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Der Hegel-Preis 2012 der Landeshauptstadt Stuttgart geht an Gertrude Lübbe-Wolff

29.03.2012 Kultur
Den Hegel-Preis der Landeshauptstadt Stuttgart 2012 erhält Professor Dr. Gertrude Lübbe-Wolff. Die Landeshauptstadt würdigt damit die wissenschaftliche Arbeit der Juristin, die sich in ihren Studien intensiv mit der Hegelschen Rechtsphilosophie befasst.

false Der "Hegel-Preis der Landeshauptstadt Stuttgart” wird alle drei Jahre an Persönlichkeiten verliehen, die sich um die Entwicklung der Geisteswissenschaften im weiten Sinne verdient machen oder gemacht haben. Der Preis gilt international als eine der wichtigsten philosophischen Auszeichnungen.

Unter den Preisträgern sind unter anderem Sir Ernst Gombrich, Hans-Georg Gadamer, Richard Sennett und Michael Tomasello. Der Preis wurde erstmals 1970 anlässlich Hegels 200. Geburtstag an den Altphilologen Bruno Snell vergeben.

Der Preis wird am 24. Juli um 19 Uhr im Großen Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses verliehen. Die Laudatio hält der ehemalige Verfassungsrichter Dr. Dieter Grimm.

Weitere Informationen unter www.stuttgart.de/hegelpreis


Begründung der Jury:

"Gertrude Lübbe-Wolff, die seit dem Jahr 2002 Richterin am Bundesver-fassungsgericht in Karlsruhe ist und daher ihre Professur für Öffentliches Recht an der Universität Bielefeld im Augenblick ruhen lässt, hat ihre im engeren Sinne juristische Tätigkeit stets mit einer artikulierten Bezugnahme auf die politische Philosophie Hegels verbunden.

Ihr Werk umfasst neben rechtswissenschaftlichen und rechtspolitischen Monografien eine Reihe philosophischer Studien, die sich in profunder Weise mit der Absicht, dem Aufbau und den Konsequenzen der Hegelschen Rechtsphilosophie auseinander setzen. Die Verbindung zwischen diesen beiden scheinbar weit auseinander liegenden Beschäftigungsfeldern macht das Besondere und Hervorstechende ihres intellektuellen Profils aus.

Aus ihrer Interpretation der politischen Philosophie Hegels zieht sie die Konsequenz, das öffentliche Recht vor allem mit der Aufgabe zu versehen, Gemeinwohl-orientierungen derart in institutionellen Arrangements zu verstetigen, dass bloß moralische Appelle überflüssig werden. Hierdurch vermag sie Hegels Moralitätskritik und seine Idee einer politischen Sittlichkeit, die das Individuum nicht als den abstrakten Ausgangspunkt moralischer Urteile, sondern als innerhalb von Institutionen gebildet begreift, im Rahmen des freiheitlich-demokratischen Rechtsstaates neu zur Geltung zu bringen.

In dieser rechtspolitischen Umsetzung des Hegelschen Erbes, die in die konkrete Gestaltung unseres Gemeinwesens eingreift, erblickt die Jury eine Leistung, die es aufgrund ihrer beeindruckenden Originalität, ihrer zeitdiagnostischen Hellsichtigkeit und ihrer praktischen Vernunft in besonderem Maße verdient, mit dem Hegel-Preis der Stadt Stuttgart ausgezeichnet zu werden."


Die Preisträgerin

Gertrude Lübbe-Wolff wurde am 31. Januar 1953 in Kärnten geboren. Sie studierte von 1969 bis 1977 Rechtswissenschaften in Bielefeld, Freiburg und an der Harvard Law School (LLM). 1980 erfolgte die Promotion in Freiburg, 1979 bis 1987 wissenschaftliche Assistentin an der Universität Bielefeld mit anschließender Habilitation für die Fächer öffentliches Recht, Verfassungsgeschichte der Neuzeit und Rechtsphilosophie. 1988 bis 1992 Leiterin des Umweltamtes der Stadt Bielefeld. Seit 1992 Professorin für Öffentliches Recht an der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Bielefeld. Seit April 2002 Richterin am Bundesverfassungsgericht. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder.
Sie ist Mitglied in zahlreichen Herausgebergremien von Fachzeitschriften.

Funktionen in verschiedenen Gesellschaften und Instituten unter anderem:

  • Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats des Wissenschaftskollegs zu Berlin (2003-2009)
  • Geschäftsführende Direktorin des Zentrums für interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld (1996-2002)
  • Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Instituts für Umweltrecht der Universität Bielefeld (1994-2002)

Politikberatende Funktionen in verschiedenen Gremien unter anderem:

  • Vorsitzende des Rates von Sachverständigen für Umweltfragen (2000-2002)
  • Mitglied der Jury Wissenschaftspreis des Deutschen Bundestages für Arbeiten zum Parlamentarismus (1993-2000)
  • Mitglied des Ausschusses für Rechtsfragen des Beirats für Fragen des Kernenergieausstiegs beim niedersächsischen Umweltministerium (1992-1998)
  • Mitglied der Enquete-Kommission Parlamentsreform der Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg (1992)


Auszeichnungen unter anderem:

  • Honorary Bencher, The Honourable Society of Middle Temple Inn
  • Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (2000)
Gertrude Lübbe-Wolff. Foto: Ralf Stockhoff

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