Botnang - Kurzgeschichte

Römerzeit

Früh- und bronzezeitliche Funde im Bereich Gallenklinge - Kräherwald - Birkenkopf belegen erste menschliche Spuren. Die Römer haben vor etwa 1.900 Jahren deutlichere Zeichen hinterlassen: Im Bereich des heutigen Forstamtes am Oberen Kirchhaldenweg trafen sich damals zwei bedeutende römische Verkehrswege, die von Süden und Westen in Richtung Cannstatt, einer der wichtigsten Siedlungen im römischen Südwestdeutschland, führten.

Auf der Ostseite des Feuerbachs lag in römischer Zeit am Fuße des Kräherwaldes eine Töpfersiedlung.

Erste urkundliche Erwähnung

Die schriftlich überlieferte Geschichte von Botnang beginnt mit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 1075. Im Jahr 2000 konnte der Ort somit auf eine 925jährige Geschichte zurückblicken. 1075 übertrugen die Grafen von Calw einen Teil ihres Grundbesitzes im Glemsgau, darunter Botnang ("Botenanch") und Feuerbach, dem Kloster Hirsau. 1281 verkaufte Hirsau seine Botnanger Besitzungen dem Kloster Bebenhausen. Von dort kommen einige Teile an die Herren von Frauenberg, bis schließlich die Württemberger Grafen 1391/92 und 1481 durch Kauf Grundherren von Botnang werden. Ab 1481 war der Ort also württembergisch.

Kirchengeschichte

Kirchlich gesehen gehörte Botnang bis ins 15. Jahrhundert zu Feuerbach, im Jahre 1483 wurde es abgetrennt und erhielt eine eigene Pfarrei, deren erster Pfarrer Johannes Hark war. 1558 beginnt das älteste bekannte Taufregister von Botnang, lange vor den ersten standesamtlichen Eintragungen von 1822. Seit 1558 sind alle in Botnang getauften Kinder namentlich bekannt. Ab 1583 wurde auch ein Ehe- und Totenregister geführt.

Landwirtschaft, Handwerk und Bleichergewerbe

Die wirtschaftliche Grundlage des Ortes bildeten über viele Jahrhunderte hinweg die Landwirtschaft, der Weinbau, das Handwerk und das Bleicher- und Wäschereigewerbe. Ab etwa 1890 war Botnang zudem Standort zahlreicher Gärtnereibetriebe. 1597 förderte Herzog Friedrich I. in Urach die Neugründung einer "Linnen- und Bleichanstalt", deren Monopol die Existenz der Botnanger gefährdete und sie 1601 zu einer Bittschrift veranlasste. Eine Antwort konnte bislang nirgends aufgefunden werden - nachdem jedoch jahrhundertelang weiter gewaschen und gebleicht wurde, haben die Botnanger wohl eine Duldung erreichen können.

Eigenständige Verwaltung, Dreißigjähriger Krieg und Frondienste

Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges zählte man 1621 zirka 450 bis 500 Einwohner. 1631 erfolgte die Trennung der Verwaltung von Feuerbach, so dass Botnang nun ein eigens Ortsgericht und einen Rat hatte. Die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges dokumentiert die Einwohnerzahl von 1643 mit nur noch 201 Einwohnern. Während dieser Krieg Botnang nur mittelbar durch Hunger und Krankheit berührte, führten die anschließenden Raubzüge französischer und kaiserlicher Truppen im Pfälzischen und Spanischen Erbfolgekrieg zu wiederholten Plünderungen, Verwüstungen und Hungersnöten. So mussten sich die Botnanger im Juli 1693 gut sechs Wochen in den Wäldern oder Dörfern der Umgebung vor den Truppen Ludwig XIV. verstecken, während der Ort verwüstet und seiner Kirchenglocke beraubt wurde. Anschließend herrschte Teuerung und Hungersnot.

Ab 1762 mussten Frondienste zum Bau von Schloss Solitude geleistet werden, 1765 wurden 50 Stuckateure von Herzog Carl Eugen bei freier Kost und Logis im Dorf einquartiert. 1795/96 wurde Botnang mehrfach von französischen Revolutionstruppen besetzt. 1836 zählte Botnang 1.000 Einwohner. 1860 und 1863 kommt es zu den ersten Vereinsgründungen im Ort (Liederkranz Botnang und Turnverein Botnang). 1874 erfolgte die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr. Im selben Jahr wird die von Herzogin Wera gestiftete "Kleinkinderpflege" eröffnet - der erste Kindergarten des Ortes, der den Namen "Werapflege" erhielt. Das sehenswerte Gebäude blieb erhalten und ist heute Sitz einer gleichnamigen Kultureinrichtung.

20. Jahrhundert

1914 fuhr die Straßenbahnlinie 18 erstmals von Stuttgart nach Botnang. 1921 gelang der Musterriege (Rasenkraftsport) des ASV Botnang mit einem Europameistertitel der bislang größte sportliche Erfolg einer Botnanger Vereinsmannschaft. Ein Jahr später, am 1. April 1922 wurde Botnang auf eigenen Wunsch nach Stuttgart eingemeindet. Die erste Einwohnerzählung nach der Eingemeindung im Jahre 1925 ergab 4.579 Einwohner. Nachdem die Landwirtschaft als Haupterwerbsquelle in vielen Fällen nicht mehr ausreichte, entwickelte sich Botnang im Zuge der Industrialisierung zunehmend auch zu einem Arbeiterwohnort. Der Ort bekam neben dem aus der Kuckuckssage abgeleiteten "Spitznamen" ein weiteres Prädikat: "Das rote Botnang".

Während des Zweiten Weltkriegs wurden in Botnang viele Gebäude duch Luftangriffe zerstört (1944 und 1945). Dazu gehörte auch die alte Botnanger Kirche, die 1463 erbaut wurde. An derselben Stelle steht heute eines der Wahrzeichen des Ortes, die Auferstehungskirche. Von 1967 bis 1973 und von 1978 bis1990 wurden die großen Neubaugebiete des Ortes erschlossen. Mit dem Teilabbruch des Fabrikgebäudes der früheren Weltfirma "Progress" (Mauz & Pfeiffer) im Jahre 1986 war Botnang endgültig kein Produktionsstandort mehr, es überwiegen nun Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen. In einem weiteren ehemaligen Fabrikgebäude entstand zwischen 1974 und 1979 das erste Stuttgarter Bürgerhaus in Selbstverwaltung. Heute leben rund 13.500 Menschen in Botnang.

Kuckucksweg

Der Stadtbezirk ist von herrlichen Wäldern umgeben, die man auf einem Runderwanderweg erkunden kann. Dieser nach der Botnanger Symbolfigur benannte "Kuckucksweg" konnte 1982 dank engagierter Arbeit der AG Kuckucksweg, ARGE Botnang, des Verschönerungsvereins Stuttgart, des Forstamtes Stuttgart und der großen Spendenfreudigkeit der Bevölkerung als erster Wanderweg dieser Art in Stuttgart eingeweiht werden. Aus dem ehemaligen Dorf ist ein geschätzter und beliebter Wohnort geworden, der auch als Stuttgarter Stadtbezirk seine Eigenständigkeit und ureigensten Merkmale behalten hat.

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