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Bezirksrathaus Bad Cannstatt nach Sanierung wiedereröffnet

12.07.2013 Stadtbezirke
Die Bauarbeiter sind verschwunden, im alten Cannstatter Rathaus herrscht seit Anfang Juni wieder reger Betrieb.

Am Freitag, 12. Juli, ist die offizielle Wiedereröffnung mit Oberbürgermeister Fritz Kuhn gefeiert worden. Alle interessierten Bürger können sich beim Tag der offenen Tür, am Samstag, 13. Juli, von 11 bis 17 Uhr das Ergebnis der umfassenden Modernisierung und Restaurierung anschauen. 

Grund für die Sanierung des 1490/91 erbauten, denkmalgeschützten Gebäudes waren massive statische und brandschutztechnische Probleme. Durch die Lage am ehemaligen Sulzsee, der die nördliche Hälfte des heutigen Marktplatzes einnahm, steht das alte Rathaus am Rand einer Doline. Die Auffüllung dieser Doline, teilweise aus organischem Material, war dauerhaft nicht tragfähig - das Rathaus senkte sich im Lauf vieler Jahre einseitig allmählich um etwa 70 Zentimeter. Umfangreiche Neugründungen waren deshalb erforderlich. Damit die Unterfangungen ausgeführt werden konnten, wurde ein nachträglich erstellter Anbau in Richtung Marktplatz abgebrochen. Damit sind auch eine Öffnung zum Marktplatz und eine bessere Verbindung zum Verwaltungsgebäude entstanden.

Sicherheit und Barrierefreiheit

Für die Sicherheit von Besuchern und Mitarbeitern war die brandschutztechnische Ertüchtigung des Gebäudes zwingend. Im neuen Treppenhaus wird im Brandfall durch einen Zuluftventilator Überdruck erzeugt, um den Fluchtweg rauchfrei zu halten. Soweit erforderlich, wurden einzelne Bauteile verbessert und Brandabschnitte gebildet. Neue elektrische Leitungen wurden außerhalb der Fluchtwege verlegt. Die Hausmeisterwohnung im Dachgeschoss wurde zugunsten neuer Büroräume aufgegeben. Im Erdgeschoss findet der Besucher jetzt eine Bürgerinformation. Die Toiletten sind auch außerhalb der Öffnungszeiten des Rathauses von außen zugänglich. 

Die barrierefreie Gestaltung war Teil der vielfältigen Aufgabenstellung. Alle Büroebenen sind über einen Aufzug von der Eingangshalle im Erdgeschoss erreichbar. Das Gebäude ist von der Marktplatzseite aus stufenlos zugänglich. Eine der schwierigsten Aufgaben war es, hier die Außenbeläge anzupassen und dabei die möglichen Rampenneigungen mit Anschlüssen an bestehende Beläge einzuhalten. Dazu musste ein ausreichendes Gefälle zur Entwässerung mit Anschlüssen an vorhandene Abläufe sichergestellt werden. 

Fenster in die Vergangenheit

Bei der Sanierung hat das Büro Manderscheid Partnerschaft - Freie Architekten viel Bestehendes bewahrt und Neues hinzugefügt. Im Inneren wurden historische Stuckfriese teilweise freigelegt, ebenso Stützen, die bisher in Wänden verborgen waren, und andere kleine historische Details. In der Ostfassade wird ein Blick in die Vergangenheit möglich - ein kleines Fenster in der Putzfassade zeigt das ursprüngliche Fachwerk. Mehr freizulegen war aufgrund des Zustands der Fassade nicht möglich. An der Nordfassade finden sich unterhalb der Traufe Gesimse aus dem 19. Jahrhundert, die bisher verborgen waren. Das neue Treppenhaus hebt sich bewusst von der historischen Fassade ab. Das moderne Element mit seiner blauen Stahltreppe im Inneren soll, auch entsprechend den Vorgaben des Landesdenkmalamts, als solches erkennbar sein.

Finanzierung des Bauprojekts

Mit dem Baubeschluss Anfang Oktober 2010 hat der Gemeinderat für die Sanierung 8,28 Millionen Euro bereitgestellt. Die Arbeiten begannen Mitte November 2010. Die Fertigstellung war ursprünglich für Dezember 2012 vorgesehen. Durch Mehraufwand bei den Gründungsmaßnahmen, schadstoffbelastete Bauteile, eine Firmeninsolvenz sowie Schäden durch eindringendes Regenwasser nach einem Sturm entstanden Verzögerungen, die sich auch auf die Kosten auswirken werden. Das Bauprojekt wird durch das Landesdenkmalamt mit rund 137 000 Euro gefördert, aus dem CO2-Zuschussprogramm werden etwa 40 000 Euro erwartet. Die Ausschreibung und Bauleitung erfolgte durch das Büro Gassmann + Grossmann Projektmanagement Stuttgart GmbH. Das Hochbauamt war mit der Projektleitung und Projektsteuerung beauftragt.

Daten und Projektbeteiligte

Tabelle zu Daten und Projektbeteiligte (PDF - 5,4 KB)

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