geboren 2. Januar 1870 in Wedel/Holstein
gestorben 24. Oktober 1938 in Rostock
Das zentrale Thema der Kunst von Ernst Barlach sind expressionistische Holz- und Bronzeplastiken. Er schuf Figuren und Personengruppen von einer eindringlichen Emotionalität, wobei er sich in der Darstellung auf klare, von Verzierungen freie Oberflächen konzentrierte. Diese Art der Darstellung verweist darauf, dass er sich in jungen Jahren intensiv mit Töpferei beschäftigte, deren Formensprache er auch auf andere Materialien anwandte. .
In Stuttgart ist er mit einem Kunstwerk vertreten.

Ernst Barlach: Lesende Mönche ©Wolfram JanzerErnst Barlach: Lesende Mönche ©Wolfram Janzer
Künstlerische Entwicklung
Ernst Barlach studierte von 1888 bis 1891 an der Gewerbeschule Hamburg, danach vier weitere Jahre an der Akademie in Dresden und ab 1892 war er Meisterschüler bei dem deutschen Bildhauer Robert Diez (1844-1922). Bei seinem Paris-Aufenthalt 1895/96 setzte er sich mit der Kunst von Auguste Rodin und Honoré Daumier auseinander.
Nach seinem Studium arbeitete Barlach als freischaffender Künstler. 1901 folgten seine ersten schriftstellerischen Versuche. 1905 ging er für ein halbes Jahr einer Lehrtätigkeit an der Fachschule für Keramik in Höhr-Grenzhausen (Westerwald) nach. Zuvor hatte er sich in einer Töpferwerkstatt intensiv mit Kleinkeramik beschäftigt. Ein Jahr später bereiste er Russland und die Ukraine. Bei den einfachen Menschen und Bauern auf dem Land fand er die Ursprünglichkeit, die sein gesamtes plastisches Werk prägen sollte. Mit seinen blockhaft geschlossenen Menschen wandte er sich eindeutig gegen die Flüchtigkeit des Impressionismus.
1910 zog Barlach nach Güstrow (Mecklenburg) und richtete sich dort nach seinen eigenen Bedürfnissen ein Wohnhaus und Atelier ein. Er blieb dem Wohnort seiner Mutter ein Leben lang verbunden und zog nie wieder in eine andere Stadt.
Nach seiner Einberufung zum Landsturm 1915 wurde der Krieg zum zentralen Thema seiner Kunst. In den 1920er Jahren hatte er zunächst künstlerischen Erfolg. Ausstellungen bei der Berliner Sezession, beim Sonderbund und der Galerie Paul Cassirer in Berlin zeugen davon. 1925 wurde dem 55-Jährigen Künstler eine Ehrenprofessur an der Akademie der Bildenden Künste in München verliehen.
Mit der Machtübernahme Hitlers 1933 begann für den Künstler ein verzweifelter Kampf um seine Existenz. Seine Werke wurden beschlagnahmt und als entartete Kunst deklariert. Die Preußische Akademie in Berlin, deren Mitglied er seit 1919 war, legte ihm den Austritt nahe.
Die nationalsozialistische Kunstpolitik traf Barlach wie kaum einen anderen Künstler - 1937 waren alle seine Werke aus Deutschen Museen entfernt worden und die Reichskammer der Bildenden Künste verhängte ein Ausstellungsverbot.
Trotz dieser Anfeindungen emigrierte Barlach nicht, sondern lebte zurückgezogen bis an sein Lebensende in Güstrow.
Kriegsdenkmale
Seine Erfahrungen im Krieg ließen ihn einige der überzeugendsten deutschen Antikriegsdenkmale schaffen. Dazu gehörte das
Ehrenmal im Dom zu Magdeburg (1929), der
Geistkämpfer an der Nikolaikirche in Kiel (1928) und das Güstrower Ehrenmal
Der Schwebende (1927). Ab 1933 spitzten sich die politischen Angriffe gegen seine Denkmäler zu.
Das
Ehrenmal in Magdeburg und der
Geistkämpfer wurden 1934 und 1937 abgebaut -
Der Schwebende wurde 1941 sogar eingeschmolzen und ist dadurch unwiederbringlich verloren gegangen. Weitere Entwürfe musste Barlach zurückziehen, da seine wenig heroischen Denkmalentwürfe in der militarisierten, nationalistischen Öffentlichkeit nach dem Ersten Weltkrieg nicht bestehen konnten.