Kirkeby, Per

geboren 1. September 1938 in Kopenhagen

Der Däne Per Kirkeby beschäftigt sich mit Malerei, Film und Literatur; sein später künstlerischer Schwerpunkt liegt in der Gestaltung von Skulpturen und Architektur. Bei seinen Backsteinskulpturen verbinden sich Einflüsse aus der Kultur der Maya mit der regionalen dänischen Backsteinbauweise.

In Stuttgart ist er mit zwei Werken vertreten.

Per Kirkeby: Ohne Titel, 1986-87Vergrößern
Per Kirkeby: Ohne Titel, ©Wolfram Janzer

Künstlerischer Werdegang

Per Kirkeby ist ein dänischer Maler, Bildhauer und Architekt.
Er studierte von 1957 bis 1964 Geologie an der Universität Kopenhagen und schloss das Studium mit einer Promotion ab. 1958 unternahm er eine Expedition nach Grönland. 1962 trat er in die von Poul Gernes und dem Kunsthistoriker Troels Andersen neu gegründete avantgardistische Künstlergruppe "Den Eksperimenterende Kunstskole" in Kopenhagen ein. Dort beschäftigte er sich mit grafischen Arbeiten, aber auch mit 8-Millimeter-Filmen und Installationen. 1965 erhielt er ein dreijähriges Stipendium an der State Art Foundation.

Im gleichen Jahr debütierte Per Kirkeby als Lyriker. Bis heute entstanden 80 Bücher, die neben Lyrik auch Essays über Kunst und Architektur enthalten. 1967 war seine erste Performance mit Nam June Paik und Charlotte Moorman. Im Jahr 1968 entstand Kirkebys erster Kurzfilm "Britte Bardot" unter dem Einfluss von Andy Warhols Filmtheorie. Anfang der 1970er Jahre wandte sich Kirkeby von der Pop-Art ab und der informellen Malerei, die er zuvor scharf kritisiert und abgelehnt hatte, der 1950er Jahre zu.

1971 führte ihn eine Reise zu den Maya-Kulturen nach Mittelamerika. 1973 schuf er seine erste Backsteinskulptur Huset (Das Haus) in Ikast (Jütland), die Elemente aus der Kultur der Maya mit der Backsteinarchitektur kleinbürgerlicher dänischer Häuser vermischte.

1974 folgten die ersten Ölgemälde. 1976 vertrat er Dänemark bei der Biennale in Venedig. In den 1980er Jahren entstanden neben großformatigen Ölgemälden weitere monumentale Backsteinskulpturen. 1982 nahm er an der Ausstellung "zeitgeist", 1984 an der Ausstellung "Von hier aus - Zwei Monate neue deutsche Kunst" in Düsseldorf teil. Von 1986 bis 1987 realisierte er die Backsteinskulptur Ohne Titel für den Neubau des Haus der Abgeordneten in Stuttgart, 1992 die Backstein-Architekturskulptur auf der Verkehrsinsel des Theodor-Heuss-Platzes in Göppingen.

Von 1978 bis 1988 ist Kirkeby Professor für Malerei an der Kunstakademie Karlsruhe. 1989 ging er als Professor an die Städelschule in Frankfurt am Main, an der er bis 2000 lehrte. 2000 erhielt Per Kirkeby den Auftrag, acht große Bronzeskulpturen für das Gebäude des Deutschen Bundesrates in Berlin zu schaffen.

Seit 1995 beschäftigte sich Kirkeby zunehmend mit Architektur, er entwarf mehrere Gebäude für die Stiftung Insel Hombroich. 2007 Bau des Konzerthauses in Aars (Dänemark).

Per Kirkeby lebt und arbeitet in Kopenhagen, auf der Kattegat-Insel Læsø, in Frankfurt am Main und Arnasco (Italien).

Weiterführende Literatur:

  • Skulpturen des 20. Jahrhunderts in Stuttgart. Hrsg. Bärbel Küster. Heidelberg 2006.

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