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Vier Großstädte für kinderfreundliche Projekte ausgezeichnet

1st European Award of Excellence City for Children 2009

29.06.2009 Kinder/Jugend
In feierlichem Rahmen wurden bei der dritten Jahreskonferenz des Städtenetzwerks Cities for Children in Stuttgart erstmals vier europäische Städte mit dem European Award of Excellence Cities for Children für ihre innovativen Projekte für Kinderfreundlichkeit ausgezeichnet.

Die Sieger: Malmö, Darmstadt, Liverpool und München

Aus den Händen des ehemaligen Formel-1-Weltmeisters Mika Häkkinen und der UNICEF-Botschafterin Nana Mouskouri nahmen die Preisträger am Abend bei einem Empfang im Mercedes-Benz Museum die Auszeichnung entgegen. Die Städte Malmö und Darmstadt wurden in der Kategorie "Freiraumgestaltung und Spielflächen" für ihre herausragenden Projekte ausgezeichnet. Liverpool und München überzeugten die Jury in der Kategorie "Mobilität und Verkehrssicherheit".

"Ich bin mir sicher, dass diese beispielhaften Projekte Schule machen und sich bald in anderen europäischen Städten etablieren werden", so Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster. "Es ist eines unserer primären Ziele im Netzwerk, dass wir voneinander lernen, wie wir unsere Städte für und vor allem gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen gestalten."

Das Netzwerk Cities for Children und die Landeshauptstadt haben den Preis gemeinsam mit dem Kongress der Gemeinden und Regionen Europas des Europarats (KGRE), dem Rat der Gemeinden und Regionen Europas (CEMR) sowie der Robert Bosch Stiftung für innovative und herausragende Projekte für kinderfreundliche Städte ausgelobt. Der Award richtet sich an europäische Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern.

Ziele des Award

Insgesamt 68 Städte aus 20 europäischen Ländern haben sich beworben. Der City for Children Award will erfolgreiche, innovative und kosteneffiziente Projekte für mehr Kinderfreundlichkeit in den Städten vorstellen und zur Nachahmung empfehlen.

Gleichzeitig sollen die Städte vor Ort in ihrer Arbeit unterstützt werden. Im April dieses Jahres hatte die Jury eine Vorauswahl getroffen. In den darauf folgenden Wochen machte sich die Jury in den Bewerberstädten vor Ort ein Bild von den jeweiligen Projekten.

"Die insgesamt hohe Qualität der eingereichten Bewerbungen haben es der Jury sehr schwer gemacht, besonders herausragende Projekte auszuwählen. Umso wichtiger waren die Eindrücke vor Ort", so das Jurymitglied Günter Gerstberger von der Robert Bosch Stiftung.

Dr. Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung: "Viele Städte haben fantastische Ideen zur Verbesserung der Kinderfreundlichkeit. Wir wollen die gute Praxis auch international bekannt machen - deshalb fördern wir den Award . Wir wollen, dass Städte mit Kinderfreundlichkeit Preise gewinnen. Neben dem bereits bestehenden Netzwerk wirbt der neu ausgeschriebene Wettbewerb für Kinderfreundlichkeit in Europa."

Preisträger in der Kategorie "Freiraumgestaltung und Spielflächen"

In der Kategorie "Freiraumgestaltung und Spieflächen" hat sich die Jury für die schwedische Stadt Malmö entschieden. Hier nahmen Agneta Eriksson, Gunnar Ericson, Patrik Widerberg, Ewa Sundström und Caroline Lundholm den Preis entgegen.

Malmö überzeugte, "weil sie mit ihrem "Stapelbäddsparken" beispielhaft auf die Wünsche der Jugendlichen nach einem Ort für Extremsportarten eingegangen ist und ihren jungen Bürgern wertvolles Bauland in zentraler Lage zur Verfügung gestellt hat", heißt es in der Begründung. Der "Stapelbäddsparken" bietet neben Flächen für Skateboarding Möglichkeiten zum Klettern sowie Räume für künstlerische und kulturelle Aktivitäten in einer ehemaligen Schiffsrampe. Der Erfolg des Projekts werde nicht am Gewinn, sondern an der Beliebtheit und der Nachfrage gemessen. Diese Einstellung sei beispielhaft.

Die Jury würdigte auch den generationenübergreifenden Ansatz des Konzeptes. Das Freizeitangebot im Park komme nicht nur Jugendlichen zugute, sondern fördere mit Sport, Kultur und Geselligkeit das Miteinander der Generationen.

Für Darmstadt nahmen Sozialdezernent Jochen Partsch, die Leiterin des Grünflächen- und Umweltamts, Doris Fath sowie der Leiter des Stadtplanungsamtes Dr. Harald Kissel Award und Urkunde entgegen. Die südhessische Stadt konnte die Jury mit einer kinderfreundlichen Erneuerung des Stadtteils Kranichstein überzeugen. Auch hier gingen die Stadt und die Planer bewusst auf die Wünsche und Bedürfnisse der jungen Bevölkerung ein. "Die verschiedenen Einzelmaßnahmen passen sich dem Vorhandenen an, werten den Bestand auf und werden dem Bedarf und den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen nach unterschiedlichen Frei-, Bewegungs- und Sozialräumen gerecht", so die Jury. Das Stadterneuerungsprojekt, bei dem Kinder und Jugendliche direkt beteiligt waren, habe Vorbildcharakter für europäische Städte.

Mit einer Nominiertenurkunde für den Award in der Kategorie "Freiraumgestaltung und Spielflächen" wurde die Stadt Zürich für ihren von Kindern selbst gestalteten Dschungel-Spielplatz ausgezeichnet. Hier wurden insbesondere der hohe Grad an Partizipation und das hervorragende Zusammenwirken der verschiedenen Nutzergruppen gewürdigt.

Mit einer Anerkennungsurkunde zeichnete die Jury die Städte Odense (Dänemark), Karlsruhe und die rumänische Satu Mare aus. Das Spielplatzprojekt in Odense integriert in besonderer Weise Kinder mit Behinderungen, Karlsruhe erhielt eine Anerkennung für ein einfach zu realisierendes Projekt, das Straßen durch vorübergehende Sperrung zu Spielstraßen für Kinder macht und Satu Mare für die beispielhafte Etablierung von EU-Standards für Spielflächen.

Preisträger in der Kategorie "Mobilität und Verkehrssicherheit"

Preisträger in der Kategorie "Mobilität und Verkehrssicherheit" sind die Städte München und Liverpool. Stellvertretend für die bayrische Landeshauptstadt nahm Stadtrat Dr. Wilfried Blume-Beyerle den Preis im Mercedes-Benz Museum in Empfang. Die Jury hat das langfristig angelegte Konzept zum "Mobilitätsmanagement für Kinder und Jugendliche" für seinen innovativen und spielerischen Umgang mit Verkehrssicherheit prämiert. "Alle Altersgruppen werden in die Schulung einbezogen. Die Schulen können die Maßnahmen selbstständig durchführen und sich aufgrund von Selbstevaluation ständig verbessern", so die Jury in ihrer Begründung.

Die Stadt Liverpool erhielt den Preis für das Projekt " Community Road Safety Education for Children ". Projektleiter David Ng nahm den Preis entgegen. Die Stadt hat sich mit dem kreativen und altersgerechten Trainingsprogramm zum Ziel gesetzt, bis 2010 die Unfallrate von Kindern im Straßenverkehr um 50 Prozent zu reduzieren. Die Jury würdigte mit ihrer Entscheidung, dass "besonders sozial benachteiligte Kinder berücksichtigt werden". Das Projekt sei langfristig angelegt und leicht auf andere Kommunen übertragbar, so die Jury.

Die Nominiertenurkunde in dieser Kategorie erhielt die schwedische Stadt Göteburg für ihr Projekt " On Your Own ", bei dem beispielhaft Eltern und Erwachsene in die kindliche Verkehrserziehung mit einbezogen werden.

Anerkennungen gingen an die polnische Stadt Elblag für die beispielhafte Etablierung von Standards in der Verkehrserziehung kombiniert mit Sicherheitsmaßnahmen im Straßenverkehr, die griechische Stadt Peristeri für ein Projekt mit beispielhafter Kombination aus Verkehrs- und Umwelterziehung und ein Projekt in Salzgitter, "das mit einer autofreien Wohn- und Spielzone die Stadt an die Bedürfnisse der Kinder angepasst hat und nicht das Kind an die Bedürfnisse des Verkehrs", so die Jury.

Der Preis

Der Preis ist eine aus Edelstahl künstlerisch gestaltete Plastik verbunden mit einer Auszeichnung der Auslober für herausragende kinderfreundliche Projekte. Die Preise, gestiftet von der Trumpf GmbH + Co. KG, zeigen Menschen verschiedener Altersgruppen, die sich an den Händen halten und so einen Kreis bilden.

Das Netzwerk

Das Städtenetzwerk wurde 2007 von Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster und der Robert Bosch Stiftung gegründet. Heute engagieren sich mehr als 50 europäische Großstädte aus 26 Ländern für Kinderfreundlichkeit in den Städten. Ziel des Städtenetzwerks " Cities for Children " ist es, dass europäische Kommunen im gegenseitigen Austausch anhand guter Beispiele die besten Projekte und Strategien finden, wie Kindern und Familien das Leben in Städten erleichtert werden kann. Arbeitsgruppen erarbeiten gemeinsame Lösungen, zum Beispiel für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder das Miteinander der Generationen. Die Landeshauptstadt Stuttgart verfolgt seit Jahren das Ziel, die kinderfreundlichste Großstadt Deutschlands zu werden. Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster startete 2003 die Initiative "Kinderfreundliches Stuttgart", die seitdem sukzessive ausgeweitet wurde. Das Netzwerk " Cities for Children " ist dafür ein Beispiel von vielen. "Es war richtig und notwendig, im Jahr 2003 den Weg zu einer kinderfreundlicheren Großstadt einzuschlagen", so OB Schuster. "Will Stuttgart nicht zu einem großen Altersheim werden, müssen wir mehr für Kinder und Familien tun. Mit dem Netzwerk Cities for Children ist ein wichtiger Grundstein für eine kinderfreundliche Stadtgesellschaft gelegt."

Die Jury

Bürgermeister Dr. Martin Schairer
Referat Recht, Sicherheit und Ordnung, Landeshauptstadt Stuttgart

Jeremy Smith
Generalsekretär des Rats der Gemeinden und Regionen Europas

Ulrich Bohner
Exekutivdirektor des Kongresses der Gemeinden und Regionen Europas des Europarats

Irini Ralli-Valsamaki
Abgeordnete Bürgermeisterin der Stadt Athen, Repräsentantin des Städtenetzwerks "Cities for Children"

Günter Gerstberger
Leiter des Bereichs Bildung und Erziehung bei der Robert Bosch Stiftung

Kathleen Elsig
Referentin der Global Road Safety Partnership in Genf, Expertin für Mobilität und Verkehrssicherheit

Prof. Dr. Baldo Blinkert
Professor für Soziologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Leiter des Freiburger Instituts für angewandte Sozialwissenschaften, Experte für Freiraumgestaltung und Spielflächen