Ullman, Micha

geboren 1939 in Tel Aviv/Israel

Den Schwerpunkt der künstlerischen Arbeit von Micha Ullman bildet, einfach gesagt, die Leere. In vielen seiner Arbeiten schafft er Gruben oder Vertiefungen, die leer bleiben und dadurch Raum schaffen, dass sich die Betrachter ihre eigenen Bilder und Vorstellungen entwerfen. Insofern sind seine Kunstwerke gleichermaßen Provokation und Anlasse zur Auseinandersetung.

In Stuttgart ist Ullman mit vier Kunstwerken vertreten.

Micha Ullman: Abendstern, 1996Vergrößern
Micha Ullman: Abendstern ©Wolfram Janzer

Künstlerische Entwicklung

Im Alter von 21 Jahren begann Micha Ullman an der Bezalel Academy of Art and Design in Jerusalem zu studieren. Danach wechselte er 1965 auf die Central School for Arts and Crafts in London. Von 1970 bis 1978 war er Professor in Jerusalem, ab 1976 hatte er zusätzlich eine Gastprofessur an der Kunstakademie in Düsseldorf.

Ab 1979 hat Micha Ullman für zehn Jahre in Haifa gearbeitet. Unter anderem unterrichtete er im Technion an der Fakultät für Architektur und Stadtplanung, aber auch am Fine Arts Department (Plastik und Zeichnung).

1987 nahm Ullman zum ersten Mal an der Documenta VIII teil. Dort stellte er auf der Wiese der Kasseler Karlsaue eine Grabung beziehungsweise Bodenarbeit aus, die sich mit dem Exodus von Menschen beschäftigte.

1991 kam Ullman als Professor für Skulptur an die Akademie der Bildenden Künste nach Stuttgart. Ein Jahr darauf (1992) war eine seiner Arbeiten auf der IX. Documenta zu bewundern.

1994 ist im Innenhof des Schloß Solitude seine zunächst unscheinbare aber dennoch beeindruckende Arbeit Neumond entstanden. In diesem Zusammenhang können auch seine weiteren Kunstwerke gesehen werden.

Der israelische Künstler lebt und arbeitet in Ramat Hasharon (Israel) und Stuttgart.

Grabungen

Seit den frühen 1970er Jahren arbeitet Micha Ullman mit Ausgrabungen. Er gräbt in der Erde nach verborgenen Schichten der Erinnerung.

Eine der frühesten Erd-Aktionen findet 1972 in der israelischen Kleinstadt Herzelia statt. Dort hob der Künstler drei Gruben aus, diese bleiben alle leer und offen. In ihnen ist nichts, keine Pflanze, kein neues Leben - nur das Licht der Sonne. Eben diese Leere der Gruben erweckt Bilder in den Köpfen der Menschen: es bleibt Platz für Phantasie.

Erde bedeutet für Ullman Heimat. 1933 mussten seine Verwandten Deutschland verlassen um in Israel eine neue Heimat zu finden. Aber es war auch die Erde der Palästinenser, die aus ihrer Heimat vertrieben und ausgesperrt wurden.

Die Grabungen, Schüttungen, Bodenarbeiten und die Gravierungen sind für Micha Ullman immer auch "Denk-Male". Mensch und Gegenwart werden dabei nie verbildlicht, wenn sie auch geistig und sinnlich immer im Mittelpunkt stehen.

Ullman über seine Kunst

"Alle meine Arbeiten sind (...) sehr still, und man muss sich ein wenig Mühe geben, einen Dialog zu entwickeln", stellt Ullman fest. Er zeigt "Leere" und erzeugt damit Energien bei den Betrachtern und regt zusätzlich ihre Phantasie an.

Seine Kunstwerke sind klar, unauffällig und schlicht - sie explodieren nicht oder setzen große Massen in Bewegung. Dennoch, oder gerade deswegen regen sie den Beobachter zu einer intensiven, inneren Reflexion an. Der Blick auf die Vergangenheit und die Zukunft wird verrückt und erweitert.

Weiterführende Literatur:

  • Skulpturen des 20. Jahrhunderts in Stuttgart. Hrsg. Bärbel Küster. Heidelberg 2006.
  • Micha Ullman. Skulpturenmuseum Glaskasten Marl. Hrsg. Uwe Rüth. Marl 2005.

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