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Mobilität: Stuttgart setzt auf eine Karte

18.04.2012 Verkehr/Mobilität
Immer mehr Menschen nutzen und kombinieren- je nach Fahrzweck und Ziel - das Auto, das Fahrrad, öffentliche Verkehrsmittel oder die Angebote des car- und bikesharing: Sie denken und handeln multimodal. Diesem Trend soll ab 2013 in Stuttgart und der Region eine "Mobilitäts- und Servicekarte" gerecht werden.

Im ersten Schritt wird sie als integrierte Mobilitätskarte herausgegeben. Bis 2015 soll diese dann zu einem umfassenden Serviceportal für intermodale Mobilität, Konsum/Bezahlvorgänge, für Tourismus/städtische Dienstleistungen und Energie erweitert werden.

Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster: "Stuttgart ist und bleibt DIE Automobilstadt. Auf unseren Straßen fahren heute doppelt so viele Autos wie 1970. Statistisch hat jeder Erwachsene ein Auto zur Verfügung. Wir legen den Stuttgartern, Besuchern und Pendlern nahe, das Auto gelegentlich in der Garage zu lassen und öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Jetzt setzen wir quasi alles auf eine Karte: Wir wollen den Bürgern anbieten, zu jeder Zeit und an jedem Ort im Stadtgebiet das passende Verkehrsmittel zu nutzen. Außerdem sollen weitere Dienstleistungen ab 2015 die Karte noch attraktiver machen. Wir werden diese Angebote vernetzen und für einen einfachen Zugang sorgen."

Ab nächstem Jahr soll die integrierte Mobilitätskarte Zugang zu verschiedenen Angeboten nachhaltiger Mobilität eröffnen. Sie dient als Identifikationsmedium für JahresTicket-Nutzer in den Bahnen und Bussen im Verbundgebiet und soll unter anderem Zugang bieten zu

  • "Call a bike", dem Fahrradverleihsystem der Deutschen Bahn mit konventionellen und elektrischen Fahrrädern ("e-Call a Bike", Pedelecs), das von DB Rent in Kooperation mit der Landeshauptstadt betrieben wird,
  • "Flinkster" dem Carsharing-System der Deutschen Bahn, das in der Landeshauptstadt mit konventionellen und elektrischen Autos ("e-Flinkster") betrieben wird,
  • dem System "car2go", das von Daimler in der zweiten Jahreshälfte mit elektrisch angetriebenen smart fortwo Fahrzeugen in Stuttgart und der Region aufgebaut wird.

Der Ansatz ist offen für weitere Anbieter und weitere Mobilitätsdienstleistungen (zum Beispiel das Laden von Elektroautos oder das Entrichten der Parkgebühren). Ziel ist es, den Umweltverbund zu stärken, also den Anteil von Nahverkehr, Fahrrad und Fußwegen und auch elektromobiler Fahrzeuge unter den Verkehrsmitteln zu steigern.

Bis 2015 soll die Mobilitätskarte nach und nach zu einem umfassenden Serviceportal für die Region Stuttgart ausgebaut werden. Angedacht sind hierbei die Einbindung einer Bezahlfunktion und eines Bonusprogrammes für den örtlichen Einzelhandel. Daneben soll "Stuttgart Services" den Zugang zu kommunalen Dienstleistungen, beispielsweise bei Bibliotheken, Bädern und im Tourismusbereich ermöglichen. Ein weiteres Beispiel liefert der Energiesektor im Zusammenhang mit den Stadtwerken Stuttgart.  

Das Konsortium

Eine Projektgruppe unter der Leitung der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) entwickelte das Konzept und untersuchte die Machbarkeit. SSB-Vorstand Jörn Meier-Berberich: "Für die SSB sind die Mobilitätsfunktionen dieser Karte und deren intelligente Vernetzung mit weiteren Dienstleistungskomponenten im Bereich städtischer Services, Tourismus/Bezahlfunktion und Konsum der Schlüssel für eine neue zukünftige Mobilität einer Stadt, die geänderte Anforderungen und Wünsche der Bürger an nachhaltiger Mobilität erfüllen soll. Der mit der Karte verbundene zusätzliche Kundennutzen wird bei der Einführung helfen, weitere Kunden vom Nachhaltigkeitsverbund zu überzeugen und damit auch den Nahverkehr stärken." Durch die Nutzung des Mediums für andere Dienstleistungen sollen künftig auch Nicht-ÖPNV-Nutzer den Zugang zum ÖPNV bereits "in der Tasche" haben. Die SSB als Nahverkehrsbetrieb sieht es deshalb als Herausforderung und Aufgabe, hier als Impulsgeber und Motor für neue Formen und Abläufe bei der Mobilität mitzuwirken.  

"Wir freuen uns mit den Produkten der Deutschen Bahn "Call a Bike" und "Flinkster", als Kooperationspartner, bei diesem spannenden Projekt mitwirken zu können. Was vor zehn Jahren beim Start von Verkehrsexperten belächelt wurde, ist heute als umweltfreundliches Mobilitätsangebot aus dem öffentlichen Personenverkehr nicht mehr wegzudenken. Und hierzu tragen wir gern auch in Stuttgart bei." so Rolf Lübke, Geschäftsführer DB Rent GmbH.

"Bosch arbeitet aktuell an der Errichtung von verschiedenen E-Mobilitätskonzepten, unter anderem auch für Stuttgart. Dabei geht es vor allem um Plattformen, die es verschiedenen kommerziellen Teilnehmern ermöglicht, ihre Geschäftsmodelle miteinander zu verbinden, beispielsweise über Abrechnungssysteme für den Energieverbrauch von Elektrofahrzeugen. Dazu passt das Projekt Smart Mobility Card optimal", so Klaus Hüftle, Geschäftsführer Sales und Marketing bei der Bosch Software Innovations GmbH.

Außer der Landeshauptstadt Stuttgart, den Mobilitätsdienstleistern SSB, VVS, Deutsche Bahn und Daimler haben auch Institutionen wie die BW-Bank, die City-Initiative Stuttgart, Stuttgart Regio Marketing, die Parkraumgesellschaft Baden-Württemberg sowie Industriepartner wie EnBW, Bosch und das Softwareunternehmen HighQ mitgewirkt. "Stuttgart Services" ist Leitprojekt im Bereich Intermodalität innerhalb des LivingLab BW e-Mobil des Landes Baden-Württemberg, welches von der Bundesregierung von 2013 bis 2015 insgesamt mit 180 Millionen Euro als Schaufenster Elektromobilität gefördert wird.

Die nächsten Schritte

Die Empfehlung der Projektgruppe war, zunächst mit der Mobilität als Kerndienstleistung zu beginnen und die Karte dann sukzessive mit weiteren Funktionalitäten auszustatten. Zu einem späteren Zeitpunkt soll die Mobilitätskarte auch das elektronische Ticketing für den öffentlichen Personennahverkehr enthalten. Zudem soll sie um weitere Nutzermedien, wie etwa Smartphones, erweitert werden. Im ersten Schritt wird für den ÖPNV noch die heutige Wertmarke zur Identifikation bei der Fahrausweiskontrolle ausgegeben.

Die Partner im Bereich der Mobilitätsdienstleistungen Deutsche Bahn, car2go, VVS und SSB werden in den nächsten Monaten die tariflichen und vertrieblichen Details regeln. Insbesondere wird die Technik entwickelt, die die Integration des Kundenzugangs auf einer Karte ermöglicht.

Fest steht schon jetzt, dass die rund 150.000 JahresTicket-Kunden des VVS einen vereinfachten Zugang zu einem umfassenden Mobilitätsangebot erhalten sollen - und außerdem auf Wunsch des Gemeinderats der Landeshauptstadt auch günstigere Konditionen in Form von Freiminuten oder ermäßigten Tarifen bei den ÖPNV ergänzenden Mobilitätsangeboten wie Call a Bike, Flinkster oder car2go. "Die Mobilitätskarte kann deutlich mehr als der heutige Verbundpass. Sie ist der Schlüssel für vielfältige Formen nachhaltiger Mobilität", meinte VVS-Geschäftsführer Horst Stammler.

Der Projektname

Stuttgart Services ist der Arbeitstitel für die intelligente Vernetzung der Bereiche intermodale Mobilität, Konsum/Bezahlfunktion, Tourismus/städtische Dienstleistungen und den Energiesektor. Mitte des Jahres soll in einem Wettbewerb der Markenauftritt für die Mobilitätskarte ab 2013 und das spätere Serviceportal geklärt werden.

OB Schuster präsentiert MobilitätskarteVergrößern
OB Schuster präsentiert Mobilitätskarte. Foto: Stadt Stuttgart

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