Gustav Siegle - Ein Kurzporträt

Gustav Siegle war ein Unternehmer in der Farbenbranche, der sich gezielt für die Gleichstellung von Arbeitern und die Erweiterung der gesellschaftlichen Bildungsmaßnahmen einsetzte. Er wurde am 2. Februar 1840 in Nürtingen geboren und starb am 10. Oktober 1905 in Stuttgart.

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Gustav Siegle

Elternhaus

Gustav Siegle kam als Sohn des schwäbischen Apothekers Wilhelm Heinrich Siegle und dessen Frau Maria Friederike Wernle zur Welt.

Wilhelm Heinrich Siegle (1815-1863) beschäftigte sich bereits während seiner Tätigkeit als Apotheker mit der Herstellung von Farben. Nach einem Streit mit einem Nürtinger Arzt verkaufte Siegle 1942 die Apotheke und zog nach München, wo er eine kleine Farbenfabrik eröffnete.

1846 verstarb seine Frau. 1847 heirate er zum zweiten Mal und zog ein Jahr später nach Stuttgart, nachdem er seine Fabrik veräußert hatte.

Gustav Siegle war beim Tod der Mutter gerade sechs Jahre alt. Die zweite Frau seines Vaters, Luise Hübler, nahm ihn jedoch liebvoll als ihr eigenes Kind an. Er hatte keine leiblichen Geschwister, aber eine Stiefschwester, mit der er stets ein gutes Verhältnis hatte.

Ausbildung

Gustav Siegles Schulzeit kann nicht zweifelsfrei rekonstruiert werden, da die Schulunterlagen einem Brand zum Opfer gefallen sind. Fest steht, dass er nach der Gymnasialzeit ein Studium der Chemie am Stuttgarter Polytechnikum, später Technische Hochschule/Universität Stuttgart, absolvierte.

Beruflicher Werdegang

Nachdem Gustav Siegle sein Studium abgeschlossen hatte, stieg er in die Firma seines Vaters ein. Diese konzentrierte sich damals auf die Herstellung von Farben und Lacken aus natürlichen Rohstoffen.

Im Herbst 1862 übergab Wilhelm Heinrich Siegle die Leitung der Firma an seinen Sohn. Kurz darauf, im Frühjahr 1863, starb er. Auch nach dem Tod des Vaters wurde das Unternehmen ausgebaut. 1868 eröffnete eine zweite Produktionsstätte in Duisburg.

1873 fusionierte seine Firma mit der Badischen Anilin und Soda-Fabrik (BASF) zusammen mit der Farbenfabrik von Rudolph Knosp. Gustav Siegle wurde in den Vorstand der BASF berufen. In dieser Position widmete er sich nunmehr ganz dem Ausbau des Verkaufsnetzes.

1889 löste Gustav Siegle die Fusion seiner Firma mit der BASF im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Reichtagsabgeordneter wieder auf.

Familienleben

1862 heiratete Gustav Siegle Julie Wetzel. Das Paar bekam sieben Kinder, von denen jedoch nur drei Töchter bis ins Erwachsenenalter überlebten.

Der Wohnsitz der Familie war die Villa Reinsburg in Stuttgart, die jedoch im Zweiten Weltkrieg bei einem Bombenangriff zerstört wurde. Außerdem besaß die Familie Siegle das Gut Ammerland am Starnberger See, um dort die Sommermonate zu verbringen und das Gut Friedensfels in der Oberpfalz, wo Siegle seine landwirtschaftlichen Ideen verwirklichen wollte.

Soziales und kulturelles Engagement

Gustav Siegle unterstützte seinen Freund Eduard Pfeiffer (1835-1921) bei der Gründung von Arbeitervereinen. Den Bau verschiedener Stuttgarter Arbeitersiedlungen unterstützte er durch großzügige Spenden.

In der 1900 gegründeten sozialpolitischen Kommission der Chemischen Industrie trat Gustav Siegle für den Ausbau des Arbeitsschutzes ein und gründete 1879 eine Ersparnis- und Hilfskasse für die Arbeiter des Stuttgarter Zweigs der BASF. Weiterhin führte er eine Betriebskrankenkasse ein, die bei einem geringeren Beitrag als üblich höhere Unterstützungsleistungen zahlte, Altersprämien, Geschenke nach Betriebszugehörigkeit und bezahlten Urlaub.

Auch über sein Unternehmen hinaus engagierte er sich, in dem er beispielsweise 105.000 Mark für die Speisung armer Schulkinder und für Kindergärten spendete. 1893 finanzierte er den Bau des ersten Krankenhauses in Feuerbach.

In den Jahren vor seinem Tod wurde die Idee eines Kulturhauses für die Stadt Stuttgart geboren. Gustav Siegle stellte hierfür 500.000 Mark zur Verfügung, überlies die Ausführung jedoch seiner Frau Julie.

Politisches Engagement

1868 wurde Gustav Siegle Mitglied des Bürgerausschusses der Stadt Stuttgart. Bis 1870 war er in diesem Kontrollorgan des Gemeinderats tätig.

Mit einer Mehrheit von 66 Prozent wurde Gustav Siegle 1887 als gemeinsamer Kandidat der Konservativen und seiner liberalen Freunde in den Reichstag gewählt. Er beendete daraufhin seine Tätigkeit als Unternehmer und widmete sich voll seiner politischen Arbeit.


Nach schwerer Krankheit starb Gustav Siegle 1905 im Alter von 65 Jahren. Sein Grab befindet sich auf dem Stuttgarter Fangelsbachfriedhof.