Lärm

Lärmbelästigung

Lärm gehört heute zu den vom Menschen verursachten Umweltbeeinträchtigungen, die zu den größten Belästigungen führen und gesundheitliche Schäden hervorrufen können. Laut einer repräsentativen Umfrage des Umweltbundesamts 2012 fühlen sich 54% der Bevölkerung in Deutschland durch Straßenverkehrslärm belästigt. Des Weiteren beklagen sich ca. 23% über Fluglärm, 34% über Schienenverkehrslärm, 32% über Industrie- und Gewerbelärm und 42% über Nachbarschaftslärm.

Eine dauerhafte Lärmbelastung bei Pegeln von ca. 60 bis 65 Dezibel, wie sie an Hauptverkehrsstraßen üblich sind, kann über lange Zeiträume hinweg zu Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen und schließlich in einigen Fällen zu Herzinfarkt und Tod führen. Weiter sind psychische Beeinträchtigungen wie Stressreaktionen, Schlafstörungen und Kommunikationsstörungen möglich. In Baden-Württemberg sind allein durch den Straßenverkehr etwa 250 000 Menschen ganztags Lärmpegeln von mindestens 65 Dezibel ausgesetzt.

Für die öffentliche Hand erwächst daraus die Verpflichtung, im Sinne der Gesundheitsvorsorge auch geeignete Maßnahmen gegen dauerhaft hohe Lärmbelastungen zu ergreifen. Der Gesetzgeber reagierte mit dem Bundes-Immissionsschutzgesetz, durch das der Mensch unter anderem vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Geräusche geschützt werden soll.

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Foto: LHS
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Lärmschutz in Stuttgart

Die Stadt Stuttgart begann in den 1970er Jahren, den Lärm systematisch zu erfassen und dagegen vorzugehen. 1978 wurde ein Schallschutzfenster-Förderprogramm für die Bewohner in besonders lauten Straßen aufgelegt. Hierfür wurde eine Verkehrslärmkartierung für das ganze Stadtgebiet von Stuttgart auf der Grundlage von Messungen durchgeführt, die 1983 abgeschlossen und 1998 aktualisiert wurde. In der Zwischenzeit entstanden zahlreiche neue Straßen, Wohnungen und Gewerbegebiete, 270 Tempo-30-Zonen wurden eingerichtet und ca. 90 Lärmschutzwände und -wälle gebaut. Das Schallschutzfensterprogramm wurde jedoch 1993 im Zuge der Haushaltskonsolidierung eingestellt.

Mit der Novellierung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes 1990 wurde die Lärmminderungsplanung eingeführt. Dadurch wurde ein rechtliches Instrumentarium geschaffen, die Lärmbelastung durch verschiedene Lärmquellen in ihrer Gesamtwirkung zu erfassen und koordiniert dagegen vorgehen zu können. Auf dieser Rechtsgrundlage wurden zwischen 1996 und 2008 Lärmminderungspläne für die Stadtbezirke Vaihingen, Zuffenhausen und Bad Cannstatt aufgestellt.

Aufgrund der EU-Umgebungslärmrichtlinie (in Deutschland 2005 in Kraft getreten) müssen Städte Lärmkarten und Lärmaktionspläne erstellen, die anschließend alle 5 Jahre zu aktualisieren sind. 2007 wurden erstmals Lärmkarten für das gesamte Stadtgebiet erarbeitet, 2009 wurde der Lärmaktionsplan für Stuttgart aufgestellt, 2012 die Lärmkarten aktualisiert. Die erste Fortschreibung des Lärmaktionsplans wurde 2016 abgeschlossen.

Lärmminderungspläne für einzelne Stadtbezirke werden deshalb nicht mehr aufgestellt. Die bisherigen Lärmminderungspläne sind integraler Bestandteil des Lärmaktionsplans Stuttgart.

Lärmkartierung

Die Stadt Stuttgart erstellte Lärmkarten
- für den Straßenverkehr: alle Straßen mit einem Verkehrsaufkommen von mehr als 3 000 - 4 000 Kfz am Tag (24 Stunden); damit werden alle Hauptverkehrsstraßen sowie einige Straßen in Tempo-30-Zonen kartiert,
- für die Stadtbahnen: alle Stadtbahnen, die regelmäßig verkehren (also nicht die U 11) sowie die Zahnradbahn,
und
- für Industrie- und Gewerbeanlagen (Hafen und IVU-Anlagen).

(IVU-Anlagen = Anlagen gemäß Anhang I der Richtlinie 96/61/EG über die integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung)

Die Lärmkarten für die Eisenbahnen werden vom Eisenbahn-Bundesamt (EBA), die für den Flughafen von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) erstellt. Das Land Baden-Württemberg ist auch für den Lärmaktionsplan für den Flughafen zuständig.

Die Kartierungen wurden nach den Berechnungsverfahren der Umgebungslärmrichtlinie durchgeführt. Sie werden für zwei Lärmindizes dargestellt:
- LDEN: Tag-Abend-Nacht-Lärmindex über 24 Stunden zur Bewertung der allgemeinen Lärmbelästigung,
- LNight: Nacht-Lärmindex zur Bewertung von Schlafstörungen (22 - 6 Uhr).

Der Straßenverkehr ist der mit Abstand größte Lärmverursacher. Etwa 15 000 Menschen wohnen in Gebieten, in denen der Schallpegel nachts (22 - 6 Uhr) im Mittel bei über 60 Dezibel liegt, fast 40 000 werden mit mehr als 55 Dezibel im Mittel belastet. Die meisten Menschen, die von einer so hohen Lärmbelastung betroffen sind, leben in den Innenstadtbezirken und Bad Cannstatt. Hoch belastet sind auch Wangen, Hedelfingen, Feuerbach und Zuffenhausen.

Die Eisenbahn verursacht zum Teil sehr hohe Lärmbelastungen entlang der beiden Hauptstrecken im Neckartal Richtung Esslingen und Richtung Norden durch Feuerbach und Zuffenhausen sowie an der Güterbahnstrecke Untertürkheim - Kornwestheim. 4 000 Menschen werden mit über 60 Dezibel nachts, 13 000 mit über 55 Dezibel belastet.

Deutlich weniger Einwohner werden durch die Stadtbahn belastet (1 000 Menschen mit mehr als 60 Dezibel, 6 000 mit mehr als 55 Dezibel in der Nacht). Höhere Lärmbelastungen konzentrieren sich auf Streckenabschnitte, die von mehreren Linien befahren werden und die Zufahrtsstrecken zu den Depots.

Fluglärm, Industrie und Gewerbe belasten demgegenüber vergleichsweise wenige Menschen in Stuttgart.

Lärmaktionsplan

Der Lärmaktionsplan der Landeshauptstadt Stuttgart wurde am 5. November 2009 vom Gemeinderat beschlossen. Das Dokument ist eine "Momentaufnahme" und enthält überwiegend Maßnahmenbündel und Programme mit Prüfaufträgen.

Ein wichtiger Bestandteil der Lärmaktionsplanung ist die Beteiligung der Öffentlichkeit. Das Maßnahmenkonzept des Lärmaktionsplans beruht zu großen Teilen auf den Vorschlägen aus der Bevölkerung.

Hauptverursacher der Lärmbelastung in Stuttgart ist mit großem Abstand der Straßenverkehr. Deshalb konzentriert sich das Maßnahmenkonzept des Lärmaktionsplans vor allem auf Minderungsmöglichkeiten des Straßenverkehrslärms. Hierzu gibt es folgende Ansätze:

  • Lärmvermeidung durch Verkehrsvermeidung und Lärmminderung durch Bewusstseinsbildung (Informationskampagnen, Wahl des Verkehrsmittels)
  • Förderung des ÖPNV und des Radverkehrs, um Alternativen zum motorisierten Individualverkehr zu schaffen
  • Maßnahmen zur Lenkung des Kfz-Verkehrs, insbesondere des Lkw-Verkehrs (Verlagerung auf weniger empfindliche Straßen)
  • Verträglichere Abwicklung des Kfz-Verkehrs: niedrigere Geschwindigkeiten, gleichmäßigerer Verkehrsablauf, Straßenumbaumaßnahmen, Kreisverkehrsplätze, ruhender Verkehr/Parkraumkonzepte
  • leisere Fahrbahnbeläge; Sanierung von schadhaften Straßenbelägen
  • Lärmschutzwände und -wälle.
Der Lärmaktionsplan entfaltet keine unmittelbare Rechtswirkung für oder gegen den Bürger. Eine rechtliche Verpflichtung zur Umsetzung von Maßnahmen besteht nicht. Die Aussagen des Lärmaktionsplans müssen allerdings bei künftigen Planungen und Entscheidungen der öffentlichen Verwaltung in die Abwägung mit einfließen. Über die Durchführung und Finanzierung der verschiedenen Maßnahmen ist jeweils durch Einzelbeschlüsse zu entscheiden.

Der Lärmaktionsplan Stuttgart kann auf den Seiten der Abteilung Stadtklimatologie heruntergeladen werden:

Fortschreibung des Lärmaktionsplans

Der Lärmaktionsplan ist alle fünf Jahre zu überprüfen und erforderlichenfalls zu überarbeiten. Auch bei der Überprüfung des Lärmaktionsplans ist die Öffentlichkeit zu beteiligen. Der Ausschuss für Umwelt und Technik hat daher am 16.06.2015 beschlossen, den Entwurf der Fortschreibung zu veröffentlichen, damit sich die Bürgerinnen und Bürger, die Behörden und die Träger öffentlicher Belange dazu äußern können. Er lag vom 6. bis 31. Juli im Amt für Umweltschutz und in den Bezirksrathäusern öffentlich aus und war im Internet einsehbar. Bis zum 14. August 2015 haben sich 25 Träger öffentlicher Belange und 60 Bürgerinnen und Bürger, darunter eine Bürgerinitiative mit 32 gleichlautenden Briefen, mit Kommentaren beteiligt.

Insgesamt wurden 86 Vorschläge für Lärmminderungsmaßnahmen unterbreitet, davon betreffen 73 den Straßenverkehr. Am häufigsten wurden Geschwindigkeitsbeschränkungen und -überwachungen, Fahrverbote für Lkw oder Motorräder, Kontrollen von lauten Kfz und Motorrädern, leisere Fahrbahnbeläge und Lärmschutzwände genannt.

Der Gemeinderat hat die Fortschreibung 2015 des Lärmaktionsplans der Landeshauptstadt Stuttgart am 14.04.2016 beschlossen. Die folgenden Maßnahmen bilden die Schwerpunkte der weiteren Lärmminderungsplanung:

  • Geschwindigkeitskonzept für das Hauptverkehrsstraßennetz: wo können niedrigere zulässige Höchstgeschwindigkeiten als die derzeit geltenden 50 km/h angeordnet werden, zumindest nachts? Hierzu soll ein Gutachten vergeben werden.
     
  • Lkw-Verkehr: mit Hilfe eines Lkw-Empfehlungsnetzes soll der Lkw-Verkehr auf möglichst unempfindlichen Routen gebündelt und Wohngebiete damit entlastet werden. Falls die gewünschten Wirkungen nicht eintreten, sind streckenbezogene Fahrverbote (ggf. nur nachts) zu prüfen.
     
  • Verstärkter Einbau von lärmmindernden Fahrbahnbelägen (spätestens bei fälligen Straßensanierungen)
     
  • Umbau von Kreuzungen zu Kreisverkehren
     
  • Ausbau des ÖPNV und des Radverkehrs

Der Lärmaktionsplan - Fortschreibung 2015 - kann auf den Seiten der Abteilung Stadtklimatologie im Amt für Umweltschutz angesehen und heruntergeladen werden:

    Lärmaktionsplan Stuttgart - Fortschreibung 2015


Wenn Sie Anregungen oder Kommentare zum Lärmaktionsplan haben, können Sie diese richten an

Landeshauptstadt Stuttgart
Amt für Umweltschutz
Stichwort: Lärmaktionsplan
Gaisburgstraße 4
70182 Stuttgart

oder per E-Mail an

laermminderungsplan@stuttgart.de

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