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Unter den Rosenstein, über den Brenner - Stadtarchiv Stuttgart würdigt den Eisenbahnpionier Carl von Etzel zum 200. Geburtstag mit einer Ausstellung

23.04.2012 Verkehr/Mobilität

Der erste Stuttgarter Bahnhof, der Albaufstieg bei Geislingen, der erste Rosensteintunnel, die Eisenbahnstrecke über den Brenner - alle diese Pioniertaten des Eisenbahnbaus stammen von Carl von Etzel. Ihm ist die neue Ausstellung "Carl von Etzel und die Anfänge der Eisenbahn in Württemberg" im Stadtarchiv Stuttgart gewidmet, die am 26. April öffnet.



Carl von Etzel (1812 - 1865) war ein international renommierter Eisenbahnplaner - heute dagegen ist er nur noch Wenigen bekannt. Anlässlich seines 200. Geburtstags präsentiert das Stadtarchiv Stuttgart vom 26. April bis 12. September eine Ausstellung über den Stuttgarter Eisenbahnpionier. Dr. Roland Müller, Direktor des Stadtarchivs: "Es handelt sich offenkundig um die erste Ausstellung, die dieser Persönlichkeit und ihrem Wirken von europäischen Dimensionen gewidmet ist."

Die Ausstellung zeigt anhand von Werken aus den verschiedenen Arbeitsbereichen und Schaffensphasen die Bandbreite seiner Tätigkeit - mit einem Schwerpunkt zur Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahn.

Die Idee zu der Ausstellung hatte der frühere Technische Referent der Stadt Stuttgart, Hartwig Beiche, der auch bei der Umsetzung beriet. Inken Gaukel kuratierte und gestaltete die Ausstellung, die Gesamtleitung hatte Roland Müller.

Person und Werk

Carl von Etzel wurde am 6. Januar 1812 als Sohn des Stuttgarter Stadtplaners und Erbauers der Neuen Weinsteige Eberhard von Etzel geboren. Bald nach seiner Ausbildung zum Architekten an der Stuttgarter Gewerbeschule, einem Vorläufer der Polytechnischen Hochschule, ging Etzel nach Paris, wo er sich mit der Aufgabe der Planung von Bahnstrecken und zugehörigen Bauwerke befasste; regelmäßig publizierte er unter anderem über Eisenbahnbau.

Nach einem kurzen Aufenthalt 1839 in Stuttgart, den er für erste Überlegungen zur "Nothwendigkeit und Ausführbarkeit einer Eisenbahn durch Württemberg" nutzte, arbeitete Etzel in Wien. Er plante dort Wohnhäuser und machte sich mit der Winterschwimmhalle des Dianabades einen Namen.

Schon bald hatte er wieder Gelegenheit, sich mit Eisenbahnstrecken zu befassen. Er war am Bau der Wien - Gloggnitzer Bahn beteiligt, außerdem verfasste er ein Gutachten für die Strecke Mailand - Monza.

1843 ereilte Etzel für die Planung des Streckennetzes der Kgl. Württembergische Staats-Eisenbahn ein Ruf aus der Heimat. Er war mit dem Bau der "Nordbahn" nach Heilbronn betraut. Davon zeugen heute noch unter anderem der erste Stuttgarter Bahnhof und der erste Heilbronner Bahnhof sowie das Enzviadukt.

Nicht zuletzt entwarf Etzel den ersten Rosensteintunnel, eine riskante Bauaufgabe unter dem 1829 fertig gestellten Königlichen Landhaus, dem Schloss Rosenstein. Mit der Planung für die Geislinger Steige schließlich avancierte er zum europaweit gefragten Spezialisten für topographisch schwierige Strecken.

Nach einer Tätigkeit zwischen 1853 und 1857 als Oberster Bauleiter der Schweizer Centralbahn wechselte Etzel erneut nach Wien. Als Direktor der K. K. privilegierten Kaiser Franz-Joseph-Orientbahngesellschaft, der späteren Südbahngesellschaft, plante er seine wohl berühmteste Eisenbahnstrecke: die Brennerbahn. Ihre Eröffnung 1867 erlebte er jedoch nicht mehr. Er musste wegen eines Schlaganfalls seine Tätigkeit zu beenden.

Carl von Etzel starb am 2. Mai 1865 auf der Heimreise nach Stuttgart. Das Material für sein Grabmal auf dem Pragfriedhof stammt zum Teil vom Brenner.

Daten zur Ausstellung

Dauer: 26. April bis 12. September 2012
Ort: Stadtarchiv Stuttgart, Bellingweg 21, 70372 Stuttgart in Bad Cannstatt. Erreichbar unter anderem mit der S1, S2 und S3 Haltstelle Bahnhof Bad Cannstatt oder mit Bus 56 Haltestelle Veielbrunnenweg.
Öffnungszeiten: montags 9 bis 13 Uhr, dienstags, donnerstags, freitags von 9 bis 16 Uhr, mittwochs 9 bis 18 Uhr.

Begleitprogramm

Zu der Ausstellung " Carl von Etzel und die Anfänge der Eisenbahn in Württemberg" gibt es ein Begleitprogramm mit kostenlosen Vorträgen, offenen Führungen und Spaziergängen auf Etzels Spuren. Letztere kosten 6 Euro, eine Anmeldung ist nötig, da die Teilnehmerzahl begrenzt ist.

Weitere Informationen zur Ausstellung, zu Carl von Etzel und zum Begleitprogramm gibt es unter unter www.stuttgart.de/stadtarchiv sowie in dem zur Ausstellung erschienen ausführlichen Faltblatt. Es ist unter anderem an der Infothek im Rathaus und den Stadtteilbüchereien zu bekommen.

Vortragsreihe
Stadtarchiv Stuttgart, Vortragssaal, jeweils mittwochs 18 Uhr, Eintritt frei:

  • 9. Mai: Dietrich Moser von Filseck (Ur-Ur-Ur-Enkel von Etzel): "Carl von Etzel, ein genialer württembergischer Eisenbahnbauer und Architekt - Biographische Betrachtungen aus Anlass seines 200. Geburtstages"
  • 23. Mai: Dr. Andreas Räntzsch: "Carl von Etzel im technikgeschichtlichen Umfeld des Eisenbahnbaus um 1845"
  • 13. Juni: Prof. Dr. Reinhold Bauer: "Dem Fortschritt eine Bahn - Eisenbahn und Industrialisierung" 4. Juli: Prof. Dipl.-Ing. Hartwig Beiche: "Tunnel, Brücken, Viadukte - Die bedeutenden Ingenieurbauwerke Carl von Etzels in Württemberg, der Schweiz und Österreich". Carl von Etzel im technikgeschichtlichen Umfeld des Eisenbahnbaus um 1845

Offene Führungen


Mittwochs 16 Uhr, Treffpunkt im Foyer des Stadtarchivs, Eintritt frei: 16. Mai, 27. Juni, 18. Juli, 8. August.

Spaziergänge auf den Spuren Carl von Etzels

Die Kosten betragen 6 Euro, Anmeldung erforderlich per E-Mail unter carl-von-etzel-spaziergang@gmx.de.

Spaziergang 1
Samstag, 16. Juni, 15 Uhr: Die Anfänge der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahn, mit Hermann Gökeler und Hartwig Beiche

Spaziergang 2
Sonntag, 15. Juli, 15 Uhr: Jenseits von Mineralquellen und Automobilen: Quer durch Cannstatt auf den Spuren des württembergischen Eisenbahnpioniers Carl von Etzel, mit Dr. Alexandra Birkert.



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