Historische Schulbibliothek des Königin-Katharina-Stifts 1548-1926

Das Stuttgarter Königin-Katharina-Stift wurde am 18. August 1818 als öffentliche Erziehungs- und Unterrichtsanstalt für Töchter aus den gebildeten Ständen eröffnet. Stifterin war Königin Katharina von Württemberg.
Die Beauftragung für die Konzeption und Realisierung der Schule erfolgte sehr kurzfristig im selben Jahr; vermutlich, um der Mutter der Königin, der Zarin von Russland, zu deren Besuch in Stuttgart im Sommer 1818 eine dem Smolno-Institut in St. Petersburg ebenbürtige Einrichtung präsentieren zu können. Das Smolno-Institut wurde von Katharina II. gegründet und lag bis zu seiner Schließung 1917 unter dem Protektorat der jeweiligen Zarin, "... so nach dem Tod von Katharina II. bei ihrer Schwiegertochter Maria Feodorowna, Tochter des württembergischen Königs Friedrich, Mutter Katharinas von Württemberg" (de la Roi-Frey, 2003, S. 41-56).
Nach seinem russischen Vorbild war das königliche Protektorat "... beim Katharinenstift nicht wie sonst wohl eine bloße Form und Zierde, sondern eine wirkliche Oberleitung und persönliche Fürsorge". Dies hatte zur Folge, dass zum einen schon im Jahr der Gründung zwei bereits in Stuttgart bestehende Privatinstitute der höheren Mädchenbildung dieser Konkurrenz nicht standhalten konnten und in der Neugründung aufgingen.

Königin Katharina von Württemberg
Königin Katharina von Württemberg, Abb.: Stadtarchiv

Modellanstalt

Zum anderen sollte das Katharinenstift eine Modellfunktion für weitere Erziehungsanstalten in Württemberg einnehmen (vgl. de la Roi-Frey, 2003, S. 52). Das pädagogische Konzept des Vorbilds in St. Petersburg stand im Zeichen des aufgeklärten Absolutismus und der Diskussionen um die Gedanken Rousseaus.
"In deutlicher Abkehr von den bisherigen Erziehungszielen - Moral und Frömmigkeit - wies der Lehrplan des am 5. Mai 1764 gegründeten Smolno-Instituts die Fächer Russisch, Fremdsprachen, Arithmetik, Geographie, Geschichte, Literatur, Architektur und Heraldik auf." (de la Roi-Frey, 2003, S. 42).

Starken Einfluss auf das pädagogische Konzept des Katharinenstifts hatte nach de la Roi-Frey auch das Mädcheninstitut von Rosette Niederer-Kasthofer in Yverdon, Schweiz, das wiederum persönlich und methodisch eng mit Pestalozzi verbunden war.

Verbindung mit dem Königshaus

Die starke organisatorische Verbundenheit mit dem württembergischen Königshaus lässt sich exemplarisch in einer für den Gesamtbestand bedeutenden Erweiterung der Bibliothek erkennen:
"Der Anstalt aber schenkte der König [König Karl Nachfolger von Wilhelm I. - am] ... 22. Juni 1866 die von ihm angekaufte, 2000 Bände starke, besonders in Geographie, Geschichte und deutscher Literatur sehr reichhaltige Bibliothek des Professors Rost (gest. 26.3.1865), seines ehemaligen Lehrers, der ja von 1818-1835 zu den ersten Lehrern des Stifts gehört hatte." (siehe Heintzeler, [1918], S. 37).
Rost hatte sowohl enge Verbindungen zum Katharinenstift als auch zum Königshaus: Er gab "1835 seine Stelle beim Katharinenstift auf, um den Unterricht bei den Kindern des Königs zu übernehmen ..." (siehe Wolff S. 106).
Wo vorhanden, wurden die Besitzvermerke in die Titelaufnahmen aufgenommen, so auch die des Professors Rost.

Bestand

Inhaltlich spiegelt der Altbestand der Bibliothek des Katharinenstifts den Bildungskanon der höheren Mädchenbildung im Württemberg des 19. Jahrhunderts wider. Wenn auch die Mädchenbildung dieser Zeit keine Zugangsberechtigungen zu Universitäten vorsah, so ist doch die am humanistischen Bildungsideal orientierte Auswahl der Titel erkennbar und in diesen (noch) eng gezogenen Grenzen ein sich abzeichnender Wandel des Bildes von "Weiblichkeit" (siehe hierzu de la Roi-Frey, 2003).

Weitere Informationen

Als Hilfestellungen für Forschungen zur Entwicklung der Bibliothek finden Sie zusätzlich zum elektronischen Katalog des Altbestandes folgende Listen als PDF:

Der Altbestand der Bibliothek des Katharinenstifts ist eine Studiensammlung; die Benutzung erfolgt auf Anfrage.

Über das Rechercheformular des elektronischen Katalogs sind Hinweise zum Bestand abrufbar.
Darin finden Sie:
  • detailliertere Hinweise zur Geschichte der Bibliothek
  • eine Bestandsbeschreibung und Rekonstruktion des Signaturensystems aufgrund der erhaltenen signierten Bände
  • Literatur und Quellen zum Königin-Katharina-Stift und seiner Bibliothek
  • Benutzungshinweise und -einschränkungen