Heiliger, Bernhard

geboren 11. November 1915 in Stettin
gestorben 25. Oktober 1995 in Berlin

Berhard Heiligers gestalterisches Interesse gilt der Beziehung zwischen Plastik und Raum. Heiliger, einer der bedeutendsten Bildhauer der Nachkriegszeit, gehörte zusammen mit Hans Uhlmann und Karl Hartung zu den Protagonisten der westdeutschen Skulptur, die nach 1945 neue Impulse gaben und den internationalen Ruf der deutschen Bildhauerkunst neu begründeten.
Heiliger ist in Stuttgart mit einem Kunstwerk, das direkt vor der Württembergischen Landesbibliothek steht, vertreten.

Bernhard Heiliger: Montanta I, 1969Vergrößern
Bernhard Heiliger: Montanta I, ©Wolfram Janzer

Vita

Bernhard Heiliger ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Nachkriegszeit. Zusammen mit Hans Uhlmann und Karl Hartung gehörte er zu den Protagonisten der westdeutschen Skulptur, die nach 1945 neue Impulse gaben und den internationalen Ruf der deutschen Bildhauerkunst neu begründeten.

Nach einer Steinbildhauerlehre 1930 bis 1933 in Stettin, wurde Heiliger von 1933 bis 1936 an der Stettiner Werkschule für Gestaltende Arbeiten bei Kurt Schwerdtfeger ausgebildet. Diese zu den modernsten Lehranstalten Deutschlands zählende Ausbildungsstätte war maßgeblich von den Ideen des Bauhauses geprägt. 1938 zog Heiliger nach Berlin, um seine Studien an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst fortzusetzen. Wie sich aber herausstellte, waren fortschrittliche Lehrkräfte wie Ludwig Gies oder Erwin Scharff schon der nationalsozialistischen "Säuberung des Kunsttempels" zum Opfer gefallen.

So studierte Heiliger als Vollschüler bis 1941 bei Arno Breker. Den Kontakt zur Moderne hielt er im Frühjahr 1939 durch einen Parisaufenthalt aufrecht.

Heiliger begegnete Aristide Maillol (1861-1944) und setzte sich mit den Werken Hans Arps (1886-1966) und Constantin Brancusis (1876-1957) auseinander. Heiliger leistete von 1941 bis 1942 Kriegsdienst an der Ostfront und wurde 1943 beurlaubt um in den Bildhauerwerkstätten Arno Brekers mitzuarbeiten. Nach erneuter Einberufung entschied er sich zu fliehen und kehrte erst 1945 nach Berlin zurück, wo seine Karriere als freier Bildhauer begann. Im Dezember 1949 wurde er durch Karl Hofer an die Staatliche Hochschule für Bildende Künste in Berlin-Charlottenburg berufen - dort lehrte er bis 1986.

Künstlerischer Werdegang

Erst in der Nachkriegszeit konnte er seine eigene künstlerische Sprache entwickeln. Bekannt wurde Heiliger in den 1950er Jahren zunächst mit seinen unkonventionellen Porträtköpfen, die bekannte Persönlichkeiten wie den Künstler Karl Hofer oder den Bundeskanzler Ludwig Erhard darstellen. 1956/57 entstand die Brückenplastik des Großen Fährmanns an der Neckar-Brücke bei Esslingen.

Von der Figuration gelangte Heiliger in den 1960er Jahren immer mehr zur Abstraktion. Die teilpolierten Bronzeplastiken Heiligers Vertikales Motiv I-III wurden 1968 im Skulpturenhof der Neuen Nationalgalerie in Berlin aufgestellt. In dieser Schaffensperiode entstand die Skulptur Montana I (1969), die vom Land Baden-Württemberg angekauft und nach der Fertigstellung der Württembergischen Landesbibliothek 1970 auf der Rasenfläche vor dem Großen Lesesaal der Bibliothek aufgestellt wurde. Sie gilt als ein Hauptwerk und Höhepunkt des Künstlers im Bereich der abstrakten Bronzeplastik.

In den 1970er Jahren experimentierte er mit neuen Werkstoffen.
Die Eisenzeit ab 1973 war gekennzeichnet durch riesige Konstruktionen aus industriell hergestellten Eisenteilen wie Scheiben, Schienen, Stäben und Platten.

1982/1983 schuf er seine größte Eisenskulptur mit dem Titel Tag und Nacht (5,00 x 8,50 x 13,00 m). Die zweiteilige Skulptur wurde 1989 von der DaimlerChrysler AG angekauft. Bis 2006 stand sie zur Erinnerung an die Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg auf dem Werksgelände in Stuttgart-Untertürkheim.

Stiftung

1996 wurde die Bernhard-Heiliger-Stiftung gegründet mit dem Ziel, das Wirken des Künstlers kunstwissenschaftlich aufzuarbeiten und seinen umfangreichen Nachlass restauratorisch zu betreuen.

Weiterführende Literatur:

  • Skulpturen des 20. Jahrhunderts in Stuttgart. Hrsg. Bärbel Küster. Heidelberg 2006.

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