Koliusis, Nikolaus

geboren 2. November 1953 in Salzburg

Den Schwerpunkt seiner Arbeit bilden zahlreiche Architekturbezogene Projekte und sein Interesse am Experimentieren mit Technik. In Stuttgart ist er mit fünf Kunstwerken vertreten.

Nikolaus Koliusis: 50 km/h, 2005 (Ausschnitt)Vergrößern
Nikolaus Koliusis: 50 km/h ©Wolfram Janzer

Künstlerische Entwicklung

Mit 17 Jahren machte Nikolaus Koliusis eine Ausbildung zum Fotografen bei Emil und Hubert Hatt. Nach seiner Ausbildung im Jahr 1973 begann er als Gastdozent für "Fotografie im architektonischen Planungsprozess" an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart zu arbeiten.

1978 ging er nach New York, wo er Bill Anastasi und die amerikanische Künstlerin Dove Bradshaw traf. 1979 lernte er den einflussreichen Komponisten und Happening-Künstler John Cage kennen.

Im selben Jahr stellte er zusammen mit Wolfgang Horny seine Rotationsfilme in Verona und Venedig aus. Seine Arbeit in einem Architekturbüro veranlasste ihn 1979 dazu, mehrere architekturbezogene Projekte zu realisieren. 1988 reiste er ein weiteres Mal nach New York und entwickelte zusammen mit dem amerikanischen Künstler, Leon Polk Smith, ein Kunst-Projekt.

Ein Jahr später zog Koliusis nach Japan um eine Stelle als Gastdozent an der Universität Yamaguchi anzutreten. Von 1989 bis 1992 war er wieder in Stuttgart an der Akademie der Bildenden Künste Gastdozent. Dort lehrte er "Erweiterte Fotografie". 1989 nahm er an der documenta IX. in Kassel teil und war zusammen mit Jan Hoet und dem Kunstwerk Netz, das die Kunst schütz... zu sehen. Von 1992 bis 1993 unterrichtete Koliusis an der Gesamthochschule in Kassel "Freie Kunst".

2002 entstand Nikolaus Koliusis´ erste Videoarbeit. Kurz danach (2004/05) entstand seine Lichtinstallation 50 km/h für die er 2005 auch den Architekturpreis "Renault Traffic Award 2005" erhielt.

Nikolaus Koliusis lebt und arbeitet in Stuttgart

Kunst und Umwelt

Koliusis arbeitet mit Glas, Kunststoff, spiegelnden Materialien, farbigen Filterfolien und überbelichteten Filmen. Bei seinen Installationen strebt er immer einen Bezug zum Standort an; er beabsichtigt, die Raumwahrnehmung des Betrachters zu beeinflussen. Seine Arbeiten erzeugen eine Spannung zwischen oben und unten, innen und außen.

Immer weniger beschäftigt er sich mit der Aufnahme von zweidimensionalen Bildern - sein Interesse gilt Farb-Raum-Installationen die eine dreidimensionale Gestalt annehmen. Für seine Kunstwerke verwendet er häufig Filterfolien, die in einem spezifischen Blau gehalten sind und die er von einer in Hollywood ansässigen Zulieferfirma der Filmindustrie bezieht.

Die industriellen, zweidimensionalen Filterfolien werden von dem Stuttgarter Künstler so arrangiert, dass sie einen dreidimensionalen Charakter annehmen. Dadurch verbildlichen sie die Wahrnehmung architektonischer Räume.

Koliusis versperrt durch seine Farb-Raum-Installationen den Blick des Betrachters, mit dem Ziel die Wirklichkeit des Raumes und das natürliche Licht erfahrbar zu machen. Dabei ist nicht sein geschaffenes Objekt die Kunst, sondern vielmehr das visuelle Erlebnis. Die farbigen Folien nehmen das Licht auf, verteilen es in veränderter Form im Innenraum und steigern es zu einer neuen, sinnlich erfahrbaren Wirkung.

Normalerweise arbeitet Koliusis mit Naturlicht. Bei seiner Installation im Tunnel der B 27 muss er allerdings auf künstliche Lichtquellen zurückgreifen.

Weiterführende Literatur:

  • Weiterführende Literatur:
    Skulpturen des 20. Jahrhunderts in Stuttgart. Hrsg. Bärbel Küster. Heidelberg 2006.
  • Koliusis, Zwischen-Raum. Galerie der Stadt Stuttgart. Hrsg. Johann-Karl Schmidt. Ostfildern-Ruit 1996.

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