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Erste Urnen-Gemeinschaftsgrabanlage in Stuttgart vorgestellt

26.06.2013 Aktuelles
Volker Schirner, Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamtes, Eberhard Kloth, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft Württembergischer Friedhofsgärtner eG, sowie der geschäftsführende Vorstand der Netzwerkstein Steinmetz + Bildhauer Genossenschaft eG, Gustav Treulieb, haben am Mittwoch, 26. Juni, auf dem Hauptfriedhof in Bad Cannstatt die erste Urnengemeinschaftsgrabanlage Stuttgarts vorgestellt.

Grabkultur ändert sich

Damit reagieren die am Friedhof tätigen Gewerke und die Stadt Stuttgart auf die tiefgreifenden Veränderungen in Gesellschaft, Demographie und Grabkultur. "Individualismus, Pluralismus, Mobilität und Multireligiosität sind Entwicklungen, welche die Friedhofsverwaltungen, aber auch Steinmetze und Friedhofsgärtner heute vor zahlreiche neue Herausforderungen stellen", sind sich Schirner, Kloth und Treulieb einig.

"Traditionelle Familienstrukturen lösen sich zunehmend auf, die Bevölkerung wird immer mobiler: Dadurch wird es immer schwieriger, die Gräber verstorbener Angehöriger zu pflegen", erläuterte Schirner ein Dilemma, vor dem immer mehr Angehörige stehen. "Gleichzeitig wünschen sich viele Menschen ein gepflegtes, würdiges Grab und ansprechend gestaltete Friedhöfe."


Immer weniger Menschen wollen ein traditionelles Einzelgrab

In den letzten Jahren ist in Stuttgart, aber auch bundesweit ein Trend weg vom traditionellen Einzelgrab und hin zu günstigen und anonymen Gräbern oder gleich zu alternativen Bestattungsformen wie Friedwaldbeisetzungen, Ascheausstreuungen auf Almwiesen in der Schweiz und ähnlichen Angeboten festzustellen. Dies führt bei den Friedhöfen zu sinkenden Gebühreneinnahmen, während gleichzeitig nicht mehr benötigte, aber weiterhin Pflegekosten verursachende Freiflächen entstehen.

Doch nicht nur die Kommunen als Friedhofsträger sind von dieser Entwicklung betroffen, sondern auch die am Friedhof tätigen Gewerke, hauptsächlich Friedhofsgärtner und Steinmetze. "Neben den wirtschaftlichen Interessen, die Friedhofsgärtner am Friedhof natürlich auch verfolgen, ist die Bewahrung ansprechender Friedhöfe und damit letztendlich der Erhalt unserer Friedhofskultur eine unserer vornehmsten Aufgaben", so Eberhard Kloth. "Gleichzeitig tragen wir mit solchen Angeboten dem Wunsch vieler Menschen Rechnung, die letzte Ruhestätte ihrer Angehörigen oder auch die eigene gut versorgt und gepflegt zu wissen und einen Ort der Erinnerung zu schaffen."

"Alle am Friedhof tätigen Gewerke müssen für die sich ändernden Bedürfnisse von Hinterbliebenen neue Angebote entwickeln und anbieten", erläutert Gustav Treulieb. "Nur so werden Friedhöfe mit ihren gewachsenen Strukturen, die einen geschützten Raum für Trauer und Totengedenken bieten, langfristig bestehen bleiben können. Ein Grab in einer Gemeinschaftsgrabanlage ist kostengünstig und entlastet die Angehörigen von der Pflege. Im Gegensatz zu anonymen Gräbern werden die Namen der Verstorbenen in der Gemeinschaftsgrabanlage auf Einzelgrabsteinen genannt. Damit werden wir dem Bedürfnis der Trauernden nach einem persönlichen Ort der Erinnerung gerecht."

Gemeinschaftsgrabanlagen sind einheitlich gestaltete Grabfelder

Gemeinschaftsgrabanlagen sind einheitlich gestaltete Grabfelder, die Platz für eine gewisse Anzahl an Erd- oder Urnengräbern bieten. In der nun fertig gestellten Gemeinschaftsgrabanlage werden sogenannte "Alles-inklusiv-Gräber" angeboten. Die Anlage ist bereits fertig bepflanzt und mit Grabmalen versehen. Interessenten können sich dort sowohl für ein Urnenwahlgrab als auch für ein Urnenreihengrab entscheiden. Dabei sind während der gesamten Laufzeit die gärtnerische Pflege sowie die Pflege des Grabsteins, die Gewährleistung der Verkehrssicherheit und die Abräumung des Grabes nach Ablauf der Nutzungszeit durch qualifizierte Friedhofsgärtner- und Steinmetzbetriebe gesichert. Damit entfällt für die Angehörigen der Pflegeaufwand, der für viele Menschen ein Problem ist.

Der Erwerb eines Urnengrabes ist mit dem Abschluss eines Dauergrabpflegevertrages bei der Genossenschaft Württembergischer Friedhofsgärtner eG und eines entsprechenden Vertrages mit der Steinmetz- und Bildhauergenossenschaft verbunden. Vorsorgeverträge können bereits zu Lebzeiten abgeschlossen werden. Die Genossenschaften sind dabei die Gewährträger für Leistung und Qualität. Über die gesamte Laufzeit eines Grabes gerechnet, sind zudem die Gesamtkosten für eine Grabstelle in einer Gemeinschaftsgrabanlage in der Regel günstiger als bei traditionellen Einzelgräbern, die vom jeweiligen Grabnutzungsberechtigten selbst oder über einen separaten Pflegevertrag gepflegt werden müssen.

Die Gemeinschaftsgrabanlage in der Abteilung 39 des Hauptfriedhofes ist für Urnengräber konzipiert. Sie umfasst drei kreisförmige Inseln für Urnenbeisetzungen, in denen insgesamt 40 Wahlgräber und 40 Reihengräber ausgewiesen sind. Die Beteiligten sind für die Verwirklichung dieser Anlage mit über 150 000 Euro in Vorleistung gegangen. Das Garten-, Friedhofs- und Forstamt hat gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekturbüro Wölffing-Seelig aus Stuttgart die allgemeine Infrastruktur (Wegeflächen, Möblierung, Heckeneinfassung) geplant. Die Ausführung erfolgte durch die Garten- und Landschaftsbaufirma Johannes Ehmann aus Esslingen. Für die Planung und Gestaltung der drei kreisförmigen Grabanlagen sind Mitgliedsbetriebe der Genossenschaft Württembergischer Friedhofsgärtner beziehungsweise der Steinmetz- und Bildhauer-Genossenschaft verantwortlich. Bildhauerische Gestaltung, Steinmetzarbeiten und Pflege der Stelen erfolgen durch die Häberle Steinwerkstatt und die Fuchs Grabmale GmbH + Co. KG, während die gärtnerische Gestaltung und Pflege durch die Firma Blumen + Gärtnerei Noz geleistet wird.

"Im 'Runden Tisch Friedhofskultur' waren wir uns einig, dass alles getan werden muss, um unsere Friedhöfe auch für künftige Generationen zu erhalten - als Ort der Besinnung und Trauer für die Hinterbliebenen, aber auch als würdige und würdevolle letzte Ruhestätte unserer Toten", so Schirner. "Mit dieser gemeinsam verwirklichten Gemeinschaftsgrabanlage sind wir auf diesem Weg einen weiteren Schritt vorangekommen."

Weitere Informationen rund um die Gemeinschaftsgrabanlage erhalten Interessierte an folgenden Stellen:
  • Garten-, Friedhofs- und Forstamt, Friedhofsaufseher Hauptfriedhof: Telefon 216-98134,
  • Gräberverwaltung: Telefon 216-6451.
  • Netzwerkstein Steinmetz + Bildhauer Genossenschaft eG: Telefon 259 76 30.
  • Genossenschaft Württembergischer Friedhofsgärtner eG: Telefon 64495-25.

Gemeinschaftsurnengrab SteinhaldenfeldVergrößern
Gemeinschaftsurnengrab auf dem Friedhof Steinhaldenfeld. Foto: Martin Lorenz