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Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember 2010: Schwerpunktthema dieses Jahr ist HIV/AIDS bei Älteren

23.11.2010 Gesundheit
Am 1. Dezember rufen Organisationen auf der ganzen Welt auf, gegen die Verbreitung der unheilbaren Krankheit zu kämpfen und Solidarität mit den Betroffenen zu zeigen. Anlässlich des Welt-AIDS-Tags informiert der Arbeitskreis AIDS Stuttgart über die aktuelle HIV/AIDS-Situation in Stuttgart und über die Lage von Menschen, die mit der Krankheit leben.

Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete für das erste Halbjahr 2010 bundesweit 1 461 Personen, bei denen eine HIV-Infektion neu diagnostiziert wurde. Landesweit waren es 154. Im Stadtkreis Stuttgart wurden im ersten Halbjahr 32 Neudiagnosen gemeldet. In Stuttgart - wie insgesamt in Deutschland und Baden-Württemberg - sind homo- und bisexuelle Männer am stärksten betroffen. Die Zahlen 2010 gleichen den Vorjahreszahlen.

War die Diagnose einer HIV-Infektion lange Zeit eine unmittelbar tödliche Bedrohung, können Betroffene heute bei rechtzeitiger Diagnose und konsequenter Therapie annährend das Lebensalter von Nicht-Infizierten erreichen. Erreicht wurde dieser Wandel durch die Entwicklung hochwirksamer, sogenannter antiretroviraler Medikamente, die seit 1996 eingesetzt werden. Durch sie verschwinden in kurzer Zeit die Viren im Blut und die Immunlage verbessert sich. Allerdings bleibt die chronische HIV-Infektion bis heute eine nicht heilbare Erkrankung.


Schutz vor Infektion und Früherkennung - in jedem Alter wichtig

Die positive Entwicklung bei der Behandlung der HIV-Infektion führt vielfach zu einer neuen Sorglosigkeit bei Sexualkontakten. AIDS hat an Schrecken verloren - sich durch Kondome zu schützen, wird als nicht mehr so dringlich erachtet. Dies ist nicht nur bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu beobachten, sondern auch bei Älteren. Das RKI verweist darauf, dass bei homo- und bisexuellen Männern mit neu festgestellter HIV-Infektion seit Jahren der Anteil der 30- bis 39-Jährigen sinkt, während der Anteil niedrigerer und höherer Altersgruppen zunimmt. Damit zeigt sich: Auf Schutz zu verzichten, ist in jedem Alter riskant.

Frühzeitige Testmöglichkeiten

Noch problematischer ist die Verbindung von hoher Risikobereitschaft und Testmüdigkeit. Wenn die Infektion voranschreiten kann, weil sie nicht frühzeitig durch einen Test erkannt wird, wird eine rechtzeitige Therapie versäumt. Diese HIV-Positiven, deren Infektion oft erst infolge einer schweren Begleiterkrankung von AIDS erkannt wird, bekommen als sogenannte "late presenter" erhebliche Probleme. Alle Infektionen und Tumore, die man längst überwunden glaubte, treten auf und können lebensbedrohlich sein. Sich testen zu lassen hilft, früh gegensteuern zu können. Wichtig hierbei: erst acht bis zwölf Wochen nach einer Infektion lassen sich Antikörper gegen das Virus nachweisen. Kostenlose und anonyme Tests bieten alle Gesundheitsämter.

Leben mit HIV/AIDS

Die dauerhafte Anwendung eines wirksamen Medikaments führt immer zu mehr oder weniger ausgeprägten Nebenwirkungen, die sich jetzt auch nach und nach bei den antiretroviralen Medikamenten herausstellen. Herzerkrankungen durch Fettstoffwechselstörungen sowie Knochenerkrankungen nehmen zu. Dennoch sind diese Medikamente ein bedeutender Fortschritt in der Behandlung der HIV-Infektion und ermöglichen vielen ein fast normales Leben. Die Deutsche AIDS-Hilfe geht davon aus, dass bundesweit zwei Drittel der HIV-Infizierten einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Doch die Angst vor Stigmatisierung ist bei HIV-Positiven oft groß, so dass die Infektion am Arbeitsplatz und oft auch im weiteren Lebensumfeld geheim gehalten wird. Dies ist für viele ein gewaltiger Kraftakt, der das Wohlbefinden einschränkt und mit fortschreitendem Alter immer schwerer zu bewerkstelligen ist.

Nicht wenige haben sich die HIV-Infektion zu einer Zeit zugezogen, als es noch keine antiretroviralen Medikamente gab und die Lebenserwartung mit HIV/AIDS gering war. Manche, die durch die Behandlung nun wieder erwerbstätig sein könnten, finden im fortgeschrittenen Alter kaum Arbeit. Wenn aufgrund der Infektion und ihrer Folgen keine Erwerbstätigkeit mehr möglich ist, stellen sich oft materielle Probleme ein. 55 Prozent der HIV-Positiven, die in den Stuttgarter AIDS-Beratungsstellen der AIDS-Hilfe und der Evangelischen Gesellschaft Unterstützung suchen, erhalten (Erwerbsunfähigkeits-)Rente, Arbeitslosengeld oder soziale Transferleistungen. Das Leben mit einer niedrigen Erwerbsunfähigkeitsrente oder mit sozialen Transferleistungen (z. B. Sozialhilfe) zwingt zu Einschränkungen und Abstrichen.

Toleranz der Gemeinschaft ist gefordert

Das Gefühl, nicht mehr dazuzugehören, kann zum Rückzug und in die die Vereinsamung führen, insbesondere wenn die Angst vor Ablehnung hinzukommt. In den AIDS-Beratungsstellen können HIV-Positive und Angehörige Beratung und Unterstützung bei der Bewältigung ihrer Probleme erhalten - in Gesprächen, Gruppenveranstaltungen oder bei Aktivitäten mit Ehrenamtlichen. Viele HIV-Positive engagieren sich selbst, beispielsweise bei Präventions- und Informationsveranstaltungen zum Thema HIV/AIDS. Sie erfahren und leben Solidarität getreu dem aktuellen Motto zum diesjährigen Welt-AIDS-Tag: "Positiv zusammen leben - aber sicher!"

Informationen zur Veranstaltung in Stuttgart: