Geschichte der Stuttgarter Städtepartnerschaften

Stuttgart pflegt zehn Städtepartnerschaften auf vier Kontinenten. Die erste Städtepartnerschaft zu St. Helens (England) wurde bereits 1948 geschlossen. Ihr folgten Bündnisse mit Städten in West-, Mittel- und Osteuropa, den USA, Indien und Nordafrika. Die Partnerschaften sind dabei so vielfältig wie die Städte an sich - und mit jeder ist Stuttgart auf eine andere Art und Weise verbunden .

Pierre Pflimlin und OB Arnulf Klett unterzeichnen die Partnerschaftsurkunde zwischen Straßburg und StuttgartPierre Pflimlin und OB Arnulf Klett unterzeichneten am 26. Mai 1962 die Partnerschaftsurkunde zwischen Straßburg und Stuttgart im Beisein des französischen Botschafters François Seydoux de Claussonne und des Ministerpräsidenten Kurt Georg Kiesinger. Copyright: Stadtarchiv/Engel

Die 40er und 50er Jahre

Stuttgart kann sich zu den Pionieren des Partnerschaftsgedankens zählen: Die erste Städtepartnerschaft begann bei einem Informations- und "Goodwill"-Besuch britischer Kommunalpolitiker in Stuttgart 1948. Walter Marshall, der Oberbürgermeister von St. Helens, besuchte die Landeshauptstadt damals als erstes britisches Stadtoberhaupt. Er war so berührt von Not und Elend der Bevölkerung und dem durch Bomben zerstörten Stuttgart, dass er spontan Hilfe und ein Freundschaftsbündnis anbot.

Der damalige Stuttgarter Oberbürgermeister Arnulf Klett dankte dem Gast, regte einen Schüleraustausch an und bereits ein Jahr später kam die erste Schülergruppe aus St. Helens nach Stuttgart. Eine Tradition, die bis heute gepflegt wird.

1955 initiierte das britische Außenministerium eine sich anbahnende Regionalpartnerschaft zwischen Baden-Württemberg und Wales, durch kommunale Partnerschaften der Städte Stuttgart und Cardiff sowie Mannheim und Swansea. Diese ganz neue Form der Städteverbindung half damals, die außenpolitische Isolierung Deutschlands zu überwinden und förderte die Integration in die neue europäische Wertegemeinschaft.

Die 60er und 70er Jahre

Schon bevor 1963 der deutsch-französische Vertrag unterzeichnet wurde, begründeten 1962 Stuttgart und Straßburg, deren Oberbürgermeister seit Jahren in der Bürgermeister-Union zusammengearbeitet hatten, ihre Freundschaft. Im Zuge der atlantischen Zusammenarbeit zwischen Europa und den USA entstanden in den 60er Jahren auch zahlreiche kommunale Zweierbeziehungen zwischen deutschen und nordamerikanischen Städten, darunter auch 1960 die Verbindung zwischen Stuttgart und St. Louis. Der nächste Schritt in der Versöhnung der Kontinente war der Kontakt zu Entwicklungs- und Schwellenländern. Hier spielten vor allem soziale und wirtschaftliche Gesichtspunkte eine wichtige Rolle. Vor diesem Hintergrund entstanden in den Jahren 1968, 1971 und 1979 Stuttgarts Partnerbeziehungen zu Bombay - heute Mumbai - in Indien, Menzel Bourguiba in Tunesien und Kairo in Ägypten.

Die 80er und 90er Jahre

Die Warschauer Verträge leiteten Anfang der 70er Jahre die Entspannungspolitik zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Staaten Mittel- und Osteuropas ein. Auch hier waren die Kommunen Vorreiter einer freundschaftlichen Annäherung. Stuttgart schloss 1988 und 1989 Städtepartnerschaften mit Lodz und Brünn; Samara in Russland folgte 1992 als zehnte und jüngste Verbindung.

Die globale und wirtschaftliche Zusammenarbeit gewann zunehmend an Bedeutung.

Die 2000er Jahre

Erfahrungsaustausch und Vermittlung von Verwaltungs-Know how, kommunale Entwicklungszusammenarbeit und auch gemeinsame Umweltprojekte, Zusammenarbeit in der Wirtschaftsförderung oder die Mitarbeit in europäischen und internationalen Netzwerken wurden integraler Bestandteil der Städtepartnerschaften.

Heute

Weltoffene und engagierte Bürgerinnen und Bürger aus über 180 Nationen leben in Stuttgart und auch Einrichtungen pflegen inzwischen auf vielfältige Art und Weise Kontakte und Projekte mit den Partnerstädten. Diese sollen weiter ausgebaut und intensiviert werden.

Stuttgarts Ziel ist es, seine urbanen Räume ökologisch sinnvoll, ökonomisch wertschöpfend, sozial gerecht und kulturell vielfältig zu nutzen, so dass jeder davon etwas hat. Auch auf nationaler und internationaler Ebene will sich Stuttgart so positionieren und nutzt dafür entsprechende Plattformen, Gremien und Netzwerke. So ist die Landeshauptstadt 2016 EUROCITIES beigetreten, dem renommierten Interessensverband europäischer Großstädte, dem auch Cardiff, Brünn, Lodz und Straßburg angehören.

Gleichzeitig beteiligt sich Stuttgart  an Diskursen und thematischen Vernetzungen mit allen Gruppen und Einrichtungen, die in Stuttgart partnerstädtische und internationale Arbeit gestalten. Völkerverständigung und die aktive Gestaltung europäischer Einigung prägen auch nach fast 70 Jahren die partnerstädtischen und internationalen Beziehungen Stuttgarts.