Hrdlicka, Alfred

geboren 27. Februar 1928 in Wien
gestorben 5. Dezember 2009 in Wien

Alfred Hrdlickas gestalterisches Interesse gilt der menschlichen Figur in ihrer realistisch, aber stets expressiv gestalteten Form. Er ist in Stuttgart mit vier Werken vertreten.

Eine Skulptur in kreuzähnlicher Form.Vergrößern
Alfred Hrdlicka: Denkmal für Eugen Bolz, 1993 ©Thomas Schlegel

Vita

Alfred Hrdlicka hat als Bildhauer, Maler, Zeichner und Grafiker ein Werk geschaffen, das von einer extremen physischen und psychischen Exzessivität gekennzeichnet ist. Die menschliche Figur in ihrer wirklichkeitsnahen, aber gefühlvoll gestalteten Form bildet den Schwerpunkt seines gesamten Schaffens.

Er verzichtet bewusst auf jegliche Art ungegenständlicher Bildsprache und schildert den Menschen in allen erdenklichen Zuständen. Er macht auch vor Leid, Krankheit, Schändung und Tötung nicht halt. Er untersucht auch extreme Formen menschlicher Sexualität.

Künstlerische Tätigkeit ist für ihn gesellschaftliches und politisches Engagement. Immer wieder hat er sich mit Krieg und Gewalt auseinandergesetzt, Opfer und Täter in seiner künstlerischen Arbeit untersucht.

Künstlerische Anfänge

1944 entzog sich der 16-Jährige Alfred Hrdlicka dem Kriegsdienst. Er konnte untertauchen und bei einem Zahntechniker eine Lehre machen. Ein menschliches Gebiss als Naturstudie, entstanden 1944, steht folgerichtig als Brotarbeit am Anfang seines Werkverzeichnisses.

Nach dem Krieg studierte Hrdlicka von 1946 bis 1952 Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Albert Paris Gütersloh und Josef Dobrowsky, von 1953 bis 1957 Bildhauerei bei Fritz Wotruba. 1960 hatte er zusammen mit Fritz Martinez seine erste Ausstellung "Skulptur, Malerei und Grafik" in der Wiener Zedlitzhalle. 1964 erlangte er internationale Bekanntheit, als er gemeinsam mit Herbert Boeckl Österreich auf der 32. Biennale in Venedig vertrat.

1965 war seine erste Ausstellung in Stuttgart im Württembergischen Kunstverein, seit 1968 stellt Hrdlicka in der Galerie Valentien in Stuttgart aus. Durch die Vermittlung der Galerie Valentien wurden von der Stadt Stuttgart zwischen 1978 und 1990 die Bronzeskulpturen Der Sterbende (1955-1959), Marsyas I (1955/57-1962) und Hommage à Sonny Liston (1963-1965) angekauft.

Hrdlicka war Professor für Bildhauerei in Stuttgart, Hamburg Berlin und Wien. Er lebt und arbeitet in Wien.

Werke für den öffentlichen Raum

Hrdlickas Werke für den öffentlichen Raum haben die europäische Mahnmalkultur entscheidend geprägt. In Hamburg entstand sein unvollendetes Gegendenkmal zu einem Denkmal der Nationalsozialisten, in Wuppertal schlug er in einen tonnenschweren Marmorblock ein Friedrich-Engels-Denkmal, in seinem Wohnort Wien entstand1988 das Mahnmal gegen Krieg und Faschismus. Am 15. März 1993 wurde Hrdlickas Eugen-Bolz-Denkmal am Königsbau in Stuttgart enthüllt.

Bühnenbilder

Hrdlicka gestaltete auch einige Aufsehen erregende Bühnenbilder: Faust I+II (Bonner Schauspielhaus, 1982), Luigi Nono Intolleranza (Stuttgart, 1960), König Lear (Schauspielhaus Köln, 1994), Ring des Nibelungen (Meiningen, 2001), Der König Kandaules (Salzburger Festspiele, 2002).

Die zehn Meter lange, 13 Tonnen schwere Betonskulptur King Lear oder der geteilte Mensch (1994), die Hrdlicka als Sinnbild für die Zerrissenheit des Menschen für die Kölner Inszenierung des Königs Lear geschaffen hatte, lag von 2002 bis 2007 als Leihgabe der Sammlung Würth auf dem Rasenplatz vor der Oberfinanzdirektion im Rotebühlbau in Stuttgart.

Weiterführende Literatur:

  • Michael Lewin: Alfred Hrdlicka. Das Gesamtwerk. Bildhauerei. Wien 1987.
  • Skulpturen des 20. Jahrhunderts in Stuttgart. Hrsg. Bärbel Küster. Heidelberg 2006.

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