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Erfolgsgeschichte: Stadtbibliothek ein Jahr im Neubau am Mailänder Platz

23.10.2012 Kultur
Vor genau einem Jahr wurde die Stadtbibliothek am Mailänder Platz feierlich eröffnet. Seitdem sind die Nutzer- und Ausleihzahlen deutlich angestiegen. Die Architektur stößt international auf Resonanz. Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster, Bürgermeister Dirk Thürnau, Bibliotheksdirektorin Ingrid Bussmann und die Leiterin des neuen Hauses und stellvertretende Bibliotheksdirektorin, Christine Brunner, zogen jetzt in einer Pressekonferenz ein positives Fazit und werteten das erste Jahr im Neubau als eine Erfolgsgeschichte. "50 Prozent mehr Neuanmeldungen als in den Vorjahren zeigen, dass die neue Bibliothek von den Bürgern sehr gut angenommen wird. Die Ausleihzahlen sind gegenüber dem Vorjahr um 33 Prozent gestiegen, die angestrebte Besucherzahl ist mit einer Million fast erreicht", hob Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster hervor. Zugleich betonte er: "Mir war es wichtig, in dem zukünftigen an den Bahnhof angrenzenden Europaviertel eine neue Stadtbibliothek als geistiges und kulturelles Zentrum des Quartiers zu bauen. Dass die neue Stadtbibliothek schon nach wenigen Monaten diese Rolle mit Erfolg übernehmen konnte und dass dieser Erfolg auch anhält, darüber bin ich sehr froh."

Großes Interesse am Neubau

Die formale Strenge des Gebäudes hat in der Anfangsphase viele Diskussionen ausgelöst. "Je mehr sich die Besucher allerdings mit der architektonischen Idee des Hauses vertraut machen, desto mehr ist die Begeisterung gewachsen", so Bibliotheksdirektorin Ingrid Bussmann.
Die Stadtbibliothek hat im ersten Jahr rund 600 Führungen für Erwachsene und
230 Führungen für Kinder und Jugendliche angeboten. Insgesamt sind
30 000 Personen durch das Haus geführt worden, darunter Gäste aus Österreich, aus der Schweiz, aus Frankreich, den Niederlanden, aus Russland, aus Schweden, Japan, Korea und den USA.
"Spätestens wenn ich das achte Obergeschoss erreiche und den großartigen Blick in den Galeriesaal präsentiere, sind auch die Skeptiker beeindruckt. 98 Prozent der Besucher verlassen das Haus begeistert", sagte Ingrid Bussmann.
Die Architektur hat bislang über 200 professionelle Fotografen inspiriert. Der Galeriesaal gehört zu den am häufigsten fotografierten Motiven. Auch Mode-, Werbe-, oder Hochzeitsfotos werden hier häufig gemacht. Außerdem wurden in der Bibliothek sowie im Außenbereich drei Filme gedreht, darunter ein Stuttgarter Tatort.
Die Botschaft, die Architekt Eun Young Yi mit dem Haus vermittelt, ist in der internationalen Architekturdiskussion aufgegriffen worden. Die Resonanz in der Fachpresse ist positiv. In bibliothekarischen Fachkreisen gilt die Stuttgarter Bibliothek als vorbildliches Beispiel für eine Bibliothek der Zukunft.
Das Gebäude erhielt bereits im ersten Jahr eine Reihe von Auszeichnungen: Unter anderem zählt die Webseite www.flavorwire.com den Neubau zu den 25 schönsten Bibliotheken der Welt. Die Inneneinrichtung der Stadtbücherei gelangte im April in die Auswahl beim AIT-Award. Der Preis, der von der Architekturzeitschrift AIT initiiert wurde, zeichnet weltweit die besten Architektur- und Innenraumprojekte aus.
Auf der Webseite http://www.cnngo.com wird dem Haus bescheinigt, zu den sieben "coolsten Bibliotheken" der Welt zu gehören.

Herausforderungen

Im täglichen Betrieb wurde rasch klar, dass Optimierungen erforderlich sind: So stellte sich bereits nach wenigen Tagen heraus, dass der ursprünglich vorgesehene und aus Budgetgründen nicht realisierte dritte Aufzug dringend benötigt wird. Die automatischen Drehflügeltüranlagen mussten teilweise auf Handbetrieb umgestellt werden, da es Probleme beim Schließen und Öffnen gibt.
"Zu den Herausforderungen des ersten Jahres zählten daher die erforderlichen Nachbesserungen im Bereich Bau und Gebäudetechnik", erläuterte Bürgermeister Dirk Thürnau. Mit dem Einbau des dritten Aufzugs habe sich die Situation inzwischen deutlich verbessert. Eine Ansage der Stockwerke im Aufzug werde gerade geschaltet, so Thürnau.
Im Erdgeschoss waren ursprünglich vier gleichwertige Eingänge vorgesehen, allerdings hat sich inzwischen gezeigt, dass der Westeingang Richtung Türlenstraße als Haupteingang genutzt wird. "Dort soll die Drehflügeltüranlage nun durch eine Schiebetür ersetzt werden", kündigte Thürnau an. Die fehlenden Wartungsverträge wurden inzwischen abgeschlossen.
Der Brunnen im "Herz" wurde optimiert und strahlt jetzt in blauem Licht.
Bürgermeister Thürnau geht davon aus, dass die meisten baulichen Änderungen in den nächsten Monaten umgesetzt sein werden.

Von Anfang an Lernort und Treffpunkt

"Die Bibliothek erfüllt voll und ganz ihr Ziel, zur Chancengerechtigkeit beizutragen und jedermann den Zugang zu Informationen in allen medialen Formen zu ermöglichen", unterstrich die stellvertretende Bibliotheksdirektorin, Christine Brunner.
Schüler, Auszubildende und Studenten haben die Bibliothek von Anfang an als Lernort in Besitz genommen. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich die mobilen internetfähigen Laptops und Netbooks zur Nutzung in der Bibliothek. Die Gruppenräume sind fast immer belegt.
Die Kinderbibliothek ist zu einem Treffpunkt junger Familien geworden, die ihren Kindern vorlesen, in Büchern und Medien stöbern und den Aufenthalt genießen.
Viele Besucher trinken gerne eine Tasse Kaffee in der LesBar oder beobachten das Treiben im Galeriesaal. Insgesamt hat das Café LesBar im zurückliegenden Jahr
70 000 Gäste bewirtet.
Auch Menschen mit Handicap nutzen die Bibliothek häufiger als früher. Sie finden immer entgegenkommende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihnen behilflich sind. Für Sehbehinderte bietet die Bibliothek ein besonderes Lesegerät und einen speziell ausgerüsteten PC an.
Die langen Öffnungszeiten von 9 bis 21 Uhr an sechs Wochentagen ermöglichen auch Berufstätigen, den Service und die Beratung zu nutzen.
Um dies zu realisieren, erfolgt die Ausleihe und die Rückgabe in Selbstbedienung. Besonders faszinierend für die großen und kleinen Besucher ist die Sortieranlage mit ihren 70 blauen Wägelchen, die alle zurückgegebenen Medien auf die Ebene transportieren, auf die sie gehören. Durchschnittlich 3600 Transporte pro Tag erfolgen über die weltweit erste vertikale Buchsortieranlage.
Die Unterstützung des Freundeskreises, der auf Initiative der Leiterin des Stuttgarter Kulturamtes, Susanne Laugwitz-Aulbach, unter Vorsitz von Professor Berthold Leibinger gegründet wurde, hat ebenfalls zum Erfolg des Hauses beigetragen.

Jede Menge Veranstaltungen

Die Stadtbibliothek ist mit dem Ziel angetreten, als kultureller Ort zum gesellschaftlichen Diskurs beizutragen. Das haben bislang
142 Abendveranstaltungen mit Literaten, Wissenschaftlern, Experten und Künstlern ermöglicht. Hinzu kommen neue Veranstaltungsformate, insgesamt
50 Expertengespräche und Workshops zu Fragen der digitalen Entwicklungen, Beratung rund um den PC, Beratungsangebote zum Sprachenlernen, zur beruflichen Bildung, zu E-Learning und E-Books.
Neben den bibliothekspädagogischen Programmen wurden über
100 Veranstaltungen zur Leseförderung und Medienkompetenz für Kinder und Jugendliche angeboten.
Die bestehenden Kooperationsnetze mit dem Schriftstellerhaus, den ausländischen Kulturinstituten, vielen Kulturvereinen, dem Forum der Kulturen, dem Förderkreis baden-württembergischer Schriftsteller, der Landeszentrale für politische Bildung, der DVA-Stiftung in der Robert Bosch Stiftung und vielen anderen wurden weitergeführt.
Neue Schwerpunkte entstanden in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Zentrum für Kultur- und Technikforschung der Universität Stuttgart mit Themen zur Zukunftsentwicklung unserer Gesellschaft und mit der Akademie für das Gesprochene Wort mit der Reihe "Vorbilder - Außenseiter" und "Wortbegegnungen".
Die Stadtbibliothek hat mit Lesungen junger Autoren, die auf den Bildschirmen im Erdgeschoss präsentiert werden, ein neues Format kreiert und leistet damit einen weiteren Beitrag zur Literaturförderung.
Die Stadtbibliothek evaluiert regelmäßig ihre Angebote und Konzepte und prüft auch alle kritischen Stimmen, die eingegangen sind, als Grundlage für die Zielplanung des Folgejahres. Aber schon jetzt lässt sich feststellen: Die Konzeption der Bibliothek als innovativer Ort des lebenslangen Lernens und als Ort der Begegnung geht auf und trägt in die Zukunft.