Niederschwellige Suchthilfen

Die Einrichtungen der Sucht- und Drogenhilfe versuchen, Hilfen für Abhängige auf allen Ebenen der Erreichbarkeit anzubieten. So gibt es Abhängige oder Gefährdete, die Beratungsstellen direkt selbst aufsuchen und um konkrete Unterstützung bitten. Viele Abhängige haben aber entweder nicht den Mut, nicht die Initiative oder sind besorgt, dass zuviel von ihnen verlangt werden könnte.

Niederschwellige, auf Schadensminimierung zielende Maßnahmen der Sucht- und Drogenhilfe sollen es den Süchtigen ermöglichen ohne die Überwindung einer Schwelle Hilfsangebote annehmen zu können.

Die Zielgruppen der aufsuchenden, niederschwelligen Sucht- und Drogenhilfe sind neben den Drogenabhängigen, die im obigen Sinne Überlebenshilfeangebote benötigen, auch die sogenannten mehrfach beeinträchtigten Abhängigen (früher Chroniker) und Familien bzw. Einzelpersonen, die über den ASD bzw. das Sozialamt Kontakt zur Suchthilfe bekommen. Diese Angebote sollen zuallererst sichern, bzw. Wege in eine suchtmittelfreie Entwicklung aufzeigen.

Für Drogenabhängige werden von Streetworkern gebrauchte Einwegspritzen gegen saubere getauscht, zur Gesundheitsvorsorge gegen Hepatitis und Aids werden kostenlose Kondome abgegeben. Die Straßensozialarbeiter geben Informationen zur Krankheitsvorbeugung oder Hinweise zur Abhilfe bei großen und kleinen Leiden der Abhängigen.

Im Stadtgebiet Stuttgart gibt es drei Spritzenautomaten, bei denen sich Drogenabhängige völlig anonym saubere Spritzen kaufen können, damit sie sich nicht zusätzlich zu ihrer Drogenabhängigkeit eine gefährliche Krankheit (HIV, Hepatitis etc.) holen.

Im Bereich der Suchthilfe ist ein niederschwelliges Angebot die aufsuchende Suchtarbeit. In enger Kooperation mit dem Allgemeinen Sozialdienst des Jugendamtes, dem Sozialamt, der Wohnungslosenhilfe und den sozialpsychiatrischen Diensten suchen Mitarbeiter der Beratungsstellen Einzelpersonen und Familien, bei denen ein Abhängigkeitsproblem vermutet wird oder bekannt ist, auf, um ein Hilfsangebot zu unterbreiten bzw. den Versorgungs- und Betreuungsbedarf zu bestimmen.

In den Anlaufstellen (Kontaktläden, Wärmestube, Tagesstätte) für Suchtmittelabhängige sind alle Abhängige ohne Vorbedingungen willkommen. Die Anlaufstellen verfügen über unterschiedliche Hilfen, wie Duschmöglichkeiten, Kleiderreinigung, Angebot sauberer Kleidung in Kleiderkammern, kostenlose Abgabe von Kondomen, auf Wunsch Weitervermittlung zu ärztlichen Diensten und/oder andere weiterführende Angebote. Die niederschwelligen Hilfen der Sucht- und Drogenhilfe werden in Stuttgart in Zukunft regionalisiert angeboten. In drei Versorgungsregionen werden die jeweils verantwortlichen Träger der Suchthilfe standardisierte Angebote der aufsuchenden, niederschwelligen Sucht- und Drogenhilfe entwickeln bzw. ausbauen.

Schlafplätze: Schlafplätze für Drogenabhängige werden z. B. unter dem Namen "Sleep-in" angeboten. Hier werden Schlafplätze für solche Abhängige bereitgehalten, die über keine andere Unterkunft verfügen und in Hotels, Heimen etc. keine Unterkunft finden.

Entgiftungsmöglichkeiten: Die Entgiftung wird als Phase zum möglichen Ausstieg aus der Suchtmittel- und Drogenabhängigkeit verstanden. Niedrigschwellig sind solche Entgiftungseinrichtungen, die zunächst bedingungslos sind und solche Abhängige aufnehmen, deren Wunsch ein sofortiger Entzug ist. Niedrigschwellige Entgiftung macht nicht zur Voraussetzung, dass weitere Lebensplanung bereits feststehen muss oder ein Therapieplatz vorhanden ist.

Autor: Ludger Nienaber, Klinikum Stuttgart, Bürgerhospital, Zentrum für seelische Gesundheit, Ambulantes Beratungs- und Behandlungsstell, Suchtmedizinische Ambulanz.

Träger der Einrichtungen der niedrigschwellingen Drogenhilfe ist der Caritasverband für Stuttgart e.V.
Ansprechpartner im Café Maus.