Luginbühl, Bernhard

geboren 16. Februar 1929 in Bern/Schweiz

Bernhard Luginbühls Liebe zum industriellen Abfall und seine daraus entstandenen Riesenskulpturen können als Hauptthema seiner Kunst verstanden werden. Während andere Künstler ihre Werke aus einem Material herausarbeitet, fügt er lieber Materialien - und sei es Schrott - zu neuen Plastiken zusammen.

In Stuttgart ist er mit dem Werk "Saurier" vertreten, das direkt vor dem Naturkundemuseum steht.

Bernhard Luginbühl: Saurier, 1982-84 (aufgestellt 1984)Vergrößern
Bernhard Luginbühl: Saurier ©Wolfram Janzer

Künstlerischer Werdegang

Bernhard Luginbühl ist einer der bedeutendsten Schweizer Eisenplastiker des 20. Jahrhunderts. Darüber hinaus arbeitet er auch als Grafiker, Lyriker und populärer Verbrennungskünstler, der mit viel Mühe hergestellte, riesige Holzgebilde in Flammen aufgehen ließ.

Luginbühl lernte von 1945 bis 1949 bei Walter Schnegg in Bern Bildhauerei und besuchte die dortige Kunstgewerbeschule. Der gelernte Steinbildhauer hat aber schon früh das Prinzip des Herausschlagens von Figuren aus Stein verlassen, weil es ihn um das schöne Material reute, das man dabei wegwarf. Von sich selbst sagte er, dass er lieber selbst Dinge zusammenfüge, die andere weggeworfen hätten. In den 50er Jahren entstanden sowohl räumliche Assemblagen aus Holzteilen als auch geschweißte Eisenplastiken.

Wichtig für Luginbühls weitere Entwicklung war die Begegnung mit den Künstlern Jean Tinguely, Daniel Spoerri und Dieter Roth. Aus diesem Zusammentreffen resultierten verschiedene interessante Projekte wie zum Beispiel die begehbare Riesenskulptur Dylaby von 1960. Mit Tinguely, der ein Vertreter der kinetischen Kunst war, verband Luginbühl eine lebenslange Freundschaft. 1964 nahm der Eisenplastiker an der documenta III teil. Im selben Jahr experimentierte er auch mit Holzmodellen aus Eisen- und Stahlgießereien. Seine Liebe zum industriellen Schrott zog ihn in Fertigungshallen, in denen er mit Abfallprodukten aus der Industrie arbeitete.

Luginbühls Vorbild war der spanische Bildhauer Eduardo Chillida, dessen beeindruckende Eisen- und Stahlplastiken er 1954 und 1962 in Bern und Basel sah. Aber auch die Werke von Julio Gonzalez und Alexander Calder prägten ihn. Nicht nur für Luginbühl, sondern für die ganze Generation waren Technik und Dimension extrem wichtig.

Organische Assemblage

Im Gegensatz zu anderen Künstlern seiner Generation, die zu großen Teilen in die Abstraktion gingen, behielten Luginbühls überdimensionierte Kolosse immer etwas Organisch-Spielerisches. Luginbühl steht in der Tradition der Assemblage, bei der der plastische Prozess umgekehrt wird. Nicht aus einem künstlerischen Material wird ein Werk herausgearbeitet, sondern es wird durch Montage von Objekten dem Alltag abgewonnen.

Zu fast allen Objekten seines Werkes entstanden detailversessene Zeichnungen und Grafiken. Luginbühl machte auch Filme und hat zwischen 1977 und heute etliche spektakuläre Verbrennungsaktionen inszeniert.

Weiterführende Literatur:

  • Skulpturen des 20. Jahrhunderts in Stuttgart. Hrsg. Bärbel Küster. Heidelberg 2006.

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