Karl Strölin

Stuttgarter Oberbürgermeister von 1933 - 1945

Er war der Oberbürgermeister der Nazi-Zeit, von 1933 bis 1945. Als überzeugter Nationalsozialist drängte er im Jahr 1933 den amtierenden Oberbürgermeister Karl Lautenschlager aus seinem Amt. Nach und nach jedoch erkannte er die verbrecherischen Absichten des Nazi-Regimes und wandte sich dagegen.

Strölin wurde 1890 in Stuttgart geboren und begeisterte sich bereits in den 20er Jahren für die braune Politik. Nachdem er in den Stuttgarter Gemeinderat eingezogen und Fraktionsvorsitzender der NSDAP geworden war, setzte er im Jahr 1933 den amtierenden und demokratisch gewählten Oberbürgermeister Karl Lautenschlager ab und übernahm dessen Amt. Ab sofort war in der Stuttgarter Stadtverwaltung der Einfluss der Nazis zu spüren: Sie entließen und verfolgten etliche Mitarbeiter und setzten an ihre Stelle an die 800 Parteigenossen.

Das Wohnungs- und Siedlungswesen sowie die Stadtplanung betrachtete der Stuttgarter als seine zwei wichtigsten Aufgaben. Innerhalb weniger Wochen ließ er bis zum 1. Mai 1933 Feuerbach, Weilimdorf, Mühlhausen und Zazenhausen eingemeinden und schuf so neuen Raum für Kleinsiedlungen. Allerdings kamen für Strölin nur "rassisch hochstehende" Bewerber in Betracht, die sich einer erbbiologischen Untersuchung durch das Gesundheitsamt unterziehen mussten.

Während seiner Amtszeit reiste Strölin oft nach Berlin, um sich und seine Stadt bei Hitler bekannt zu machen. Damit erreichte er, dass Stuttgart einen Ehrentitel der NS-Zeit bekam und zur "Stadt der Auslandsdeutschen" wurde. Dann wandte sich das Blatt: Langsam erkannte Strölin die verbrecherischen Absichten der Nazis und ging dagegen an.

So knüpfte er beispielsweise Kontakte zum Leipziger Oberbürgermeisters Carl Goerdeler, der am Widerstand und dem Attentat gegen Hitler am 20. Juli 1944 maßgeblich beteiligt war. Gegen Ende des Krieges übergab er den Franzosen die Stadt ohne Widerstand, um eine noch schlimmere Zerstörung Stuttgarts zu vermeiden. Als er sein Amt abgeben musste, schlug er den Franzosen als seinen Nachfolger den parteilosen und unbelasteten Arnulf Klett vor.

In der Entnazifizierung wurde Strölin als "minder belastet" eingestuft. Bis zu seinem Tod am 21. Januar 1963 äußerte er sich niemals bedauernd oder selbstkritisch über seine Vergangenheit. Hitler und seine Anhänger hätten eine an sich gute politische Idee "nur" verraten.


Karl Strölin. Foto: Stadtarchiv Stadt Stuttgart
Karl Strölin. Foto: Stadtarchiv Stadt Stuttgart