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Der 57. Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart geht an Vito Zuraj und Héctor Moro

16.03.2012 Kultur
Der mit 8000 Euro dotierte erste Preis geht an den in Karlsruhe lebenden Komponisten Vito Zuraj. Zuraj wird für das Werk "Changeover" für Instrumental-solisten und Sinfonieorchester (2011) ausgezeichnet. Den mit 4000 Euro dotierten zweiten Preis erhält der in Radolfzell lebende Hector Moro für "Lichtzwang" (2002-2008).

Die Übergabe der Urkunden erfolgt während des Preisträgerkonzertes im Rahmen des Festivals ECLAT für Neue Musik Stuttgart (7. bis 10. Februar 2013).
An diesem Termin werden auch Moros "Lichtzwang" und Zurajs Komposition "Top Spin" für Schlagzeugtrio aufgeführt. Am 15. März 2013 folgt die Aufführung von "Changeover" durch das Radiosinfonieorchester Stuttgart im Rahmen der Konzert-reihe Attacca des SWR.
Um den 57. Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart 2012 hatten sich 20 Komponistinnen und 66 Komponisten mit insgesamt 163 Werken beworben.

"Die Werke des slowenischen Komponisten Vito Zuraj und des chilenischen Komponisten Héctor Moro sind in fast allen Belangen extrem unterschiedlich", fasst die Juryvorsitzende und Kulturamtsleiterin Susanne Laugwitz-Aulbach die Jury-entscheidung zusammen. Zurajs "Changeover" ist eine brillant gesetzte Partitur für insgesamt 114 Instrumente, von denen einige um das Publikum im Raum verteilt sind, heißt es in der Begründung. In seiner blockartigen Gesamtstruktur erfindet das Werk Klangwelten und Klangwechsel, die von großer Kennerschaft zeugen. Die Klangsprache ist spektakulär, die Dramaturgie der Komposition überraschend und die Materialbeherrschung in der Behandlung unerwarteter Geräuschsäulen und -orkane beeindruckend.

Im Gegensatz dazu schafft laut Begründung der Jury Moros "Lichtzwang" für Bassklarinette, Akkordeon und Posaune mit diesen drei Instrumenten eine Klangsensibilität vom Feinsten und überraschende Mixturen. Innerhalb der Komposition werden verschiedene Stadien durchwandert. Dabei ist jede Aktion subtil ausgehorcht und dennoch in einen dramatischen, logisch konsequenten Fortlauf eingebettet, ohne jemals dabei die expressive Komponente zu verlieren. In der Einfachheit der Mittel entfacht die Komposition eine raffinierte und zugleich klangsinnliche Aura.

"Der Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart ist Deutschlands ältester Preis für Komponisten Neuer Musik", stellt die Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Sport, Dr. Susanne Eisenmann fest. Die Landeshauptstadt Stuttgart schreibt ihn seit 1955 jährlich aus. Preisträger waren unter anderem Helmut Lachenmann, Peter Ruzicka, Aribert Reimann, Younghi Pagh-Paan und Adriana Hölszky. "Diese Namen verdeutlichen, dass die Jury über die Jahre hinweg ein gutes Gespür dafür hatte, große Talente aus der Fülle der Bewerberinnen und Bewerber herauszufiltern", betont Eisenmann. "Damals wie heute ist es das Ziel des Wettbewerbs, Kompo-nistinnen und Komponisten zu fördern und ihnen und der zeitgenössischen Musik den Weg ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu ebnen."

Mitglieder der vom Gemeinderat berufenen Jury sind Hans-Peter Jahn (Vertreter des SWR), Prof. Caspar Johannes Walter (Vertreter der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart), Dr. Eleonore Büning (Musikwissen-schaftlerin und Musikredakteurin), Andreas Dohmen (Komponist), Prof. Jörg Wid-mann (Komponist und Klarinettist), Dr. Winrich Hopp (Künstlerischer Leiter des "Musikfest Berlin" und der Reihe "Musica Viva" des Bayerischen Rundfunks), Rebecca Saunders (Komponistin) und Kulturamtsleiterin Susanne Laugwitz-Aulbach.

Die Preisträger

Vito Zuraj
Vito Zuraj, geboren am 7. Mai 1979 in Maribor, Slowenien, studierte 1997 bis 2002 Komposition und Musiktheorie bei Prof. Marko Mihevc an der Musikakademie Ljubljana, Slowenien. Das Erasmusprogramm ermöglichte ihm ein Kompositionsstudium bei Prof. Jörg Herchet an der Hochschule für Musik "Carl Maria von Weber Dresden". Nach Kompositionskursen bei Prof. Michael Jarrell (Lugano) und Prof. Lothar Voigtländer (Dresden) legte er 2004-2006 sein Solistenexamen im Fach Komposition bei Prof. Wolfgang Rihm an der Hochschule für Musik in Karlsruhe ab.

Von 2006 bis 2009 studierte Zuraj Musikinformatik bei Prof. Dr. Thomas A. Troge an der Hochschule für Musik in Karlsruhe. Zuraj erwarb Master Abschlüsse in Musik-informatik und Komposition. Seit 2007 hat er einen Lehrauftrag für Instrumenten-kunde, Instrumentation und Gregorianischen Choral an der Hochschule für Musik in Karlsruhe.
}uraj wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter die Förderpreise der Stiftskirche Stuttgart. Sein Werkverzeichnis umfasst neun Werke für Sinfonieorchester, 22 Kammermusiken, sechs Solowerke und sieben Elektro-Akustische Werke.
www.vitozuraj.com


Héctor Moro
Héctor Moro, geboren am 29. September 1965, in Calama, Chile, studierte 1983 bis 1990 Schlagzeug und Komposition an der Katholischen Universität Santiago de Chile. Nach dem Abschlussdiplom folgte 1991 bis 1994 ein Aufbaustudium Schlagzeug bei Prof. Bernhard Wulff an der Musikhochschule Freiburg. 1996 bis 2000 für Komposition bei Prof. Mathias Spahlinger und Elektronische Musik bei Prof. Mesías Maiguashca an der Staatlichen Musikhochschule in Freiburg.

Er erhielt mehrere Stipendien u. a. an der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart. Seit 1997 zudem Kompositionsaufträge vom SWR Vokalensemble, den Neuen Vocalsolisten Stuttgart und anderen.
www.moromuusik.com


Weitere Informationen unter www.stuttgart.de/kompositionspreis

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