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STOP Fachtagung im Rathaus zum Thema

"Hinschauen - Erkennen - Handeln: Prävention im Bereich Häusliche Gewalt"

01.07.2013 Aktuelles
Jede vierte Frau in Deutschland hat schon einmal körperliche Gewalt beziehungsweise Übergriffe durch ihren Partner erlebt. Bis vor gut zehn Jahren wurde häusliche Gewalt als Privatsache angesehen. Seit Inkrafttreten des Gewaltschutzgesetzes 2002 ist der Schutz der Betroffenen jedoch eine staatliche Aufgabe.
Gewalt in Ehe- und Partnerschaftsbeziehungen sollte somit heute eigentlich kein Tabuthema mehr sein. Trotzdem wird immer noch häufig weggeschaut oder nicht richtig zugehört, wenn Frauen ganz offensichtliche Blessuren tragen oder Kinder und Jugendliche von entsprechenden Vorfällen erzählen.

STOP - Stuttgarter Ordnungspartnerschaft gegen häusliche Gewalt

In Stuttgart hat sich während der letzten Jahre in solchen Situationen ein interdisziplinäres Interventionsverfahren bewährt, die Stuttgarter Ordnungspartnerschaft gegen häusliche Gewalt, kurz STOP. Allerdings werden damit bislang nur die Fälle erreicht, bei denen die Polizei vor Ort ist. Allein im vergangen Jahr gab es 600 solcher Einsätze. Bei 60 Prozent davon lebten auch Kinder in den betroffenen Haushalten. Schätzungen zum Auftreten von Partnergewalt innerhalb der Familien gehen von einer Quote von bis zu 20 Prozent aus. In Stuttgart leben rund 55.000 Familien mit Kindern. "Sollten wirklich 11.000 Familien in Stuttgart betroffen sein, ist das Grund genug, den Fokus nun auf die Prävention im Bereich Häusliche Gewalt zu legen", sagt die Gleichstellungsbeauftragte der Landeshauptstadt, Dr. Ursula Matschke.

Zahlreiche Studien zeigen, dass Gewalterfahrungen in Kindheit und Jugend oft dazu führen, dass Betroffene selbst gewalttätig oder zu Opfern von Partnergewalt werden. Zudem kann es zu einer Benachteiligung beim Erwerb von Bildung und sozialen Kompetenzen kommen.

Fachtagung im Rathaus

"Hinschauen - Erkennen - Handeln: Prävention im Bereich häusliche Gewalt" ist deshalb die Fachtagung überschrieben, zu der am Montag, 1. Juli, mehr als 150 Teilnehmer aus dem polizeilich-juristischen, psychosozialen und schulischen Bereich im Stuttgarter Rathaus zusammengekommen sind. Auf Einladung der Abteilung für individuelle Chancengleichheit der Landeshauptstadt diskutieren sie über Möglichkeiten der Prävention. Ziel ist es, alle Beteiligten aus dem unmittelbaren sozialen Umfeld von Kindern und Jugendlichen, wie Kita, Schule, Schulsozialarbeit oder Jugendarbeit, für das Thema zu sensibilisieren und ihnen mehr Handlungssicherheit zu geben. Darüber hinaus sollen ein gesellschaftliches Bewusstsein und eine Haltung des Hinschauens gefördert werden.

Seit dem Jahr 2001 gibt es die "Stuttgarter Ordnungspartnerschaft gegen häusliche Gewalt" (STOP). Seit 2003 wird das interdisziplinäre Interventionsverfahren von der Abteilung für individuelle Chancengleichheit koordiniert.

Ziel: Häusliche Gewalt abbauen und verhindern

Bei STOP arbeiten verschiedene Institutionen und Beratungsstellen gemeinsam an einer wirkungsvollen Gewaltprävention und -intervention. Ziel ist der Abbau beziehungsweise das Verhindern häuslicher Gewalt. Dazu gehört vor allem die zeitnahe Beratung und Hilfestellung für Opfer und Täter nach einem Platzverweis, bei dem der Täter oder, sehr viel seltener, die Täterin die gemeinsame Wohnung verlassen muss. Neben dem polizeilichen Einschreiten und der Beratung bilden eine konsequente Strafverfolgung sowie zivilrechtliche Schutzmaßnahmen nach dem Gewaltschutzgesetz die Basis für das Vorgehen gegen häusliche Gewalt.

Zu den Interventionspartnern im Rahmen von STOP gehören:

  • Polizeipräsidium Stuttgart
  • Amt für öffentliche Ordnung
  • Beratungszentren des Jugendamtes (ASD)
  • FrauenInterventionsstelle (FIS)
  • Männerinterventionsstelle (MIS)
  • Krisen- und Notfalldienst Stuttgart (KND)
  • Kinderschutz-Zentrum Stuttgart
  • Staatsanwaltschaft Stuttgart
  • Gerichtshilfe Stuttgart
  • Zeugen- und Prozessbegleitung
  • Abteilung für individuelle Chancengleichheit von Frauen und Männern der Landeshauptstadt