Boden als Lebensraum

Bodenorganismen

Auf einem Quadratmeter Stuttgarter Filderboden befinden sich bis in 30 cm Tiefe überschlägig

  • 100 Billionen Pilze und Bakterien (0,0005-0,002 mm),
  • 1 Billion Einzeller wie Geißeltierchen, Amöben, Wimperntierchen (0,002-0,2 mm)
  • 10 Millionen Fadenwürmer, Milben oder Springschwänze (0,2-2 mm)
  • 200.000 Käfer, Asseln, Spinnen etc. (2-20 mm)
  • 100 Regenwürmer (2-20 cm)

Intaktes Bodenleben ist ein Indikator natürlicher Bodenfunktionen. Es kennzeichnet das Maß der stofflichen Auf- und Abbauprozesse. Bodenorganismen sorgen für die Beseitigung natürlicher "Abfallstoffe" und die Zersetzung von herabgefallenem Laub und anderer toter organischer Materie. Durch die entstehenden Abbauprodukte wird der Boden mit wertvollen Substanzen wie Humus und Nährstoffe angereichert. Besondere Spezialisten "fressen" sogar organische Schadstoffe wie zum Beispiel Mineralöl. Damit spielen natürliche Abbau- und Rückhalteprozesse im Boden bei vielen Altlastenfällen eine wichtige Rolle.


Lebensraum Boden
Foto: Dr. Gerhard Laukötter, Natur- und Umweltschutz-Akademie Nordrhein-Westfalen

Pflanzen

Pflanzen sind unmittelbar von den natürlichen Bodenfunktionen abhängig. Der Boden liefert ihnen Nährstoffe, Wasser und den nötigen Wurzelraum. Diese Voraussetzungen bieten die Lössböden auf den Flächen der Fildern, des Langen Feldes und des Schmidener Feldes in nahezu optimaler Weise. Da die dortigen Böden besonders geeignete Nutzpflanzenstandorte sind, werden sie bereits seit der Jungsteinzeit vorzugsweise besiedelt und landwirtschaftlich genutzt.

Als primäre Nutzer der Böden charakterisieren vor allem Pflanzen die Funktion als Lebensraum und Lebensgrundlage. Bodenorganismen, Tiere und Menschen ernähren sich direkt oder indirekt von ihnen. In der Bauleitplanung wird daher zur Beurteilung der Lebensraumfunktion eines Bodens die Eignung als Pflanzenstandort herangezogen.


Tiere

Tiere sind abhängig von gesunden, nahrhaften Produkten, die der Boden zum einen als Pflanzen aller Art hervorbringt sowie in Form einer reichhaltigen Bodenfauna, wie Regenwürmer oder Käfer, die auf dem Speisezettel höherer Tiere stehen.

Schadstoffbelastete Böden stellen für die Tiere entweder durch am Futter anhaftende Bodenreste oder durch die von Pflanzen über die Wurzeln aufgenommene Schadstoffe eine Gefährdung dar. Beispielsweise sind Schafe gegenüber erhöhten Kupfergehalten in Futtermitteln besonders empfindlich.


Menschen

Die Funktionen als Lebensraum und Lebensgrundlage für den Menschen erfüllt der Boden durch die Möglichkeit, gesunde Nahrungsmittel in ausreichender Menge zu produzieren. Auch die notwendige Verfügbarkeit von sauberem und ausreichendem Trinkwasser hängt sehr stark von funktionstüchtigen Böden als Bestandteil des natürlichen Wasserhaushalts ab.

Der Mensch nutzt diesen Lebensraum aber weitgehender. Neben Landwirtschaft, Erholung und Siedlung werden die Böden auch stark für Verkehr sowie sonstige wirtschaftliche und öffentliche Nutzungen beansprucht. Dabei gehen ihre natürlichen Funktionen oft verloren.

Um den Lebensraum Boden für sich, Pflanzen, Tiere und Bodenorganismen zu erhalten, muss der Mensch die Inanspruchnahme von Böden sinnvoll planen. Sofern sich die Bodenvorräte nachteilig entwickeln, muss notfalls gegen gesteuert werden. Unter dem Thema "Bodenschutzkonzept" wird aufgezeigt, wie dies in Stuttgart praktiziert wird.

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