Friedhöfe: Kulturgeschichte

Erste Friedhöfe seit dem 7. Jahrhundert

Die ersten christlichen Friedhöfe sind ab dem 7. Jahrhundert bekannt und wurden neben den Kirchen angelegt. Sie waren die sogenannten Kirchhöfe.

Alte, nicht mehr vorhandene Friedhöfe in Stuttgart

Mit dem Ausbau der, dem Heiligen Kreuz geweihten, kleinen Turmkapelle zur spätromanischen Basilika wurde 1240 an der späteren Stiftskirche ein Kirchhof angelegt, der bis etwa 1480 Bestand hatte und dann aufgegeben und bald überpflastert wurde.

Außerhalb der Stadtmauer wurde vor Entstehen der südlichen St. Leonhardskapelle ein Kirchhof angelegt, der wegen "großen Sterbensläufen" im Zusammenhang mit Seuchenkrankheiten erforderlich geworden war. Auch als die Vorstadt erbaut wurde, blieb dieser Friedhof bestehen und wurde bis in das Jahr 1799 genutzt.

Im 15. Jahrhundert legte man auch nördlich der Stadt an der Kirche "Unserer Lieben Frau" des Dominikanerklosters, der heutigen Hospitalkirche, einen Friedhof an, der während des Aufbaus und Bestehens der Liebfrauenvorstadt (Reiche Vorstadt) bis in das Jahr 1745 belegt wurde. Bereits ab 1628 wurden jedoch die meisten Toten der nördlichen Vorstadt auf dem Hoppenlaufriedhof beigesetzt.

Auch im Süden der Stadt wurde außerhalb der Bebauung ein weiterer Friedhof angelegt. 1564 entstand im Bereich der heutigen Lazarettstraße, also in der Nähe des Siechenhauses, der Lazarettfriedhof. Weil er in unmittelbarer Nähe der Hinrichtungsstätte (Hauptstatt "Käs" auf dem heutigen Wilhelmsplatz) lag, hatte er einen abgeteilten so genannten Armsünderfriedhof, auf dem Hingerichtete und Selbstmörder beigesetzt wurden. Nach dem herzoglichen Rescript von 1582 durften diese Personen nicht mehr außerhalb der Friedhöfe begraben werden.

Hoppenlaufriedhof Gräberfeld
Hoppenlaufriedhof Gräberfeld
Gräberfelder auf dem Hoppenlaufriedhof. Fotos: Stadt Stuttgart

Ab dem 16. Jahrhundert enstanden die heute bekannten Friedhöfe

Erst mit dem Anstieg der Bevölkerungszahl und der damit verbundenen höheren Zahl von Verstorbenen hat man ab dem 16. Jahrhundert Friedhöfe abseits der Kirchen oder gar außerhalb der Ortschaften angelegt. Diese Friedhöfe, so auch ursprünglich der Stuttgarter Hoppenlaufriedhof, wurden nur durch einen mittleren Weg erschlossen.

Bis in das 19. Jahrhundert erinnerten manche Friedhöfe eher an landwirtschaftlich genutzte Gärten. Die unregelmäßig gesetzten Grabstätten waren grasüberwachsen, Kleinvieh trieb sich herum, manche legten Gemüsegärtlein an oder pflanzten Rebstöcke. Für das Grasmähen auf dem Hoppenlaufriedhof verlangte die Stadt von Hasenbesitzern eine Mark im Jahr, von Ziegenbesitzern zwei Mark pro Tier im Jahr.

Waldfriedhof Feierhalle
Die Feierhalle auf dem Waldfriedhof. Foto: Stadt Stuttgart

Im 19. Jahrhundert rückt das Erscheinungsbild der Friedhöfe in den Vordergrund

Das 19. Jahrhundert brachte immer ausgedehntere Anlagen. Damit rückte auch das Erscheinungsbild der Friedhöfe stärker in den Vordergrund des Interesses. Begräbnisstätten wurden gelegentlich schon nach landschaftsgärtnerischen Gesichtspunkten angelegt. 1907 eröffnete in München der erste deutsche Waldfriedhof. Er diente als Vorbild für den Stuttgarter Waldfriedhof. Die Gräber wurden in den vorhandenen Baumbestand gleichsam hineinkomponiert. Die Friedhofsreformer entwickelten konkrete Vorschläge, wie Friedhöfe und Grabmale zu gestalten seien. Eine streng sachlich-nüchterne Grundgestaltung, schlichte Grabmalformen und das Primat des Gräberfeldes gegenüber dem einzelnen Grab waren Leitideen, die bis heute ihren Einfluss auf die Gestaltung der Friedhöfe beibehalten haben.

Aus dieser Zeit stammt auch der Brauch, Grabstätten mit Blumen zu schmücken. Vorher verwendete man andere Pflanzen: Als Symbol der Unsterblichkeit beispielsweise Efeu, Immergrün oder Buchsbaum, als Schutz vor dem Bösen Eibe, Weißdorn oder Rosmarin. Nur Adlige oder Reiche erhielten Steindenkmäler, hauptsächlich wurden Holzkreuze aufgestellt.

Weitere Informationen zur Geschichte der einzelnen Friedhöfe in Stuttgart finden Sie bei der Beschreibung des jeweiligen Friedhofs:


Wahlgrab
Wahlgrab. Foto: Stadt Stuttgart
 

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