Gesamtschüttung

"Es scheint als hätte die Natur allhier ihren Vorrat an mineralischen Wässern auf einmal ausschütten wollen ...

... so beschrieb Johann Albrecht Gesner im Jahre 1749 den Reichtum an Mineralwasser in Stuttgart. Mit einer Schüttung von 500 l/s stellen die Stuttgarter Mineralquellen nach denen von Budapest tatsächlich das zweitgrößte Mineralwassersystem Europas dar. 225 l/s sind durch 19 artesische Brunnen mit fixierter Auslaufhöhe bzw. Schieberstellung gefasst. Davon gehören 165 l/s zum Typ des hochkonzentrierten Mineralwassers, wovon allein die Insel- und Leuzequelle sowie die Berger Urquelle mehr als die Hälfte ausschütten. 60 l/s gehören zum Typ des niederkonzentrierten Mineralwassers. 40 bis 50 l/s treten in der Mombachquelle ungefasst aus. Etwa 230 l/s gelangen direkt über Verwerfungszonen in die quartären Talkiese der Neckaraue oder direkt in den Neckar.

Die weitgehend synchron verlaufenden Schüttungsganglinien der Quellen zeigen eine ausgeprägte Dynamik. Die Zeitreihen erlauben eine Klassifizierung in kurzfristige (jährliche), mittelfristige (ca. 4-5 Jahre) und langfristige (ca. 10-15 Jahre) Ereignisse. Der Piezometerhöhenverlauf in den beobachteten Aufschlüssen weist dieselben typischen Merkmale auf wie der Schüttungsverlauf der Quellen, allerdings mit generell zunehmender Amplitude. Sie beträgt 1 bis 2 Meter im zentralen Stadtgebiet und bis zu 25 Meter im Neubildungsgebiet. Die gute mathematische Korrelation der Messgrößen Quellschüttung und Grundwasserstand in Grundwasseraufschlüssen signalisiert, dass eine Abhängigkeit im Muschelkalk zwischen Aquiferdruck und Schüttungsgang besteht und die Druckschwankungen im Schüttungsverlauf der Quellen ihren Ursprung in der mittel- und langfristigen Variation des Grundwasserneubildungsgeschehens haben.

Geologischer Schnitt NeckartalGrafik: Amt für Umweltschutz


Schüttung Berger QuellenGrafik: Amt für Umweltschutz

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