Geologie, Hydrogeologie

Wie Sauerwasserkalke belegen, treten im Bad Canstatter Neckarkies und unteren Nesenbachtal schon seit mehreren hunderttausend Jahren Mineralwässer aus. Geologisch gesehen ist die Lage dieser Quellaustritte kein Zufall. Denn hier haben sich der Neckar und seine Zubringer in die Gesteine des Keupers eingetieft und damit die Mächtigkeit der geringdurchlässigen und deshalb schützenden Deckschichten über dem Oberen Muschelkalk, in dem das Mineralwasser strömt, verringert. Spannungen in der Erdkruste, die zu Verbruch, Zerscherung und Versatz des Deckgebirges an Verwerfungen führten, haben ein Weiteres bewirkt. Sie schufen Aufstiegswege für das Mineralwasser im sonst eher geringdurchlässigen Keuper.

Das Mineralwasser führende Schichtglied in Stuttgarts Untergrund ist der Obere Muschelkalk. Er steht nur in den nördlichen Stuttgarter Stadtteilen sowie im Neckartal nördlich Stuttgart-Münster zu Tage an. In den übrigen Gebieten wird der Obere Muschelkalk von den Gesteinen des Keupers, auf den Fildern zusätzlich sogar von denen des Unterjuras, bedeckt. Treten die 80 Meter mächtigen Kalk- und Dolomitgesteine des Oberen Muschelkalks mit Kohlensäure beladenem Wasser in Kontakt, geht Kalk in Lösung. Dadurch erweitern sich die ursprünglich nur Millimeter geöffneten Klüfte, die das Gebirge durchziehen und primär von Grundwasser durchströmt werden, sukzessive zu Karströhren und Spalten, manchmal sogar zu Höhlen. Infolge dieses Verkarstungsprozesses entwickelte sich der Muschelkalk erst allmählich zu einem hochdurchlässigen und ergiebigen Grundwasserleiter, den man heute als leistungsfähigen "Mineralwasserspender" kennt.

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