Migranten machen Schule
Städtisches Projekt sucht junge Lehrerinnen und Lehrer aus anderen Kulturen
Rund 250 Fachleute aus Ministerien, Hochschulen, der Schulverwaltung sowie kommunale Vertreter trafen sich Ende Februar zur Fachtagung "Schule gestalten: Vielfalt nutzen!" im Rathaus.
Vielfalt im Klassenzimmer ist in Stuttgart längst selbstverständlich. Mehr als die Hälfte der Schüler stammen aus Zuwandererfamilien. Vielfalt auch im Lehrerzimmer zu verwirklichen, ist das Ziel des Projekts "Migranten machen Schule!", das im Sommer 2008 angelaufen ist.
Kinder aus Migrantenfamilien besuchen sehr viel häufiger Haupt- und Förderschulen als deutsche Kinder. Damit Stuttgart im internationalen Wettbewerb bestehen kann, sind ausgebildete junge Menschen wichtig, die sich durch Mehrsprachigkeit, interkulturelle Kompetenz, Innovation und Kreativität auszeichnen. Die Initiative der Stadt Stuttgart "Migranten machen Schule!" möchte daher mehr Lehrer mit Migrationshintergrund für den Schuldienst gewinnen.
Aus diesem Grund trafen sich Ende Februar rund 250 Fachleute aus Ministerien, Hochschulen, der Schulverwaltung sowie kommunale Vertreter zur Fachtagung "Schule gestalten: Vielfalt nutzen!" im Rathaus.
Nach wissenschaftlichen Fachvorträgen diskutierten die Teilnehmer in Gruppen Themen wie "Toleranz, Folklore, Neutralität: Was tun mit Wertewelten im Klassenzimmer?", "Migranten-Eltern als Bildungs- und Erziehungspartner" und "Vielfalt im Lehrerzimmer: Aspekte multikultueller Teamentwicklung".
In der abschließenden Diskussionsrunde betonten Vertreter des Kultus- und Wissenschaftsministeriums Baden-Württemberg, dass von dem Projekt "Migranten machen Schule!"positive Impulse für die Schulen und die Lehrerbildung ausgehen. Der Anteil von Studierenden und Lehramtsanwärtern mit Migrationshintergrund sei gestiegen und liege mittlerweile bei etwa 10 bis 12 Prozent. Auch sei Migrationserfahrung bei Lehrern als mögliche zusätzliche Qualifikation stärker ins Blickfeld gerückt und spiele auch bei Ausschreibungen zunehmend eine Rolle. Interkulturelle Kompetenz sei nunmehr als Pflichtbestandteil in die Ausbildung von Grundschullehrern aufgenommen worden. Die Tagungsteilnehmer begrüßten dies, forderten jedoch, dass dies für alle Lehramtsstudenten verpflichtend sein sollte.
Der Integrationsbeauftragte der Stadt, Gari Pavkovic, bedankte sich bei den Kooperationspartnern und forderte dazu auf, die Anregungen in die Praxis umzusetzen und den Ausbau kommunalstaatlicher Bildungspartnerschaften voranzutreiben.
Im Blickpunkt der Tagung stand die Präsentation einer "Beispielsammlung". Die Autoren, größtenteils Lehrer mit Migrationshintergrund, geben Tipps für den Umgang mit Migranteneltern, für die Unterrichtsgestaltung und die Lehrerbildung im interkulturellen Kontext.
Alle Stuttgarter Schulen und Hochschulen in der Region erhalten ein kostenloses Exemplar der Beispielsammlung. Interessierte können sie gegen eine Schutzgebühr von 5 Euro bei der Stabsabteilung für Integrationspolitik bestellen.
Weitere Informationen zum Projekt "Migranten machen Schule!" und zur Beispielsammlung gibt Martha Aykut, Stadt Stuttgart, Stabsabteilung für Integrationspolitik, 70161 Stuttgart, Telefon 216-76 40, E-Mail
Martha.Aykut@stuttgart.de.
Info telephone
(0711) 216-76 40