Räume waren. 1999 beschloss der Gemeinderat, dieses Konglomerat von Bauten zu sanieren und für neue Nutzungen ergänzen zu lassen.

Aufgabe des Architekturbüros Lamm - Weber - Donath war es, die sieben Einzelgebäude trotz unterschiedlichster Baumaterialien, Gründungsarten und Erhaltungszustände zu einem Gesamtkomplex zusammenzufügen und diesen den Ansprüchen von Theatern und kulturpädagogischen Einrichtungen anzupassen.

Die unterschiedlichen Gebäudeteile wurden großteils völlig entkernt und teilweise in ihrer tragenden Grundsubstanz stark verändert. Um den Theatersaal des JES herzustellen, mussten Decken und Wände herausgebrochen und neu betoniert werden, und aus einem Lichthof im Erdgeschoss wurde der neue Theatersaal des Theaters tri-bühne; darüber erstrecken sich ein neues Dach beziehungsweise eine Dachterrasse im 2. Obergeschoss. Außerdem wurde ein Treppenhaus aufgestockt und ein neues Treppenhaus gebaut.

Für alle drei Theater wurden - je nach Anforderung - Probebühnen, Werkstatträume, Lagermöglichkeiten, Garderoben und Büroräume gebaut. Der linke Gebäudeteil beherbergt das neue Kinder- und Jugendtheater Stuttgart (JES). Im rechten Teil erhielten das Theater tri-bühne und das Zentrum für Figurentheater FITZ! neu gegliederte, erweiterte Flächen.

Die Studios der Theaterpädagogik des JES sind im ersten Stock des rechten Flügels angesiedelt. Im zweiten Stock des rechten Flügels werden außerdem der Museumspädagogische Dienst (mu*pä*di) und die Jugendkunstschule Kinderwerkstatt e.V. (JuKuS) untergebracht. Der 265 m² große Innenhof, den ein Glasdach in einer Höhe von 15,50 Metern überdacht, ist gleichzeitig öffentlicher Durchgang zur Christophstraße und Teil der Foyers von JES, Theater tri-bühne und FITZ!.

Das Theater tri-bühne verfügt nach dem Umbau über zwei Theatersäle sowie eine Probebühne. Das FITZ! hat künftig neben seinem bisherigen Theatersaal eine Probebühne. Das JES erhält einen Theatersaal und eine Probebühne; außerdem kann sein Foyer im ersten Obergeschoss als Spielfläche genutzt werden. Der theaterpädagogischen Abteilung des JES stehen zwei Studios zur Verfügung.

Für die Jugendkunstschule wurden ein Aktionsraum mit einem Oberlicht sowie zwei Werkstattraume geschaffen. Der mu*pä*di verfügt künftig über einen Video-Arbeitsraum, der auch als Fotolabor genutzt werden kann, und über eine Werkstatt mit Oberlicht. Eine als Lichthof gestaltete Terrassenfläche verbindet mu*pä*di und Jugendkunstschule. Die städtische Kindertagesstätte thront über diesem Innenhof und bildet mit ihren Klettergerüsten einen pittoresken Abschluss des Gebäudekomplexes, dem auf der anderen Seite die halbtonnenartig geformten Sheddächer über den Werkstätten von mu*pä*di und JuKuS entsprechen.

Die Neugestaltung des Tagblatt-Turm-Areals zu einem Kulturzentrum mit fünf kulturellen Einrichtungen erforderte umfassende Erweiterungs-, Umbau- und Sanierungsarbeiten. Starke Mängel an der historischen Gebäudesubstanz und Kontaminationen durch Altlasten erschwerten den Umbau. Sie verdeutlichten, wie nötig die Sanierung des Gebäudekomplexes war. Gleichzeitig führten sie zu Verzögerungen der Bauausführung und Kostensteigerungen. Der Gemeinderat beschloss am 14. November 2002 einen neuen Kostenrahmen in Höhe von 12.390 Millionen Euro. Zudem beauftragte das Hochbauamt der Landeshauptstadt Stuttgart im Herbst 2002 Drees & Sommer als Berater und Projektsteurer mit der Erstellung einer Kostenbilanz und der Kontrolle von Kosten und Terminen bis zur Realisierung.

Innerhalb dieses neu genehmigten Kostenrahmens erarbeitete das Expertenteam eine klare Organisationsstruktur aller Projektbeteiligten, die über unterschiedlichste Interessen und Kenntnisse verfügen. Das Netzwerk der Projektpartner bestand aus Kulturamt, Hochbauamt, Architekten, entsprechenden Fachplanern und dem Theaterplaner, der die vollständige theaterspezifische Einrichtung koordinierte und die Interessen der Nutzer vertrat.

Intensive Zusammenarbeit mit den Nutzern

Der heterogene Kreis von Verantwortlichen verlangte diplomatische Kommunikationsarbeit von den Projektmanagern. Drees & Sommer veranlasste, dass die verschiedenen Anforderungen der Nutzer an die Räumlichkeiten detailliert in einem Raumbuch beschrieben wurden - stets unter Berücksichtigung des festgelegten Kostenrahmens. Beispielsweise war ein wichtiger Wunsch aller Partner, die Überdachung des Innenhofes, der Agora, die als Erweiterung der Foyers dient und allen Einrichtungen für Veranstaltungen zur Verfügung steht.

Aufgrund der baulichen Gegebenheiten war die Baustelle für Materialtransport und für Be- und Entladungsarbeiten nur über die Zufahrt von der Nesenbachstraße zugängig, was die Baulogistik erheblich erschwerte.

 

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