Hajek, Otto Herbert

geboren 27. Juni 1927 in Kaltenbach im Böhmerwald (heute Tschechien)
gestorben 29. April 2005 in Stuttgart

Der Künstler Otto Herbert Hajek hinterließ ein umfangreiches OEvre an plastischen und malerischen Werken. Darüber hinaus hat er seine eigene Kunstauffassung in Aufsätzen und Vorträgen formuliert; dabei war es eines seiner zentralen Anliegen, Kunst und Alltag zu vereinen. In Stuttgart ist er mit sehr vielen Kunstwerken vertreten.

Ein virtuelles Museum gewährt tiefe Einblicke in das Werk von Otto Herbert Hajek.



Portrait Otto Herbert HajekVergrößern
Otto Herbert Hajek ©Kunststiftung der Sparda-Bank Baden-Württemberg

Künstlerischer Werdegang

Otto Herbert Hajek studierte von 1947 bis 1954 Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Rudolf Daudert und Peter Otto Heim. Frühe figurative Arbeiten waren seine expressive, vier Meter hohe Holzskulptur Christus aus dem Baumstamm (1947/48), die sich seit 1990 als Geschenk des Künstlers an das Tschechische Volk in der St. Georgs-Basilika auf dem Hradschin in Prag befindet und das Wandrelief (1953/56) in der Aureliuskirche in Hirsau. Als Student nahm er erfolgreich bei einem Wettbewerb der Stadt Stuttgart teil und konnte die Skulptur die Große Sitzende (1953) in Stuttgart realisieren.

Räumliche Konstruktionen

Mitte der 1950er Jahre entstanden als erste abstrakte Plastiken Räumliche Konstruktionen, von denen sich etliche als Geschenk des Künstlers in der Sammlung des Kunstmuseums Stuttgart befinden.

In dieser Zeit schuf Hajek unter anderem für die Liederhalle in Stuttgart die Skulptur Durchbrochene Fläche im Raum (1955) an der Büchsenstraße und das Wandrelief Durchbrochene Fläche (1955) beim Künstlereingang an der Schloßstraße.

Mit den Raumknoten entwickelte er seit 1957 organisch anmutende, dreidimensionale Gebilde, die er in Bronze gießen ließ.

Gegenständliche und sakrale Arbeiten

Bis 1960 entstanden neben den abstrakten räumlichen Konstruktionen auch gegenständliche Arbeiten für Kirchen, darunter das Wandrelief in St. Aurelius in Hiersau (1953/56) oder die Große Sitzende vor der Gewerbeschule im Hoppenlau (1953).

Von 1960 bis 1963 entstand das Gedächtnismal für den Widerstand und für die Opfer des Naziregimes als Kreuzweg für die Kirche Maria Regina Martyrum in Berlin-Plötzensee.

Raumschichtungen

Ab 1959 entstanden die Raumschichtungen durch ein weiterentwickeltes neues Verfahren: Flüssiges Wachs wurde auf den Werkstattboden geschüttet und die unkontrolliert verlaufenen und erkalteten Formen in Bronze gegossen. Mit diesen Werkgruppen, die innerhalb seines Gesamtwerks eine herausragende Stellung einnehmen, leistete Hajek einen wichtigen Beitrag zur Bildhauerei des Informel, die sich mit der Auflösung des Massenvolumens und der Öffnung zum Raum befasste.

Farbwege

In den 1960er Jahren entwickelte der Künstler seine Raumschichtungen weiter und fand zu den Farbwegen als übergreifender Raumdisziplin zwischen bildender Kunst und Architektur. 1964 beteiligte Hajek sich an der documenta III in Kassel mit der ersten begehbaren Plastik Frankfurter Frühling.

1969 realisierte Hajek Farbwege als monochrome Farbstreifen in den Grundfarben rot-blau-gelb in Verbindung mit dem Stadtzeichen Stuttgart (1969/1974) als Platzgestaltung für den neu geschaffenen Kleinen Schlossplatz in Stuttgart. Von 1980 bis 1992 hatte Hajek eine Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Zwischen 1979 und 1983 entstand mit den Farbwegen Leuze - Römischen Erinnerung eine Vielzahl von Arbeiten für das Mineralbad.

Gemälde

Hajek-Kunststiftung

2003 wurde die Otto Herbert Hajek-Kunststiftung der Stadt Stuttgart gegründet, in die der Künstler einen umfangreichen Teil seines Lebenswerkes als Schenkung einbrachte. 2005 gründete die Sparda-Bank Baden-Württemberg zum 100-jährigen Bestehen das Konzept Zeichen ortieren Orte, Wegzeichen 1 - 4 .

Seine Skulpturen waren für ihn "Stadtzeichen" oder "Wegzeichen" denn, so der Künstler, "Zeichen, die am Platze stehen, stiften einen Platz, sie weisen einen Raum und fragen den Menschen nach dem Zweck seines Weges. Sie sind Zeichen des Maßes und der Erinnerung. Sie sind eine Frage nach der Wirklichkeit unseres Lebens."

Neben vielen Skulpturen, die Hajek für den Öffentlichen Raum in Stuttgart geschaffen hat, finden sich viele seiner Arbeiten im Skulpturenpark Hasenbergsteige 65, der an sein ehemaliges Wohnhaus angrenzt.

Weiterführende Literatur

  • Skulpturen des 20. Jahrhunderts in Stuttgart: Hrsg. Bärbel Küster. Heidelberg 2006.
  • Otto Herbert Hajek - Begegnung mit seinen Werken in Stuttgart. Hrsg. Stuttgart-Marketing GmbH. Stuttgart 2007.

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