Kinder und Sucht

Kinder in unserer Konsumgesellschaft

Von Geburt an können Kinder in einer Welt, die sehr stark von Konsumbedürfnissen und Werbung geprägt ist, von diesen Einflüssen nicht abgeschirmt werden - sie sind den Versuchungen unserer Konsumgesellschaft ausgesetzt, sei es in indirekter Weise durch die Allgegenwart von Fernsehen, Video oder Game-Boy, durch die Verabreichung von Medikamenten oder von Süßigkeiten als Ersatzbefriedigung durch Erwachsene und durch die Beobachtung des Verhaltens Erwachsener.

Darum gilt bereits in früher Kindheit dieser Problematik besondere Aufmerksamkeit, denn in einer Welt, aus der Suchtmittel und abhängiges Verhalten nicht mehr wegzudiskutieren sind, gilt es bereits früh, einen bewussten Umgang mit den vielfach zur Verfügung stehenden Konsumgütern zu erlernen (vgl. Vorbeugung).

Kinder suchtkranker Eltern

Die Entwicklungsbeeinträchtigungen der Kinder suchtkranker Mütter und/oder Väter sind erheblich. Eltern, die von illegalen Drogen abhängig sind, sind noch zusätzlich belastet durch Beschaffungsdruck, Angst vor polizeilicher Verfolgung und Inhaftierung, Beschaffungskriminalität und Prostitution. Die Kinder spüren, dass mit Mutter/Vater "etwas nicht stimmt". Sie erleben Eltern, die extreme Stimmungsschwankungen zeigen, verursacht durch Entzug und Rausch und entsprechend in ihrem erzieherischen Verhalten zwischen Verwöhnung und Ungeduld bis Aggressivität schwanken. Für die Kinder bedeuten die unterschiedlichen, rasch wechselnden und beängstigenden Befindlichkeiten der Eltern und rätselhaften Vorgänge eine tiefe Verunsicherung. Sie lernen früh, hellwach zu sein, sich auf die Erwachsenen einzustellen, in dem sie deren Stimmungen rasch aufzunehmen vermögen. Sie lernen auch, eigene Bedürfnisse hintanzustellen, Gefühle nicht mehr wahrzunehmen und Verantwortung für die Eltern zu übernehmen, wenn diese krank sind oder wieder einmal versuchen, zu entziehen. Oder sie übernehmen elterliche Funktionen für kleinere Geschwister. Es ist auch nicht auszuschließen, dass sie gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen den Eltern hilflos mit ansehen müssen oder selbst geschlagen und misshandelt werden. Sie erleben unzuverlässige Erwachsene und erfahren, dass es besser ist, nicht mehr zu vertrauen.

Diese Kinder sind heillos überfordert und zum Schweigen verpflichtet. Sie können sich niemand anvertrauen, aus Angst, die Familie zu verraten. Sie haben Schuldgefühle für die eigenen ambivalenten Gefühle der Eltern gegenüber. Mit eigenen Symptomen, wie beispielsweise Schul-, Sprachproblemen, Einnässen, Essstörungen oder sonstigen körperlichen Schmerzen versuchen sie, die Eltern von den Suchtproblemen und Konflikten zu defokussieren und so zum Familienzusammenhalt beizutragen. Kinder können unterschiedliche Formen entwickeln, eine solche Familiensituation zu bewältigen.

 

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