Gelöste Gase

Ein wesentliches Kennzeichen des hochkonzentrierten Stuttgarter Mineralwassers ist die Kohlensäure, die mit 1.400 bis 2.000 mg/l über 90 % des Gesamtgasgehalts ausmacht. Sie typisiert die Heilwässer als Säuerling und verleiht ihnen eine heilende Wirkung.

Die Säuerlinge - oder wie die Stuttgarter sagen: "die Sauerwasser" - sind deshalb früher wie heute Bestandteil der therapeutischen Anwendungen. Wenn das Mineralwasser aus der Tiefe aufsteigt, beginnt die darin gelöste Kohlensäure infolge der Druckentlastung auszugasen. Dann sieht man die unzählig vielen kleinen Kohlensäureblasen, die das Wasser scheinbar zum "Kochen" bringen. Sobald man ins naturbelassene und chlorfreie Mineralwasser eintaucht, prickeln die Kohlensäurebläschen auf der Haut - Baden in Champagner.

Über 90 % des Gesamtgashaushaltes bestehen aus Kohlensäure. Stickstoff hat weniger als 5 % Anteil Sauerstoff, Methan, Argon und weitere Edelgase sind nur noch in Spuren nachweisbar. Hinsichtlich der Herkunft des Gases liefern jedoch gerade die Spuren- und Edelgase sowie deren Isotope wichtige Hinweise. Sie lassen auf mehrere Gasquellen schließen, die in der tiefen Erdkruste, aber auch im Erdmantel zu suchen sind. Die Gase stammen also aus dem Erdinneren, zum Teil aus mehr als 30 Kilometern Tiefe. Für den Aufstieg nutzen sie Verwerfungen, die das Grund- und Deckgebirge Süddeutschlands in vielfältiger Weise durchziehen.

Die Gase haben einen komplexen Ursprung. Die in jüngerer Zeit begonnenen quantitativen Gasbestimmungen und Untersuchungen der Helium-, Stickstoff- und Kohlenstoff-Gasisotope lassen den Schluss auf die Mischung mehrerer Gasquellen zu. Detailliertere Auswertungen hierzu stehen noch aus. Schon jetzt zeigen aber Bestimmungen des Helium-3/4-Isotopenverhältnisses für Bad Cannstatt, dass eine magmatische Helium-Komponente aus dem Erdmantel beteiligt ist.

Das Auftreten von Kohlensäure konzentriert sich sehr wahrscheinlich auf den Kreuzungsbereich mehrerer Störungszonen, von denen mindestens eine Struktur eine horizontale Scherkomponente zeigt. Die Fildergrabenrandverwerfungen spielen bzgl. der Gaszufuhr keine Rolle.

Grafik Konzentrationsverteilung Kohlensäure in MineralquellenVergrößern
Konzentrationsverteilung der freien Kohlensäure im Oberen Muschelkalk. Grafik: Stadt Stuttgart

Gasbestandteile von Insel- und Leuzequelle


Gasbestandteil Inselquelle Leuzequelle
Kohlendioxid 98,2 94,6
Stickstoff 1,8 5,3
Argon 0,02 0,09
Sauerstoff 0,01 0,01
Methan 0,0003 0,0007

Angaben in Volumen-Prozent

 
 

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