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Vortrag über Gewalt in der häuslichen Pflege

19.11.2012 Soziales
Zum Internationalen Gedenktag für die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November hält Professor Dr. Dr. Rolf D. Hirsch, Vorsitzender des Vereins "Handeln statt Misshandeln - Bonner Initiative gegen Gewalt im Alter" am Dienstag, 27. November, um 18 Uhr im Großen Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses einen Vortrag.

Thema ist "Gewalt und Misshandlung in der Pflege: Nur Überforderung?". Er informiert über Hintergründe, Ursachen und Bedingungen von Gewalt in Pflegebeziehungen und stellt Entlastungs- und Hilfemöglichkeiten vor.

Am gleichen Tag findet im Rathaus die Fachkonferenz "Gewalt in der häuslichen Pflege" statt. Führungskräfte in der Pflege sollen für Anzeichen von Gewalt in der häuslichen Pflege sensibilisiert und ermutigt werden. Sie sollen erfahren, wie sie angemessen und klar auf diese oftmals komplexen und vielschichtigen Herausforderungen als Vorgesetzte und Dienstleister reagieren können.

Seit 2001 koordiniert die Gleichstellungsstelle der Stadt die Stuttgarter Ordnungspartnerschaft gegen häusliche Gewalt. 2011 kam es stadtweit zu 548 Polizeieinsätzen und 230 Platzverweisen. Meist sind es die Männer, die bis zu 14 Tage aus der gemeinsamen Wohnung verwiesen werden. In einem abgestimmten Verfahren werden Beratungs- und Therapiehilfen für alle Beteiligten, Opfer, Täter und Kinder angeboten. "Die Täterarbeit wird sehr gut angenommen, wenn auch oft nur durch Auflagen der Staatsanwaltschaft. Die Rückfallquote ist gering", sagt die Gleichstellungsbeauftragte Ursula Matschke.

Seit 2001 werden die Angebote für Opfer und Täter weiter entwickelt und differenziert. "Viele Paare bleiben in einem komplexen Gewaltgeflecht jahrelang zusammen. Es ist wichtig, dass sie lernen, während der eigenen Kindheit erlebte Verhaltensmuster zu durchbrechen. Unser ‚Fairstreit-Training' ermöglicht Frauen und Männern nach einer intensiven Beratungs- und Therapiephase, eine gewaltfreie Streitkultur zu lernen", so Matschke.

Dank einer großzügigen Förderung der Robert Bosch Stiftung und einer Spende der psd-Bank kann nun ein neuer Weg beschritten werden: eine koordinierte Präventionsarbeit für Kinder und Jugendliche, die zu Hause Gewalt zwischen den Eltern erleben müssen und dabei selbst immer stiller werden. "Wir wollen alle erfahrenen Kräfte in den unterschiedlichen Institutionen an einen Tisch holen, eine Bestandsaufnahme machen, was es gibt, was erfolgreich ist und was neu entwickelt werden muss. Wenn die Statistik stimmt, dass Opfer und Täter häuslicher Gewalt dies zu fast einhundert Prozent selbst in der Kindheit erlebt haben, ist umfassende und vielschichtige Präventionsarbeit der richtige Weg", so die Gleichstellungsbeauftragte.