Paik, Nam June

geboren 20. Juli 1932 in Seoul/Südkorea
gestorben 29. Januar 2006 in Miami/Florida

Das zentrale Thema bei Nam June Paik ist die Videokunst, deren Hauptvertreter und Mitbegründer er war. Paik, ursprünglich Musiker, interessierte sich als Fluxus-Künstler im Verlauf der 1960er Jahre zunehmend für die Arbeit mit den flimmernden und bewegten Bildern. Mit Hilfe eigener technischer Entwicklungen im analogen und digitalen Bereich verlieh er dem Genre der Videokunst bahnbrechende Impulse..

In Stuttgart ist Paik mit einem Kunstwerk vertreten.

Nam June Paik: Two Way Communication, 1996Vergrößern
Nam June Paik: Two Way Communication ©Wolfram Janzer

Künstlerischer Werdegang

Nam June Paik, ein Pioneer der Video- und Medienkunst, studierte von 1952 bis 1956 er in Tokio Philosophie, Musik- und Kunstwissenschaften. Im Alter von 24 Jahren reiste er nach Deutschland um in München bei Musikgeschichte und in Freiburg bei Wolfgang Fortner Komposition zu studieren. Ab 1961 war er freischaffender Musiker. Zuvor hatte er von 1958 bis 1963 im WDR-Studio in Köln gearbeitet.

Beeinflusst wurde Nam June Paik in dieser Zeit von dem amerikanischen Komponisten und Künstler John Cage (1912-1992). Paik hatte ihn 1958 bei den "Internationalen Ferienkursen für Neue Musik" in Darmstadt kennen gelernt. Mit unterschiedlichen Aktivitäten und Performances schloß sich Paik in den 1960er Jahren den Künstlern des Fluxus an.

Ausgehend von musikalischen Experimenten gelangte Paik zur Arbeit mit Fernsehgeräten. Es ist kein Zufall, dass Paik bei seiner Suche nach Interaktivität ausgerechnet auf das Medium Fernseher stieß - war dies doch seit den 50er Jahren als Massenmedium etabliert. Fernsehapparate wurden bei ihm zu Kunstwerken. Bezeichnend hierfür ist seine erste Ausstellung 1963 mit Joseph Beuys in der Galerie Parnass in Wuppertal.

Zu Beginn der 70er Jahre entwickelte Paik zusammen mit dem japanischen Fernsehtechniker Shuya Abe den analogen Videosynthesizer. Anders als zuvor wird hier nicht mehr mit gestörten elektronischen Signalen gearbeitet, sondern mit Videomaterial. Akustische Impulse werden mit Hilfe des Synthesizers in Form- und Farbwerte umgesetzt. Eine seiner bekanntesten Arbeiten ist Global Groove. Mit dieser Installation setzte sich Paik kritisch mit der globalisierten Bilderflut auseinander.

In den 80er Jahren wurde die Bildbearbeitung durch die weiterentwickelte Computertechnologie komplexer. Paik begann in dieser Zeit mit seinen Multi-Monitor-Installationen. Fernsehmonitore, die Videosequenzen abspielten, wurden zu Skulpturen angeordnet. Mit einer aus 384 Monitoren bestehenden Installation erregte 1982 in Paris großes Aufsehen.

Selbst nach einem Schlaganfall im Jahr 1996 blieb Paiks kreatives Interesse ungebrochen und er realisierte weitere künstlerische Arbeiten.

Weiterführende Literatur:

  • Skulpturen des 20. Jahrhunderts in Stuttgart. Hrsg. Bärbel Küster. Heidelberg 2006.

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