2008 - Helene Schneiderman

Am 16. Januar 2008 wurde die Kammersängerin Helene Schneiderman mit der Otto-Hirsch-Medaille ausgezeichnet. Die international renommierte Opernsängerin ist auch als Interpretin jüdischer Lieder bekannt, mit denen sie als Tochter eines jüdischen Kantors aufgewachsen ist. Ihre Eltern durchlitten im Dritten Reich die Konzentrationslager von Auschwitz, Buchenwald und Dachau. Dennoch besuchen sie ihre Tochter Jahr für Jahr in Stuttgart. Helene Schneiderman engagiert sich hier in der Jüdischen Gemeinde und gibt zu deren Gunsten unter anderem im Weißen Saal des Neuen Schlosses Liederabende.

Die Laudatio hielt Dr. Ulrich Bopp, stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Stiftungen. Er war 1990 bis 2002 Geschäftsführer der Robert Bosch Stiftung und 2003 bis 2006 Vorstandsmitglied der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" für individuelle und humanitäre Zahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter und andere Opfer des Nationalsozialismus.

Bopp bezog die in den USA lebenden Eltern von Helene Schneiderman in seine Laudatio mit ein, erinnerte an deren schweres Schicksal in der Zeit der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft, die Auswanderung und den Neuanfang in Amerika.

Helene Schneiderman hat "auf einzigartige Weise dazu beigetragen, dass erstens das von den Nazis verfemte kulturelle Erbe jüdischer Musiker und Komponisten allmählich wiederentdeckt wird, dass zweitens die jüdische Gemeinde auf ein reicheres kulturelles Leben zurückblicken kann und dass drittens last but not least Christen und Juden, Gläubige und Ungläubige, sich in dieser Stadt mit weniger Befangenheit und Unkenntnis, Vorurteilen und vielleicht auch Ängsten begegnen. All dies ist Grund zu großer Dankbarkeit und trifft den Sinn dieser Medaille in ausgezeichneter Weise", betonte Bopp.

Helene Schneiderman wurde in New Jersey in den USA geboren. Sie erhielt ihre Ausbildung in Princeton und Cincinnati und schloss ihr Studium 1980 mit dem Grad eines Masters of Music und 1981 mit dem Operndiplom ab. Nach einem Engagement in Heidelberg wurde sie 1984 als lyrische Mezzosopranistin Ensemblemitglied der Staatsoper Stuttgart, wo sie schon bald zum Publikumsliebling avancierte. 1998 wurde sie zur Kammersängerin ernannt.

Ihr etwa 60 Werke umfassendes Repertoire reicht von den Opern Claudio Monteverdis, Nicolo Jomellis und Georg Friedrich Händels bis zum "Rosenkavalier" von Richard Strauss oder zu Adriana Hölskys "Bremer Freiheit", von den Mozart-Partien Dorabella und Sesto bis zur Carmen oder zur Nancy in Arrigo Boitos Oper "Martha" sowie Gioacchino Rossinis Koloraturpartien Isabella, Cenerentola und Rosina.

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Helene Schneiderman - Otto-Hirsch-Medaille 2008