Suchthilfe - Eltern und Angehörige

Die Drogenabhängigkeit der eigenen Kinder/Partner hat für Eltern und Angehörige meist drastische Folgen. Neben den ökonomischen und materiellen Auswirkungen erleben sie Ablehnung, Vorwürfe und Skepsis von Mitmenschen und Verwandten, fühlen sich in ihren Beziehungen zu den Betroffenen überfordert, alleingelassen und verzweifeln an ihrer Hilflosigkeit. Sie werden teilweise isoliert, ziehen sich aber auch aus Scham und vermeintlichem Selbstschutz zurück, was sich wiederum negativ auf soziale Kontakte und Bindungen sowie auf das eigene Selbstwertgefühl dieser Angehörigen auswirkt.

Betroffene Angehörige versuchen, den Kreislauf von Scham, Isolation, Überforderung und Hilflosigkeit zu durchbrechen, indem sie sich zu Eltern- und Angehörigenkreisen zusammenschließen. Eltern- und Angehörigenkreise werden auf zwei Ebenen tätig. In erster Linie sehen sie die Notwendigkeit, sich Raum und Zeit zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch zu verschaffen. Dieses Angebot - innerhalb einer verständnisvollen Gemeinschaft - kann den einzelnen helfen, Unsicherheiten und Ängste abzubauen, Schuldgefühle aufzuarbeiten und neue Strategien für den eigenen Lebensweg zu entwickeln. Die Erfahrung gegenseitiger Akzeptanz und Unterstützung macht es den betroffenen Angehörigen möglich, ihre Bedürfnisse wahrzunehmen.

Gezielte Öffentlichkeitsarbeit ist der zweite wesentliche Bereich der Eltern- und Angehörigenkreisarbeit. Die Eltern können ihre eigenen Erfahrungen in gesellschaftliche und politische Diskussionen einbringen und somit vorherrschender Gleichgültigkeit, aber auch Diskriminierung entgegenwirken. Eine punktuelle Zusammenarbeit mit verschiedenen Behörden und Fachgremien ist wünschenswert und nützlich. Eltern- und Angehörigenkreisarbeit ist Überlebenshilfe für alle Beteiligten.

Autor: Ulrich Binder Beratungsstelle Release U21 - Prävention,Information, Beratung

 
 

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