Geschichte der Stuttgarter Städtepartnerschaften

Die 40er und 50er Jahre

Stuttgart kann sich zu den Pionieren des Partnerschaftsgedankens zählen: Die erste Städtepartnerschaft begann bei einem Informations- und "Goodwill"-Besuch britischer Kommunalpolitiker in Stuttgart 1948. Walter Marshall, der Oberbürgermeister von St. Helens besuchte die Landeshauptstadt damals als erstes britisches Staatsoberhaupt. Er war so berührt von Not und Elend der Bevölkerung und dem durch Bomben zerstörten Stuttgart, dass er spontan Hilfe und ein Freundschaftsbündnis anbot.

Der damalige Stuttgarter Oberbürgermeister Arnulf Klett dankte dem Gast, regte einen Schüleraustausch an und bereits ein Jahr später kam die erste Schülergruppe aus St. Helens nach Stuttgart. Eine Tradition, die bis heute gepflegt wird.

1955 initiierte das britische Außenministerium eine sich anbahnende Regionalpartnerschaft zwischen Baden-Württemberg und Wales, durch kommunale Partnerschaften der Städte Stuttgart und Cardiff sowie Mannheim und Swansea. Diese ganz neue Form der Städteverbindung half damals, die außenpolitische Isolierung Deutschlands zu überwinden und förderte die Integration in die neue europäische Wertegemeinschaft.

Die 60er und 70er Jahre

Schon bevor 1963 der deutsch-französische Vertrag unterzeichnet wurde, begründeten 1962 Stuttgart und Straßburg, deren Oberbürgermeister seit Jahren in der Bürgermeister-Union zusammengearbeitet hatten, ihre Freundschaft. Im Zuge der atlantischen Zusammenarbeit zwischen Europa und den USA entstanden in den 60er Jahren auch zahlreiche kommunale Zweierbeziehungen zwischen deutschen und nordamerikanischen Städten, darunter auch 1960 die Verbindung zwischen Stuttgart und St. Louis. Der nächste Schritt in der Versöhnung der Kontinente war der Kontakt zur so genannten Dritten Welt, mit Entwicklungs- und Schwellenländern. Hier spielten vor allem soziale und wirtschaftliche Gesichtspunkte eine wichtige Rolle. Vor diesem Hintergrund entstanden in den Jahren 1968, 1971 und 1979 Stuttgarts Partnerbeziehungen zu Bombay - heute Mumbai -, Menzel Bourguiba und Kairo.

Die 80er und 90er Jahre

Die Warschauer Verträge leiteten Anfang der 70er Jahre die Entspannungspolitik zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Staaten Mittel- und Osteuropas ein. Auch hier waren die Kommunen Vorreiter einer freundschaftlichen Annäherung. Stuttgart schloss 1988 und 1989 Städtepartnerschaften mit Lodz und Brünn; Samara in Russland folgte 1992 als zehnte und jüngste Verbindung.

Während früher die Völkerverständigung Hauptmotiv der Städtepartnerschaftsbewegung war, gewann in den letzten Jahren vor allem die globale und wirtschaftliche Zusammenarbeit an Bedeutung.

Erfahrungsaustausch und Vermittlung von Verwaltungs-Know how, kommunale Entwicklungsarbeit und auch gemeinsame Umweltprojekte, Zusammenarbeit in der Wirtschaftsförderung oder die Mitarbeit in europäischen und internationalen Netzwerken sind in der Zwischenzeit integraler Bestandteil der Städtepartnerschaften.

Neue Ziele seit 2002

Seit 2002 liegt der Schwerpunkt der Städtepartnerschaftsarbeit vor allem auf dem Ausbau von Netzwerken, und zwar auf allen Ebenen. Besonders die Bürger der Städte sollen sich begegnen - Schüler und Studenten, Vereine und Gruppen aller Art. Und die vielen Aktivitäten in den Bereichen Bildung Kultur, Soziales, Wirtschaft, Umwelt oder Sport machen deutlich: Das Interesse und Bewusstsein der Stuttgarter für Europa und die Welt ist da und es zeigt sich immer wieder, dass jeder nur profitieren kann von der Zusammenarbeit Stuttgarts mit seinen Partnerstädten.