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Erste Gemeinschaftsgrabanlage auf dem Hauptfriedhof Bad Cannstatt

26.07.2012 Aktuelles
Auf dem Hauptfriedhof Bad Cannstatt hat der Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamtes, Volker Schirner, am Donnerstag, 26. Juli, die erste Stuttgarter Gemeinschaftsgrabanlage präsentiert.
Zusammen mit Knut Mergenthaler, dem Vorstandsvorsitzenden der Genossenschaft Württembergischer Friedhofsgärtner, und Gustav Treulieb, geschäftsführender Vorstand  der "Netzwerkstein" Steinmetz und Bildhauer Genossenschaft, stellte er das Konzept der einheitlich gestalteten Grabfelder in der Abteilung 90 des Hauptfriedhofs vor.

Gemeinschaftsgrabanlagen sind einheitlich gestaltete Grabfelder, die mehreren Erd- oder Urnengräbern Platz bieten. Gärtnerische Pflege sowie Pflege des Grabsteins, die Gewährleistung der Verkehrssicherheit und die Abräumung des Grabes nach Ablauf der Nutzungszeit wird von den Betrieben des Steinmetz- und Friedhofsgärtnerhandwerks übernommen. "Die Friedhofskultur unserer Zeit hat sich geändert. Traditionelle Familienstrukturen lösen sich zunehmend auf, und die Bevölkerung wird mobiler. Dadurch wird es schwieriger, die Gräber verstorbener Angehöriger zu pflegen", fasst Amtsleiter Volker Schirner zusammen. "Gleichzeitig wünschen sich viele Menschen ein gepflegtes, würdiges Grab und ansprechend gestaltete Friedhöfe", so Schirner weiter.

Bei der Gemeinschaftsgrabanlage entfällt für die Angehörigen der Pflegeaufwand des Grabes. Zudem sind die Gesamtkosten für eine Grabstelle in einer Gemeinschaftsgrabanlage in der Regel günstiger als bei traditionellen Einzelgräbern. Diese müssen von den Hinterbliebenen selbst oder über einen separaten Pflegevertrag gepflegt werden.

Die Gemeinschaftsgrabanlage in der Abteilung 90 des Hauptfriedhofs Bad Cannstatt ist für Erdgräber, also Bestattungen im Sarg, konzipiert. Sie umfasst bisher 20 Wahlgräber und 24 Reihengräber und kann um 30 Wahlgräber erweitert werden. Die Kosten für die Anlage belaufen sich auf gut 82 000 Euro.

Eine Urnengemeinschaftsgrabanlage ist auf dem Hauptfriedhof ebenfalls geplant und befindet sich in Bau.

In den letzten Jahren entschieden sich bundesweit immer mehr Menschen gegen ein traditionelles Einzelgrab und für günstige und anonyme Gräber oder eine alternative Bestattungsform wie etwa eine Friedwaldbeisetzung oder Ascheausstreuungen. Auf den Friedhöfen sinken dadurch die Gebühreneinnahmen, und gleichzeitig entstehen nicht mehr benötigte Freiflächen, die weiterhin Pflegekosten verursachen. Von dieser Entwicklung sind neben den Kommunen hauptsächlich die am Friedhof tätigen Gewerbe, hauptsächlich Steinmetze und Friedhofsgärtner, betroffen. "Natürlich spielen auch wirtschaftliche Interessen eine Rolle, aber die Bewahrung ansprechender Friedhöfe und letztendlich auch der Erhalt unserer Friedhofskultur ist eine unserer vornehmsten Aufgaben", sagt der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft Württembergischer Friedhofsgärtner, Knut Mergenthaler. Gustav Treulieb, geschäftsführender Vorstand der Steinmetz- und Bildhauergenossenschaft, fügt hinzu: "Alle am Friedhof tätigen Gewerke müssen für die sich ändernden Bedürfnisse von Hinterbliebenen neue Angebote entwickeln und anbieten. Nur so werden Friedhöfe mit ihren gewachsenen Strukturen langfristig bestehen bleiben und einen geschützten Raum für Trauer und Totengedenken bieten können." Treulieb weiter: "Ein Grab in einer Gemeinschaftsgrabanlage ist kostengünstig und entlastet Angehörige von der Pflege. Im Gegensatz zu etwa anonymen Gräbern werden die Namen der Verstorbenen in der Gemeinschaftsgrabanlage auf Einzelgrabsteinen genannt. Damit werden wir dem Bedürfnis der Trauernden nach einem persönlichen Ort der Erinnerung gerecht."

Volker Schirner betonte die gute Zusammenarbeit zwischen Friedhofsgewerken und -verwaltung: "Wir waren uns einig, dass alles getan werden muss, um unsere Friedhöfe auch für künftige Generationen zu erhalten: Als Ort der Besinnung und Trauer für die Hinterbliebenen, aber auch als würdige und würdevolle letzte Ruhestätte unserer Toten. Mit der ersten gemeinsam verwirklichten Gemeinschaftsgrabanlage sind wir auf diesem Weg einen wichtigen Schritt vorangekommen."