Seit den frühen 1970er Jahren arbeitet Micha Ullman mit Ausgrabungen. Er gräbt in der Erde nach verborgenen Schichten der Erinnerung.
Eine der frühesten Erd-Aktionen findet 1972 in der israelischen Kleinstadt Herzelia statt. Dort hob der Künstler drei Gruben aus, diese bleiben alle leer und offen. In ihnen ist nichts, keine Pflanze, kein neues Leben - nur das Licht der Sonne. Eben diese Leere der Gruben erweckt Bilder in den Köpfen der Menschen: es bleibt Platz für Phantasie.
Erde bedeutet für Ullman Heimat. 1933 mussten seine Verwandten Deutschland verlassen um in Israel eine neue Heimat zu finden. Aber es war auch die Erde der Palästinenser, die aus ihrer Heimat vertrieben und ausgesperrt wurden.
Die Grabungen, Schüttungen, Bodenarbeiten und die Gravierungen sind für Micha Ullman immer auch "Denk-Male". Mensch und Gegenwart werden dabei nie verbildlicht, wenn sie auch geistig und sinnlich immer im Mittelpunkt stehen.
"Alle meine Arbeiten sind (...) sehr still, und man muss sich ein wenig Mühe geben, einen Dialog zu entwickeln", stellt Ullman fest. Er zeigt "Leere" und erzeugt damit Energien bei den Betrachtern und regt zusätzlich ihre Phantasie an.
Seine Kunstwerke sind klar, unauffällig und schlicht - sie explodieren nicht oder setzen große Massen in Bewegung. Dennoch, oder gerade deswegen regen sie den Beobachter zu einer intensiven, inneren Reflexion an. Der Blick auf die Vergangenheit und die Zukunft wird verrückt und erweitert.