Funktionsraum Boden

Als Funktionskörper sind Böden unverzichtbare Bestandteile des natürlichen Wirkungsraums einer Landschaft. Dazu gehören auch Stadtböden.

Das Ausmaß ihrer Funktionswirkungen ist derzeit in der breiten Öffentlichkeit wenig bekannt. Es wird an folgenden Beispielen aber deutlich:

  • Die Stuttgarter Ackerböden (vor allem Parabraunerden aus Löß, Verbreitung ca. 19 Quadratkilometer) könnten pro Jahr Weizen für ca. 19 Mio. Brotlaibe produzieren!
  • Die Stuttgarter Weinbergböden (vor allem Rigosole aus Verwitterungslehm des Oberen Muschelkalks sowie des Mittleren Keupers, Verbreitung ca. 4 Quadratkilometer) können annähernd 3 Mio. Liter Wein pro Jahr liefern!
  • Die Stuttgarter Waldböden (zum Beispiel Braunerde aus Stubensandstein, Verbreitung 50 Quadratkilometer) können jährlich insgesamt bis zu 90.000 Tonnen Streu abbauen.
  • Auf die naturnahen Böden im Außenbereich Stuttgarts (ca. 101 qkm) fallen jährlich ca. 69 Mio. cbm Niederschläge. Knapp 12,8 Mio. cbm (ca. 19%) sickern in den Boden, werden dort gespeichert und gelangen dann ins Grundwasser. Etwas mehr als 48 Mio. cbm (ca. 70%) verdunsten von den offenen Bodenoberflächen bzw. aus den obersten Bodenschichten. Funktionstaugliche Böden haben damit einen wichtigen Einfluss auf das Stadtklima. Mit etwa 8 Mio. cbm (ca. 11%) ist der Oberflächenabfluss von den offenen Böden in die Stuttgarter Bäche und Seen vergleichsweise gering. Hier fungiert der Boden noch als Ausgleichskörper, die Gefahr von Hochwässern ist klein. Dagegen fehlt in den stark bis völlig versiegelten Gebieten die Speicherwirkung der Böden. Hier fließen bis zu 50% der Niederschläge oberirdisch und nur gering verzögert, meist in die Kanalisation ab. Insofern gibt es bei Extremereignissen in stark versiegelten Bereichen schnell Engpässe und Überflutungen.

  • Die Böden im Stuttgarter Stadtgebiet werden im Zuge atmosphärischer Deposition mit etwa 5.300 Tonnen Staub, 3900 Tonnen Sulfat und 318 Tonnen Nitrat beaufschlagt. Diese Stoffe werden in den vorhandenen Böden weitgehend gebunden. Sofern nur noch unzureichende Bodenflächen zur Verfügung stehen oder die vorhandenen Böden diese Stoffeinträge nicht mehr verkraften, sind Folgeerscheinungen wie negative Veränderungen des Stadtklimas, zunehmende (Fein-) Staubbelastung in der Luft, Bodenversauerung mit Schadstoffmobilisierung, Grundwasserbelastungen, Hochwasserereignisse usw. vorprogrammiert.

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Foto: Amt für Umweltschutz
 

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