Shavei Zion

Nach Kontakten ehemaliger Emigranten gab es um 1960 erste Verbindungen zwischen Shavei Zion und der Landeshauptstadt Stuttgart. Sie nahmen festere Formen an nach einem Besuch von Oberbürgermeister Arnulf Klett 1968 sowie einem Gegenbesuch anlässlich der ersten Israel-Woche in einer deutschen Großstadt im folgenden Jahr. Über die offiziellen Kontakte und die Unterstützung für Projekte in Shavei Zion aus Stuttgart hinaus sorgte vor allem das Engagement des Denkendorfer Kreises (samt der Vorläufer-Organisationen), der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und des Freundeskreises Shavei Zion für regelmäßige Begegnungen.

Shavei Zion bedeutet übersetzt: die Rückkehr nach Zion. Dies nahmen sich die Rexinger Juden zum Vorbild, als sie, immer stärker werdenden Repressionen des nationalsozialistischen Unrechtsregimes ausgesetzt, im Frühjahr 1938 ihrer schwäbischen Heimat den Rücken kehrten und nach Palästina auswanderten.

Gemeinsame Auswanderung

Die jüdische Gemeinde in Rexingen, deren Wurzeln bis in das Jahr 1616 zurückreichen, war eine der bedeutendsten jüdischen Landgemeinden in Württemberg. In guter Nachbarschaft mit der katholischen Bevölkerung lebend, waren die Rexinger Juden eng mit der schwäbischen Landschaft verbunden. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten änderte sich auch in Rexingen die Lebenssituation für die jüdischen Familien grundlegend zum Schlechten: In fast allen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens bekamen die jüdischen Familien die Repressionen des nationalsozialistischen Regimes zu spüren.

In dieser Situation wurde aus der Mitte der jüdischen Gemeinde heraus der Plan entwickelt, eine gemeinsame Auswanderung zu organisieren. Mit Unterstützung der jüdischen Organisationen in Deutschland und Palästina gelang es schließlich, diese einzige Gruppenauswanderung einer jüdischen Gemeinde während der Nazidiktatur zu verwirklichen. Die Idee, gemeinsam auszuwandern, war mit dem Wunsch verbunden, zusammen zu bleiben und eine neue gemeinsame Heimstätte, eine Siedlung im Norden des heutigen Israel zu schaffen.

Besondere Beziehung zum Schwabenland

Mit den Rexinger Juden kamen Familien aus ganz Deutschland nach Palästina. Am 13. April 1938 konnte die Siedlung Shavei Zion gegründet werden. Schon die Herkunft der Gründergeneration Shavei Zions bewirkte eine ganz besondere Beziehung der Ausgewanderten zu Deutschland und besonders zum Schwabenland. Lange Zeit war in Shavei Zion die Umgangssprache Deutsch, genauer gesagt, Schwäbisch. Freundschaften, die auch in der Nazizeit ihre Tragfähigkeit bewiesen hatten, erleichterten einen Neubeginn der Beziehungen mit Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Besonders zu erwähnen ist dabei die enge Verbindung des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss zu Shavei Zion. Auch Stuttgart pflegte frühzeitig besondere Beziehungen zu der Gemeinde in Israel.

Unterthemen