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25 Jahre Chancengleichheitspolitik in Stuttgart

16.04.2012 Aktuelles
Gleiche Chancen für Frauen im Berufsleben zu schaffen, das nahm sich die Stuttgarter Stadtverwaltung vor 25 Jahren erstmals zum Ziel.
Seitdem wurde einiges erreicht. Unter dem Motto "Von der Frauenförderung zur Abteilung für individuelle Chancengleichheit von Frauen und Männern" hat die Stadt das Jubiläum am Montag, 16. April, im Rathaus gefeiert.
Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster und der Ministerialdirektor im Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg, Jürgen Lämmle, begrüßten die Gäste.

Anschließend sprachen die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Dr. Ursula Matschke, über "25 Jahre Chancengleichheitspolitik in Stuttgart - Begriffe und Wirklichkeiten", Professorin Gertraude Krell, FU Berlin, über "Diversity - Konzept auch für die Verwaltungen?" und Professorin Cornelia Helfferich, Evangelische Hochschule Freiburg, über "Migration, Familie und Arbeit - Themen der Chancengleichheit".

Chancengleichheit ist mehr als Frauenförderung

Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster sagt zum Jubiläum: "Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte zeigen immer wieder auf, wo es ungleiche Chancen zwischen den Geschlechtern gibt. Und sie arbeiten daran, dies zu beseitigen.
Wichtig ist, das gesamte Spektrum biografischer und struktureller ‚Ungerechtigkeiten' in den Blick zu nehmen. Wir nehmen das Jubiläum als Ansporn, den Blick auf weitere, drängende Probleme zu richten - unter anderem die vielschichtige Chancenbenachteiligung von Migrantinnen oder das Armutsrisiko älterer alleinstehender Menschen."  

In der Stadtverwaltung sind fast zwei von drei Beschäftigten weiblich. Dennoch sieht Dr. Matschke immer noch ungleiche Chancen. "Bei der Stadt Stuttgart sind zwar 44 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt. Dahinter verbergen sich auch Positionen mit Personalverantwortung wie Kitaleitungen, die schlecht bezahlt sind.
Außerdem wird es immer noch ‚bestraft', wenn Frauen mit Führungspotenzial in der Familienphase aussteigen oder längere Zeit in Teilzeit arbeiten. Sie schaffen es oft nicht mehr an die Spitze."

Benachteiligungen von Frauen sieht sie beim Zugang zum Arbeitsmarkt, im beruflichen Aufstieg und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ihr Ansatz gehe aber weit über Frauenförderung hinaus. Sie folge dem Paradigma der individuellen Chancengleichheit.

Als Wegmarken der vergangenen 25 Jahre nennt Ursula Matschke verpflichtende Chancengleichheitspläne, Quotenregelungen oder Antidiskriminierungsgesetze. "Es ist auch eine Frage der Chancengleichheit, ob ein Mann die Familienphase bewusst erleben und zeitweise aussteigen darf, ohne beruflich ins Abseits zu gelangen.
"Für das gesamte Thema der Chancengleichheit gilt: Das Ganze ist mehr als seine Teile - sowohl in der Erfassung der Handlungsfelder als auch hinsichtlich der dafür Verantwortlichen und Betroffenen in Politik, Wirtschaft, Kommune. Unser Erfolg liegt zukünftig also mehr denn je in der strategischen Verknüpfung, Steuerung aller Schnittstellen und letztlich in der Leidenschaft der Handelnden", so Dr. Matschke abschließend.

Die Chronik "Frauenförderung und Gender Mainstreaming: Beispiele des Stuttgarter Weges zur Chancengleichheit in 25 Jahren" ist anlässlich des Jubiläums erschienen. Sie fasst die wesentlichen Etappen einer kommunalen Chancengleichheitspolitik von der institutionalisierten Frauenförderung bis hin zur erfolgreichen Umsetzung des Kommunalen Gender Mainstreaming als Managementkonzept zusammen.

Das Buch ist zum Preis von 63,90 Euro im epubli Verlag erschienen, zu finden unter www.epubli.de/shop/buch/Frauenförderung--und--Gender-Mainstreaming-Ursula-Matschke-9783844221169/14616