Lapidarium - Geschichte

Das Freilichtmuseum

Das Städtische Lapidarium ist eine museale Sammlung von steinernen Zeugnissen - von Bauteilen und Zierelementen zerstörter oder abgebrochener Gebäude, von Skulpturen und Inschriftentafeln. Seit 1950 beherbergt der malerische Garten der Villa Ostertag-Siegle das Freilichtmuseum, dessen Namen sich vom lateinischen "lapis",zu deutsch Stein, ableitet.

1900 bis 1944: Das "Alte Lapidarium"

Als um 1900 bei der Umgestaltung der Stuttgarter Altstadt viele Gebäude abgebrochen wurden, bewahrte man einzelne Bauteile und Zierelemente auf, die von künstlerischem Wert waren. Sie wurden im Kreuzgang des ehemaligen Dominikanerklosters an der Hospitalkirche im neu eingerichteten Städtischen Lapidarium untergebracht. Im Zweiten Weltkrieg wurde dieses bei Luftangriffen im September 1944 zerstört und die Steinfragmente des Alten Lapidariums verschüttet.

Lapidarium/Unterer Garten, um 1950Vergrößern
Gartenparterre im Unteren Garten in den 1950ern. Foto: Stadt Stuttgart

1945: Die "Städtische Kommission zur Erhaltung von Kunstwerken und Baudenkmalen"

Im August 1945 wurde im Einvernehmen mit der amerikanischen Besatzungsmacht die "Städtische Kommission zur Erhaltung von Kunstwerken und Baudenkmalen" eingerichtet. Ihren Vorsitz führte Prof. Gustav Wais, unterstützt von Oberbaurat Dr.-Ing. Wilhelm Speidel. Der Kommission gelang es, eine Vielzahl bau- und kunstgeschichtlich bedeutender Architekturteile, Plastiken und Inschriftentafeln des "alten Stuttgart" zu retten. Auch einzelne Stücke aus dem Alten Lapidarium konnten geborgen werden.

LapidariumVergrößern
Statue im Garten des Lapidariums. Foto: Stadt Stuttgart

1905 bis 1952: Das Lapidarium in der Villa Ostertag-Siegle

1905 hatte Karl von Ostertag-Siegle den Architekten Albrecht Eitel mit der Gestaltung der Gartenanlage seiner Villa in der Mörikestraße 24/1 beauftragt. Nach dem Vorbild italienischer Renaissancegärten des 17. und 18. Jahrhunderts wurde eine Wandelhalle angelegt und das Gelände terrassiert. Im Laubengang fanden 200 stadtrömische Antiken ihren Platz, die Karl von Ostertag-Siegle von einer Italienreise mitgebracht hatte.

Die Villa ging bereits 1935 in städtischen Besitz über. 1950 verkauften die Erben Ostertag-Siegle schließlich auch den Garten an die Stadt Stuttgart. Hier wurde nun das Städtische Lapidarium eingerichtet: "So entstand aus einer als Notunterkunft gedachten Anlage in Verbindung mit dem herrlichen Garten ein geradezu ideales Freilichtmuseum der Stadt...", erklärte Gustav Wais anlässlich der feierlichen Eröffnung am 8. Juli 1950. 1952 wurde die Ausstellungsfläche durch die Einbeziehung des angrenzenden Geländes erweitert.

Fenster der Kronprinzenpalais, 1846-1850Vergrößern
Das Fenster der Kronprinezenpalais wurde 1996 im Lapidarium aufgestellt. Foto: Ulli Ayadi

1961 bis heute: Das "Städtische Lapidarium"

Nach Gustv Wais' Tod im Jahre 1961 verfiel die Einrichtung jahrzehntelang weitgehend unbeachtet in einen "Dornröschenschlaf". Dauerhaftes Interesse der breiteren Öffentlichkeit verbucht das Lapidarium jedoch spätestens wieder seit 1999: In diesem Jahr wurde es als Kulturdenkmal eingestuft.