Stadtentwicklungskonzept (STEK) Stuttgart

Der Beitrag von Stadtplanung und Stadtentwicklung ist umso zielgenauer, je klarer die wichtigen Trends in Wirtschaft und Gesellschaft erkannt, zukünftige Entwicklungen vorhergesehen und Leitziele formuliert werden.

Um diese Chance zu nutzen, hat der Gemeinderat der Landeshauptstadt Stuttgart als "Navigationshilfe" für zukünftige Planungen und Entscheidungen ein Stadtentwicklungskonzept (STEK, 2004-2006) erarbeiten lassen.

In einem dreistufigen, seit 2004 andauernden Planungs- und Diskussionsprozess wurde ein konzeptionelles Planwerk erstellt, das die funktionalen und räumlichen Qualitäten und Entwicklungspotenziale Stuttgarts für die Gesamtstadt für den Zeitraum der nächsten 15 Jahre erstmalig und ressortübergreifend aufzeigt. Mit dem Entwurf 2004 des Stadtentwicklungskonzeptes Stuttgart wurde eine Grundlage für den Dialog aller Beteiligten geschaffen.

Beraten und begleitet wurde das STEK von einer Lenkungsgruppe mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, externen Planern und Akteuren sowie Experten aus anderen Städten. Im Rahmen von öffentlichen Fachkonferenzen wurden Szenarien für die Entwicklung Stuttgarts zur Diskussion gestellt.

Die im Entwurf vorgestellten Themenfelder und Leitprojekte wurden anschließend intensiv mit der Öffentlichkeit diskutiert. Mit dem Dialog 2005 fand eine Reihe von Diskussionsabenden statt, zu der interessierte Bürgerinnen und Bürger, Vertreter aus Politik und Wirtschaft sowie Fachleute unterschiedlicher Disziplinen eingeladen waren.

Mit der Strategie 2006 wurden - als dritter integraler Bestandteil des STEK - die erarbeiteten und diskutierten Inhalte zusammengefasst und strategische, auf den Aspekt der Umsetzbarkeit ausgerichtete Schlüsse aus den vorgebrachten konzeptionellen Überlegungen gezogen.

Mit dem Gesamtkonzept für das STEK wurde schließlich eine Handlungsstrategie vereinbart, die neben einem Katalog aus zehn übergreifend geltenden und sektoralen Leitzielen für die künftige Stadtentwicklungspolitik eine Reihe von Leitprojekten und Impulsprojekten zur Entwicklung des Gesamtraums definiert.

Die Leitziele umfassen die Nachhaltigkeit als Leitprinzip, die Stärkung urbaner Qualitäten und den Ausbau der Kooperation in der Region, aber beispielsweise auch die Förderung der Integration und des sozialen Miteinanders, die Sicherung des Wohnraums und urbaner Wohnformen, den Ausbau wirtschaftlichen Standortfaktoren und die Gestaltung einer stadtverträglichen Mobilität.

Besonderes Profil erhält das Stadtentwicklungskonzept durch vier thematische Leitprojekte, denen jeweils räumliche Schwerpunkte zugeordnet sind, um die Entwicklungspotenziale der Stadt als Wohn-, Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort beispielhaft zu verorten und den unterschiedlich strukturierten Teilräumen der Stadt gerecht zu werden.

Urbanes Wohnen und Renaissance des öffentlichen Raums - Schwerpunkt Stuttgart-Mitte

Eingebettet in die außergewöhnliche Topografie des Höhenkranzes wird die Innenstadt Stuttgarts weiter zu einem verdichteten urbanen Stadtteil mit hoher Nutzungsvielfalt, attraktiven Stadtplätzen und kulturellen Angeboten von internationalem Rang ausgebaut.

Stuttgarts charakteristische Qualitäten als Wohnstadt sollen erhalten und in gemischt genutzten Quartieren weiterentwickelt werden. Besonderes Augenmerk richtet die kommunale Wohnungspolitik auf Familien mit Kindern, auf generationenübergreifende Wohngruppen, allein Erziehende, Senioren und Bau- und Wohngemeinschaften.

Industriestandort im Wandel - Schwerpunkt Stuttgart-Nord

Der Stuttgarter Norden hat auch weiterhin große Bedeutung als Industriestandort; die sich wandelnde Arbeitswelt - mit umweltverträglicher Produktion, wachsender Bedeutung von Forschung, Entwicklung und digitalisierten Prozessen - erhöht die städtebaulichen Gestaltungsspielräume.

Insbesondere die großen Stadtteile Zuffenhausen und Feuerbach können zukünftig zu urbanen Stadtquartieren entwickelt werden, in denen sich Industrie- und Gewerbegebiete, "neue" Mischgebiete und Wohngebiete zu lebendigen Stadtteilen verbinden.

Flusslandschaft der Zukunft - Schwerpunkt Stuttgart-Neckar

"Wasser in der Stadt" wird zum zentralen Leitmotiv für die Entwicklung der östlichen Stadtteile zu attraktiven Zukunftsstandorten. Mit anderen Akzenten als in altindustriellen Regionen soll das Neckartal als dynamischer Wirtschaftsraum entwickelt werden.

Eingelagert in eine Sport-, Freizeit- und Erholungslandschaft sollen sich hochtechnologische Produktion, unternehmensbezogene Dienstleistungen, historische Ortskerne und neue Wohngebiete am Wasser zu einer Flusslandschaft ganz eigener Prägung verbinden.

Neue Wissenslandschaft - Schwerpunkte Vaihingen und Filderebene

Der Südraum Stuttgarts - die Filderebene - ist einem dynamischen Wachstums- und Urbanisierungsprozess unterworfen, für den bislang ein gemeindeübergreifendes Entwicklungskonzept fehlt.

Aus der Perspektive Stuttgarts soll hier in Verbindung mit Flughafen und Messestandort auf den Fildern ein Forschungs- und Dienstleistungsschwerpunkt mit internationaler Ausstrahlung entstehen. Vorausgesetzt, dass die Universitätsstandorte, die neuen Dienstleistungszentren und ein städtebaulich und funktional aufgewerteter Gewerbestandort Vaihingen/ Möhringen ("SynergiePark") zu einem urbanen Netz verbunden werden.

Ihre Prägung erhält die neue Wissenslandschaft aus der Spannung zwischen den geschützten Ortszentren, den neuen Arbeitsquartieren und den hier konzentrierten "Gateway"-Funktionen. Mit dem "Filderpark" wird ein Landschaftspark neuer Prägung entstehen, in dem die Landwirtschaft eine zentrale Funktion behalten muss.

Impulsprojekte für eine nachhaltige Reurbanisierung

Räumlich verortet auf einer "Entwicklungsdrehscheibe" rund um das Stuttgarter Zentrum erleichtern Impulsprojekte den Einstieg in die Realisierung der Leitprojekte.

Die Stadtentwicklungsplanung vernetzt diese und weitere Impulsprojekte und entwickelt so die Gesamtstadt konzeptionell weiter.

Als Impulsgeber und Multiplikatoren und mit Anschubwirkung für die Stadtentwicklung sind sie mit hoher Priorität zu verfolgen. Einige Impulsprojekte widmen sich der Innenstadt, urbanen Quartieren und der Wiedergewinnung der öffentlichen Räume - so z.B. das Impulsprojekt "Gestaltungsoffensive historischer Stadtkern Stuttgart" (u.a. Innenstadtkonzept StadtKernZiele, Lichtmasterplan), das Impulsprojekt "Von der Verkehrsstraße zum Boulevard - Umgestaltung des Cityrings" oder das Impulsprojekt "Stuttgart 21 / RosensteinViertel - Ausbildung eines urbanen Stadtteils".

Weitere Projekte fokussieren die gewerbliche Standortentwicklung insbesondere vor dem Hintergrund der Entwicklung kreativer Stadtquartiere und "neuer Mischgebiete" - beispielhaft zu nennen sind hier die Impulsprojekte "City Prag" und "Killesberg - Forum K".

Schließlich qualifizieren einige urbane Projekte die spezifischen Lagen des Neckartals und entwickeln hier im industriell-gewerblichen Kontext neue Wohn- und Arbeitsstandorte und Freiräume - die Impulsprojekte "NeckarPark / Güterbahnhof Bad Cannstatt" und "Landschaftspark Neckar" verdeutlichen diese Entwicklungsansätze.

Mit den Impulsprojekten und mit der Konzentration auf den zentralen Entwicklungsraum der Stadt soll eine deutliche Priorität für den Stadtumbau in den nächsten zwei Jahrzehnten gesetzt werden.

Das Stadtentwicklungskonzept Stuttgart (STEK) als gesamtstädtische und ressortübergreifende Zielkonzeption bedarf - nach nunmehr über zehn Jahren Praxis seit Vorliegen der STEK-Strategie 2006 - einer Evaluierung und Weiterentwicklung.

Seit 2006 haben sich wirtschaftliche wie gesellschaftliche Rahmenbedingungen verändert und Schwerpunkte verschoben. Stuttgart zieht seit mehreren Jahren vermehrt Menschen und Unternehmen an. Die Stadt wird sich in den nächsten Jahren weiter verändern. Diese Veränderungen eröffnen neue Gestaltungsspielräume, beinhalten aber auch zahlreiche Herausforderungen für die Stadt und die hier lebenden Menschen. Stuttgart wächst, und weil die Stadt nicht auf die grüne Wiese oder ins Umland expandieren kann und will, wird es enger. Flächenkonkurrenzen nehmen zu und Ausweichmöglichkeiten schwinden. Die Stadt muss auch in Zukunft klar kommunizieren, wie sie auf die neuen Herausforderungen und Fragestellungen reagieren wird und welche Schwerpunkte sie setzen möchte. Dazu braucht es eine klare und gemeinsame Vorstellung über die Zukunft der Stadt, eine angepasste Entwicklungsstrategie für Stuttgart.