Informationen zur Problematik MRSA

Staphylokokken - auch Staphylococcus aureus - gehören zu den normalen Besiedlern von Haut und Schleimhäuten. Ungefähr 20 bis 60 Prozent der Menschen beherbergen diesen Keim in relativ großer Anzahl im Nasen-Rachenbereich. Bei medizinischem Personal muss sogar von höheren Trägerraten ausgegangen werden. Auf der anderen Seite kann Staphylococcus aureus unter bestimmten Umständen jedoch auch lebensbedrohliche Infektionen hervorrufen. Er kann als typischer Eitererreger bei Abszessen, Furunkeln, Wundinfektionen und Impetigo contagiosa beteiligt sein. Zudem können Osteomyelitiden (Knochenmarkentzündungen), Pneumonien (Lungenentzündungen), Sepsis ("Blutvergiftung") und Endokarditis (Herzmuskelentzündungen) von diesem Keim hervorgerufen werden.

MRSA = Methizillinresistenter Staphylococcus aureus

Nachdem im Laufe der 50er Jahre Penizillin für die Therapie von Staphylococcus aureus-Infektionen wegen des Auftretens penizillinasebildender Stämme nicht mehr einsetzbar war, standen seit Anfang der 60er Jahre mit den sogenannten penizillinasefesten Penizillinen wie zum Beispiel Methizillin wieder wirksame Substanzen zur Verfügung. Aber bereits Anfang der 60er Jahre wurde aus England über methizillinresistente Stämme berichtet. In der Folgezeit kam es zu zahlreichen ähnlichen Meldungen weltweit.

Besonders häufig bei alten Menschen?

In Deutschland muss heute davon ausgegangen werden, dass rund 5 Prozent der Bevölkerung mit einem solchen Stamm besiedelt sind - mit einer deutlichen Häufung bei alten Menschen. In Pflegeheimen sind deshalb noch höhere Trägerquoten zu erwarten. Das Problem methizillinresistenter Staphylococcus aureus-Stämme liegt nicht in einer besonderen Gefährlichkeit im Vergleich zu empfindlichen Stämmen, sondern darin, dass für die Therapie lebensbedrohlicher Infektionen derzeit nur noch sehr wenige Antibiotika zur Verfügung stehen. Gesunde Personen, die lediglich mit methizillinresistenten Staphylococcus aureus-Stämmen besiedelt sind oder die nur Kontakt zu entsprechenden Trägern haben, sind also selbst nicht akut gefährdet.

Hygienemaßnahmen im Pflegeheim

Es gibt deshalb keinen vertretbaren Grund, die Aufnahme von MRSA-Trägern in ein Pflegeheim von vornherein abzulehnen oder die Rückkehr einer hospitalisierten Pflegeperson aus dem Krankenhaus ins Heim zu verweigern. Allerdings sollte Tracheostoma-Patienten besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Bei diesen sollte ein mögliches MRSA-Trägertum abgeklärt werden. Von größter Bedeutung ist jedoch, durch konsequent durchgeführte Hygienemaßnahmen bei der Pflege aller Bewohner, die Ausbreitung dieser resistenten Keime im Pflegeheim zu verhindern. Verschiedene Maßnahmen, die für den Krankenhausbereich empfohlen werden, können im Altenpflegeheim nicht zum Zuge kommen, weil die Situation in einem Pflegeheim nicht mit einer Intensivstation vergleichbar ist. Studien haben gezeigt, dass eine dauerhafte Sanierung hospitalisierter MRSA-Träger wohl nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen erzielt werden kann. Ein routinemäßiges Screening aller Pflegeheimbewohner und des Personals ist nach Auffassung des Gesundheitsamts Stuttgart deshalb nicht sinnvoll und sollte nur bei infektionskettenartigem Auftreten erfolgen. Unverzichtbar ist jedoch, durch entsprechende Hygienemaßnahmen eine Verbreitung dieser potenziellen Krankheitserreger im Heim zu verhindern.

Alle Beteiligten Fachinstitutionen sollten sich gegenseitig über erkrankte MRSA-Träger unterrichten.

 
 

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